blutspende

Das droht Schwulen, die Blut spenden

Benjamin geht regelmäßig zur Blutspende, auch wenn er das nicht darf

Im Oktober stand es wieder im Kalender, das nächste Mal wahrscheinlich Mitte Februar: Benjamin spendet regelmäßig Blut. Das macht der 29-Jährige bereits seit zehn Jahren alle vier bis sechs Monate. „Weil das Blut gebraucht wird, um Leuten zu helfen, ganz einfach“, sagt er.

Dabei darf der Künstler aus der Nähe von Berlin das nicht, denn Benjamin ist schwul. Als er zum ersten Mal Blut gespendet hat, war er gerade 19. Da wusste er noch nicht einmal, dass er deshalb von der Blutspende ausgeschlossen ist.

Überarbeitung der Richtlinien bis zum Frühjahr

Erst als 2012 die Diskussion über das Transfusionsgesetz wieder in den Medien war, hat er davon erfahren. Damals wurde – wie auch heute – eine Beendigung des diskriminierenden Ausschlusses von Männern, die Sex mit Männern haben, gefordert.

Aktuell überarbeitet der „Arbeitskreis Blut“ des Gesundheitsministeriums und der Bundesärztekammer diese Richtlinie. Das Ministerium geht davon aus, dass dies bis zum Frühjahr abgeschlossen ist, teilt es auf MÄNNER-Anfrage mit.

Ein-Jahres-Frist seit Neuestem in der Schweiz

„Es muss überprüft werden, ob neuere Testverfahren für Blutproben und eine bessere Einschätzung des Ansteckungsgeschehens eine befristete Spenderrückstellung von einem Jahr als Schutzmaßnahme ausreichend erscheinen lassen“, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Genau diese Ein-Jahres-Frist hat Ende Januar die Schweiz eingeführt. Das heißt: Schwule und bisexuelle Männer müssen ein Jahr auf Sex verzichten, ehe sie Blut spenden dürfen. Dieselbe Regelung gilt seit diesem Jahr auch in Irland (MÄNNER-Archiv), in Frankreich und in den Niederlanden (MÄNNER-Archiv). Argentinien gehört zu den wenigen Ländern, in denen nach individuellem Risikoverhalten und nicht nach sexueller Orientierung entschieden wird, wer Blut spenden darf (MÄNNER-Archiv.)

„Die, die das Blut brauchen, können nichts für die Gesetzeslage“

„Diese Regel finde ich schwachsinnig“, sagt der langjährige Blutspender Benjamin. Es sei nicht realistisch, dass jemand ein Jahr keinen Sex hat. „Dann könnte man Blutspenden nur noch aus Klöstern holen.“

Selbst als Benjamin erfahren hat, dass er gar kein Blut spenden darf, hat er weitergemacht. Die Meinung anderer Schwuler, die ihr Blut gerade deshalb nicht hergeben, weil sie nicht dürfen, kann er nicht teilen: „Die Menschen, die das Blut brauchen, können ja nichts für die Gesetzeslage. Die sind froh über meine Spende.“ Außerdem, so betont er, geht er nur nach einem HIV-Test zur Blutspende.

Schwules Blutspenden: Bis zu 10.000 Euro Strafe

Doch obwohl Benjamin weiß, dass er HIV-negativ ist, wenn er Blut spendet, begeht er damit eine Ordnungswidrigkeit. Denn der Fragebogen verlangt, alle Angaben „nach bestem Wissen und Gewissen“ zu machen.

Nach Paragraf 30 Absatz 3 Transfusionsgesetz kann diese Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Sollte bekannt werden, dass jemand falsche Angaben auf dem Fragebogen macht, würde dieses auch zur Anzeige gebracht werden, erklärt Kerstin Schweiger vom Blutspendedienst Nord-Ost des Deutschen Roten Kreuzes.

Bei Infektionen durch Blutspenden drohen Haftstrafen

„Würde eine bewusste Täuschung durch einen Blutspendenden bekannt, ohne dass es aufgrund der geleisteten Spende zu einem Patientenschaden käme, würde der Blutspendedienst das Gespräch mit dem Betreffenden suchen und ihn zwingend von weiteren Blutspenden ausschließen“, sagt sie.

Sollte die Blutspende eines schwulen Mannes nachweislich zu einem Patientenschaden führen, hätte dies wohl rechtliche Relevanz. Dann könnte der Spender wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Körperverletzung angezeigt werden. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Geld- oder sogar Gefängnisstrafe.

Titelfoto: DRK-Blutspendedienste/Symbolfoto


80 Kommentare

  1. Andreas Reiter

    **Nicht das sich ein Ahnungslose Patient, der auf Blutkonserven angewiesen ist, sich mit meiner homosexualität ansteckt. Nö, damit könnt ich nicht leben, da laß ich ihn lieber krepieren*** Ober, Oberfieser Sarkasmus ENDE.
    HIV und Drogenkonsum ist doch nicht nur uns Schwulen vorbehalten!!!

  2. Andreas Reiter

    Moralisch ja, da bin ich ganz bei dir. Laß es aber nicht den Gesetzgeber hören. Würde an deiner Stelle den Post (mit Realnamen) löschen wenn du weiter helfen möchtes!!!

  3. Marcus Hipp

    Weil Heterosexuelle Menschen keine Krankheiten bekommen können, deshalb dürfen nur sie spenden? Is klar.
    Ich gehe schon lange nicht mehr, weil ich keine Lust habe, beim Fragebogen zu lügen.
    Dann hört auf zu jammern, dass ihr kein Blut mehr habt, liebes DRK. Oder wer auch immer. Solange es eine solche Diskriminierung gibt, kann das Blut nicht knapp genug sein.

