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Fantasie trifft Fetisch

DJ Hell feiert Tom of Finland: Geile Zeichnungen und Hankycodes sind Teil seiner Gedankenwelt

DJ HELL arbeitet in seinem aktuellen Video mit Motiven von Tom of Finland. Und mit seinem nächsten Video „Anywhere, Anytime“ holt er die fast vergessenen Hanky Codes zurück ins Partyleben. Auch wenn es eigentlich nicht von Bedeutung ist: DJ Hell ist heterosexuell. Trotzdem gibt’s bei ihm muskulöse Lederkerle zu sehen statt sexy Ladies. (MÄNNER-Archiv) Wir haben ihn getroffen und mal nachgefragt.

DJ Hell, mal ganz direkt gefragt: Wie kommen die Kerle von Tom of Finland in deine Videos?
Weil ich immer schon fasziniert war von Tom und seiner maskulinen Welt.  DJ- & Clubkultur sowie house music passierten zuerst in einer geschlossenen Gay world. Im Grunde ist mein ganzes Tun & Schaffen , ja eigentlich mein ganzes Leben, auf dieser Kultur aufgebaut. Damals (1985) war das eine geheime,  fast verbotene, neue und freie Welt.

Warum gerade Tom of Finnland?
Ich glaube, dass einige Leute nicht verstehen werden, warum ich als Nicht-Homosexueller diese Motive verwende. Aber genau das ist ja das Besondere, meinte Durk Dehner, der Leiter der Tom of Finland Foundation in Los Angeles. Ich denke allerdings auch, dass Tom noch mehr Aufmerksamkeit verdient hat, da seine Kunst  einfach faszinierende Fantasien & Fetische innerhalb der erotic art darstellen. Gezeichnet hat er immer das, was ihn selber anmachte. Und seine Zeichnungen von traumhaften maskulinen Männern,  in denen alles überdimensioniert dargestellt wird, haben mich schon als junger hetero boy  sehr fasziniert. Ursprünglich hatte Tom übrigens seine ersten Zeichnungen an Bodybuilder Magazine verkauft. Sehr zu empfehlen wären hier die Bücher „Tom of Finland XXL aus dem TASCHEN Verlag und „Tom of Finland. Life and Work of a Gay Hero“ aus dem Bruno Gmünder Verlag.

Und diese Faszination holst Du jetzt  in deine Musikvideos.
Ja, ich bin nach L.A. geflogen , habe Durk Dehner kennengelernt und mir die vertragliche Genehmigung geholt, Toms Motive  für mein neues Video zu animieren . Fantastisch war auch, mit Durk den Keller zu erkunden, wo Käfige stehen und diverse Penetrationsutensilien lagern …

Habt ihr’s auch ausprobiert?
Nein (DJHell lacht). Ich hab’ nur angemerkt : Man könnte ja mal sauber machen (lachen)

In deinem dritten Video „anywhere, anytime“  aus dem album „Zukunftsmusik „geht es auch um ein Thema aus der Schwulenszene – Hanky Codes. Wieso gerade Hanky Codes?
Die  Hanky Code  Idee geht auf den Film „Cruising“ zurück. Zum ersten Mal habe ich 1978 erfahren ,  dass es verschiedenfarbige Einstecktücher mit genauen Codes dazu gibt. Es gibt da ja diese eine Szene im Film , in der Al Pacino das Tuch an der falschen Stelle platziert  hat und ein Typ zu ihm sagt: „Nimm das Tuch aus der Tasche, Du F……“ – in der deutschen Übersetzung. Ich war wirklich absolut fasziniert & beeinflußt  von dem  Film,  besonders von den Clubszenen, leather partys und police nights! Und von der Art  der Musik, die in den Clubs gespeilt wurde und wollte daraus resultierend das Thema „Cruising“ künstlerisch & musikalisch weiter denken.

Wie ging es dann weiter?
Ich habe einige meiner gay friends und artists in Rio de Janeiro angefragt, ob sie gewillt sind , die Geschichte von  Al Pacino in „Cruising“ weiterzuentwickeln und daraus einen Kurzfilm mit meiner Musik zu produzieren . Alle wussten natürlich sofort , wovon ich rede.
Dann haben wir ein Drehbuch geschrieben, professionelle Tänzer und Models sowie einige  hot boys am Strand von Ipanema gecastet  und anschließend in nur einer Nacht in einem Theater an der Copa Cabana das Video gedreht. .Hierbei wurde die Produktion, das Styling & die Ausstattung sowie Licht, Ton & Musik komplett in Eigenregie bearbeitet .

Das Video ist komplett in Schwarz-weiß gedreht, bei Hanky Codes geht es aber nicht nur um Links-/Rechtsträger, sondern auch um Farben…
Der Hanky Code selbst wird  im Video nicht gefeatured, weil alles schwarz-weiß gedreht wurde, da hast Du Recht. Aber textlich dafür umso deutlicher. Wenn Du den Hanky Code nicht erkennst, ist es im ersten Augenblick ein Liebeslied – „Horse riding „looking for a ride“, „Meat beater“, „Chubby chaser“, „two tones of fun „“anywhere anytime“ und so weiter.  Sobald Du aber den Hanky Code googelst, weißt Du natürlich sofort , was „anywhere, anytime. don’t talk“ bedeutet. Natürlich hätte man ´ne farbliche Variante machen können, aber wenn man den Text so plakativ aufschreibt und performed , ist das nicht  mehr nötig.

Im Video geht’s also um Sex? Oder was passiert in „anywhere, anytime“?
Es wird gecruist, Typen checken sich ab. Es geht um Körpersprache, um non-verbale Kommunikation. In der offiziellen Version des Videos gibt’s aber keinen „full contact“. Zu  meiner neuesten Single  „I Want U“ haben wir dafür eine „Hardcore-Version“, wie wir sie nennen, erarbeitet. Diese wird über die Tom of Finland Foundation auf ausgesuchten erotic-gay-websites gefeatured.

Wenn Du solche Themen aus der Gay-Kultur in die Heterowelt holst, machst Du sie schwule Community sichtbar, holst sie aus dem „Untergrund“ heraus, in der sie seinerzeit gestartet ist. Steckt dahinter eine Botschaft?
Ich schließe mich hier gerne Toms Botschaft an: „I want to show that gays can feel happy together. That they have a right to be happy together.

Interview: Michael Wilke/Foto: DJ Hell/Gigolo Records

25. März 2017, 18 Uhr: Opening of the exhibition „Berlin Noir“ by Miron Zownir, at Hardhitta Gallery Cologne
Ende April 2017: Neues Album „Zukunftsmusik“ von DJ Hell
2. Juni 2017, 20 Uhr: Eröffnung der neuen Ausstellung in der Helmut Newton Foundation, Berlin


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