5 Kasha Jacqueline youth conference c Tobias Boley

„Das ist nicht im Interesse des Kindes“

Nun ist es klar: Die Trägerin des alternativen Nobelpreises darf in Uganda kein Kind adoptieren, weil sie lesbisch ist

UPDATE: Heute, am 23. Januar schreibt Kasha auf Facebook: „Es ist vorbei. Nachdem ich Wochen dafür gestritten habe, zu meiner Anhörung vor der Adoptionskomission zugelassen zu werden, war es heute Morgen endlich soweit. Das 15-köpfige Board hat meinen Antrag einstimmig abgelehnt. Sie sagten „Ihre Bewerbung hörte sich zu gut an, um wahr zu sein, also haben wir tiefer gegraben. Dabei haben wir entdeckt, dass das wofür Sie den Begriff ‚Menschenrechte‘ benutzen, in Wahrheit die Arbeit für und mit LGBTI ist. Sind sie nur Aktivistin oder selbst homosexuell?“

Weder meine Arbeit noch mein Wesen hindern mich daran, einem der Millionen unterpriviligierten Kindern in unserem Land ein liebevolles Zuhause zu geben“

Meine Antwort: „Ich bin beides. Es überrascht mich auch nicht, dass Sie darüber sprechen wollen, ich bin darauf vorbereitet. Ich habe mich extra auf den langen Adoptionsweg begeben, statt nur ein obdachloses Kind aus meiner Stadt zu beherbergen, weil ich ihnen zeigen wollte, dass weder meine Arbeit noch mein Wesen mich daran hindern, einem der Millionen unterpriviligierten Kindern in unserem Land ein liebevolles Zuhause zu geben. Das ist der Grund, warum ich Ihnen gegenüberstehe.“

„Entschuldigen Sie, Jaqueline, aber unser Hauptinteresse ist das Wohlergehen des Kindes. Wir glauben, ihre Arbeit und ihr Lebenstil stehen dem entgegen.“

Da sagten sie: „Entschuldigen Sie, Jaqueline, aber unser Hauptinteresse ist das Wohlergehen des Kindes. Wir glauben, ihre Arbeit und ihr Lebenstil stehen dem entgegen. … Blah blah blah blah. Egal was ich danach sagte, sie wollten es nicht mehr hören. Der Raum war völlig zugestopft mit ihren Vorurteilen. Ich hörte auch auf zuzuhören und war in einer anderen Welt, während ich meinen Tränen freien Lauf ließ. Die Sozialarbeiterin folgte mir nach draußen und entschuldigte sich wortreich. Nichts von dem was sie sagte, kam bei mir an. Ein Jahrzehnt Arbeit, Warten, Pläne machen und Stress, alles umsonst, alles in Scherben. Ich danke allen, die für gebetet haben und auf dieser Reise mit mir waren. Ich bin Euch sehr dankbar. Jetzt will ich nur noch allein sein und mich wieder zusammensetzen.“

AM 10. JANUAR HATTE KASHA UNS ERZÄHLT: „Ich bin aufgewacht mit dem Gedanken, dass ich bald Mutter werde“, erzählt Kasha Jacqueline Nabagesera im Gespräch mit MÄNNER. Denn nach drei Jahren Verhandlungen mit der Regierung sollte es am Dienstag soweit sein: Die Behörden wollten ihre Entscheidung bekanntgeben, ob die wohl bekannteste LGBTI-Aktivistin Ugandas ein Kind adoptieren darf.

Doch zu dem Termin kommt es nicht, erzählt Kasha. Ihre Stimme stockt immer wieder. „In der Adoptionsagentur haben sie mir gesagt, dass meine Unterlagen verschwunden sind.“ Sie kann das nicht glauben. Jahrelang hat sie darum gekämpft, ein Kind adoptieren zu dürfen. Eigentlich, so sagt sie, haben die Behörden keinen Grund mehr, ihr ein Kind zu verwehren. (Kasha hat in Berlin Schülern von der Situation von LGBTI in Uganda erzählt – MÄNNER-Archiv)

Kasha will den Staatverklagen

„Sie spielen mit mir“, ist sich Kasha sicher. Das macht sie fertig. „Ich habe so viel Zeit, Energie und Ressourcen verschwendet. Gerade bin ich einfach nur ein Wrack“, sagt sie. „Einfach nur ein Wrack“, wiederholt sie langsam und deutlich.

Ihre Enttäuschung, ihre Wut ist zu hören. Doch sie hält nicht lange. „Ich treffe mich bald mit meinem Anwalt, um die Sache zu regeln“, sagt sie entschlossen. Sie will gegen die Regierung wegen der seelischen Belastung vorgehen. „Niemand soll das durchmachen, was ich gerade durchmache.“

Viele Kinder in Uganda haben keine Eltern

Bevor sie die Nachricht bekommen hat, dass ihre Unterlagen angeblich verschwunden seien, war sie sich sicher, zur Adoption zugelassen zu werden. Kasha ist davon ausgegangen, dass die Regierung es unbedingt verhindern wollte, dass sie verklagt wird, um internationale Aufmerksamkeit zu vermeiden. Immerhin ist sie Trägerin des Alternativen Nobelpreises. (Mehr dazu im MÄNNER-Archiv.)

Vor allem verstehe Kasha nicht, wieso die Behörden ihr und ihrer Partnerin das antun. „Es gibt so viele Kinder in Uganda ohne Eltern. Wir sehen sie jeden Tag in den Nachrichten“, erzählt sie. Wieso dürfen sie keine liebevolle Familie haben, fragt sie sich.

„Ich werde aufhören zu weinen und weitermachen“

„Ich gebe nicht auf“, sagt sie immer wieder im Gespräch. „Ich gebe niemals auf.“ Sie werde sich jetzt eine Woche von den sozialen Medien fernhalten, um nicht aus Rage oder Wut etwas zu posten, was ihre Chancen in dem Fall verschlechtern könnte, kündigt sie an.

„Ich werde aufhören zu weinen und weitermachen“, sagt sie. „Ich muss wissen, warum die Ämter mir kein Kind geben wollen.“ Sie und ihre Partnerin wollen nichts lieber, als ein Kind zu lieben und zu beschützen. „Warum dürfen wir nicht? Die Regierung muss sich erklären. Und sie wird es.“

Titelfoto: The Right Livelihood Award;  ISWI e.V. : Kasha bei der Preisverleihung des Alternativen Nobelpreises


2 Kommentare

  1. Hey Andi

    Weite Teile Afrikas und besonders Uganda sind homophob eingestellt. Tiefstes Mittelalter und Rückständigkeit. Ich habe nichts gegen afrikanische Traditionen, nur einmal müssen sie sich auch den Fortschritt beugen und besonders die unmenschlichen Teile ablegen. Aber was solls, die arabische Welt ist modern und doch rückständig und undemokratisch.


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