  4. Peter Steinkellner

    Ich brauche keine Angst zu haben bestraft zu werden. Vor Wochen wollte ich Blut spenden – und mußte erfahren, daß ich gesperrt bin. Ich habe vor längerer Zeit beim Blutspenden angegeben, daß ich schwul bin.
    Die Ärztin bedauerte es mich abzuweisen, besonders nachdem ich ihr sagte, daß ich „0 neg” habe.

    Als Hohn empfand ich es aber als Tage später im Radio zu Blutspenden aufgerufen wurde. UND das mangelnde Interesse zu spenden beklagt würde.

    Peter Steinkellner

  5. Marcus Hüter

    Ich finde das nachvollziehbar dass homosexuelle Männer kein Blut spenden dürfen.
    Ich habe auch schon jemanden kennengelernt der überall rumfickt und sagt er macht keinen HIV Test er spendet ja Blut.
    Ich denke die Menschen grade beim Thema Sex sind sehr unehrlich.
    Bei wievielen bei romeo steht safer Sex immer aber es stimmt absolut nicht.

  6. Peter Steinkellner

    Ist nicht nur in Deutschland so. Auch bei uns in Österreich ist das Rote Kreuz so.

    Mir kann es (oder sollte es) egal sein. Wie ich bei einem Blutspendeversuch vor ein paar Wochen erfahren musste bin ich gesperrt – weil ich vor längerer Zeit so dumm war und zu meiner Homosexualität stand.
    Die Ärztin bedauerte es mich abzuweisen – besonders nachdem ich ihr sagte, daß ich „0 neg” habe.

    Peter Steinkellner

  7. Peter Steinkellner

    Ist bei uns in Wien genauso:
    Tust du auf Hetero lieben sie dich – stehst du zu deinem er Homosexualität „Bedauern sie es sehr” dich nicht nehmen zu können.

    Peter Steinkellner

  8. Ed DyDem

    Aber ehrlich, wie oft musste ein schwuler Mann bis heute diese Ordnungswidrigkeit bezahlen? Wieder ein Gesetz, das nur droht aber unwirksam bleibt…

  9. Florian Rogoss

    Nach wie vor eine absolute Diskriminierung und Unverschämtheit. Besonders da die Dunkelziffer unerkannter HIV-Neuinfektionen nachweislich bei den so genanten Heterosexuellen und vor allem bei Frauen am höchsten ist… Dann behalten wir eben unser Blut für uns 😉

  10. Piet Wehmann

    Diese Regelung stammt noch aus der Panik-Zeit, in der man von HIV noch zu wenig/nichts wusste.
    Wurde aber noch immer nicht überholt: DISKRIMINIERUNG hoch 3!!!!

  11. Ngâzreth Zahâk

    Im Artikel steht „Nach Paragraf 30 Absatz 3 Transfusionsgesetz kann diese Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden.”, §30 TFG beinhaltet aber die „Angleichung an Gemeinschaftsrecht” und es gibt nur zwei Absätze. Die eigentlich gemeinte Rechtsvorschrift dazu findet sich in §32 (3) TFG…

  12. Manuela Heinemann

    Also wenn ich so etwas lese könnte ich kotzen. Für mich klingt das so als würde man sich die für die Sicherheit notwendigen Tests sparen wollen. Dies dann an homosexuell/heterosexuell fest zu machen ist erstens diskriminierend und zweitens kompletter Unsinn. Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen das die Frage nach der sexuellen Orientierung überhaupt erlaubt ist. Wenn man bedenkt das sowieso immer zu wenig Blutkonserven verfügbar sind denke ich das man froh sein sollte wenn es Menschen gibt die Blut spenden egal welcher sexueller Neigung. Jede Blutkonserve muss eigentlich getestet werden. Gänzlich ärgerlich ist die Tatsache das der Spender kaum etwas bekommt, aber jede Blutkonserve kostet richtig Geld wenn ein Patient diese benötigt. Finde es obwohl es mich nicht betrifft ein Armutszeugnis – in der heutigen Zeit Menschen die helfen wollen so zu diskriminieren ist ein absolutes NoGo.

  13. Jeht Dir Nüscht An

    wer sich so einem diskriminierenden Prozedere hingibt ist selber Schuld. Ausserdem kann davon ausgegangen werden, dass die Blutpräparate nicht die nötige sorgfältige Nachsorge erhalten! Dann sollte man Blutspendevereine anzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung!

  14. Wolfgang Fast

    Die Schnelltests sind sehr zuverlässig. Aus der Erfahrung der Aidshilfe, die solche Testmöglichkeiten anbietet, geht man davon aus, daß sich bereits nach 6-8 Wochen etwas zeigt.
    Und die Beraterin sagte mir, das wenn nach 6-8 Wochen nix erkennbar ist, dann ist die Erfahrung, daß nach 12 Wochen auch nichts auftaucht auf dem Teststreifen.
    Aber ich gebe Malte Lohmann recht, der Test schließt 6 Wochen aus, sprich: der Status vor 6-8 Wochen zeigt keine Bildung von Antikörpern.

  15. Wolfgang Fast

    Ronny Zweigle Täusch dich da mal nicht! Vor allem die „Heteros” die es mal probieren wollen, ficken oft ohne Gummi, und abends wird dann noch die Frau zamgeritten die nimmt die Pille, also auch ohne…

  16. Axel Bellach

    Also ich habe auch vor 12 Jahren regelmäßig Blut gespendet trotz Verbotes und es ist niemand zu Schaden gekommen. Das Gesetzt ist völlig überholt. Ich glaube auch das die Dunkelziffer sehr viel höher sein wird, wo Schwule bzw. BI`s trotz Verbotes gespendet haben.


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