5 Kasha Jacqueline youth conference c Tobias Boley

Uganda: Keine Adoption für Kasha

Seit drei Jahren läuft das Verfahren, jetzt sollen ihre Akten verschwunden sein

„Ich bin aufgewacht mit dem Gedanken, dass ich bald Mutter werde“, erzählt Kasha Jacqueline Nabagesera im Gespräch mit MÄNNER am Montag. Denn nach drei Jahren Verhandlungen mit der Regierung sollte es am Dienstag soweit sein: Die Behörden wollten ihre Entscheidung bekanntgeben, ob die wohl bekannteste LGBTI-Aktivistin Ugandas ein Kind adoptieren darf.

Doch zu dem Termin kommt es nicht, erzählt Kasha. Ihre Stimme stockt immer wieder. „In der Adoptionsagentur haben sie mir gesagt, dass meine Unterlagen verschwunden sind.“ Sie kann das nicht glauben. Jahrelang hat sie darum gekämpft, ein Kind adoptieren zu dürfen. Eigentlich, so sagt sie, haben die Behörden keinen Grund mehr, ihr ein Kind zu verwehren. (Kasha hat in Berlin Schülern von der Situation von LGBTI in Uganda erzählt – MÄNNER-Archiv)

Kasha will den Staatverklagen

„Sie spielen mit mir“, ist sich Kasha sicher. Das macht sie fertig. „Ich habe so viel Zeit, Energie und Ressourcen verschwendet. Gerade bin ich einfach nur ein Wrack“, sagt sie. „Einfach nur ein Wrack“, wiederholt sie langsam und deutlich.

Ihre Enttäuschung, ihre Wut ist zu hören. Doch sie hält nicht lange. „Ich treffe mich bald mit meinem Anwalt, um die Sache zu regeln“, sagt sie entschlossen. Sie will gegen die Regierung wegen der seelischen Belastung vorgehen. „Niemand soll das durchmachen, was ich gerade durchmache.“

Viele Kinder in Uganda haben keine Eltern

Bevor sie die Nachricht bekommen hat, dass ihre Unterlagen angeblich verschwunden seien, war sie sich sicher, zur Adoption zugelassen zu werden. Kasha ist davon ausgegangen, dass die Regierung es unbedingt verhindern wollte, dass sie verklagt wird, um internationale Aufmerksamkeit zu vermeiden. Immerhin ist sie Trägerin des Alternativen Nobelpreises. (Mehr dazu im MÄNNER-Archiv.)

Vor allem verstehe Kasha nicht, wieso die Behörden ihr und ihrer Partnerin das antun. „Es gibt so viele Kinder in Uganda ohne Eltern. Wir sehen sie jeden Tag in den Nachrichten“, erzählt sie. Wieso dürfen sie keine liebevolle Familie haben, fragt sie sich.

„Ich werde aufhören zu weinen und weitermachen“

„Ich gebe nicht auf“, sagt sie immer wieder im Gespräch. „Ich gebe niemals auf.“ Sie werde sich jetzt eine Woche von den sozialen Medien fernhalten, um nicht aus Rage oder Wut etwas zu posten, was ihre Chancen in dem Fall verschlechtern könnte, kündigt sie an.

„Ich werde aufhören zu weinen und weitermachen“, sagt sie. „Ich muss wissen, warum die Ämter mir kein Kind geben wollen.“ Sie und ihre Partnerin wollen nichts lieber, als ein Kind zu lieben und zu beschützen. „Warum dürfen wir nicht? Die Regierung muss sich erklären. Und sie wird es.“

Titelfoto: The Right Livelihood Award;  ISWI e.V. : Kasha bei der Preisverleihung des Alternativen Nobelpreises


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close