csd-dresden-2016

Dresden kürzt Förderung des CSD

Die städtischen Fördermittel für den Christopher Street Day Dresden sollen 2017 auf ein Drittel gekürzt werden. Beim CSD Dresden ist man entsetzt

Schock für den CSD Dresden: 2016 förderte die Stadt den Umzug noch mit 3.000 Euro, dieses Jahr sollen es nur noch 1.000 Euro sein. Das berichten die Dresdner Neuesten Nachrichten am Montag. Beim CSD Dresden e.V. ist man fassungslos. „Das tut weh”, sagt CSD-Vorstand Ronald Zenker. Und dabei geht es ihm gar nicht so sehr um das Geld. Der CSD e.V. bekommt noch aus anderen Töpfen 10.500 Euro Förderung und kostet insgesamt 84.000 Euro. 2.000 Euro Ausfall? „Das Geld kriegen wir schon irgendwoher, wir haben Sponsoren und werden mal gucken.” Ihn schockiert eine andere Dimension: „Was sagt diese Entscheidung über die Wertigkeit des CSD für die Stadt aus?”

Die Entscheidung der Kulturverwaltung von Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) beruht auf einem Punktsystem: Alle angemeldeten Großveranstaltungen wurden nach nach den Kriterien überregionale Bedeutung, Tourismusförderung, Breitenwirksamkeit/Familienfreundlichkeit, Förderung regionaler Identität, Bereicherung im öffentlichen Raum und Kontinuität bewertet. Maximal konnte eine Veranstaltung zwölf Punkte bekommen – der Christopher Street Day belegte dabei mit vier Punkten einen letzten Platz.

„Es ist eine Farce!”

Die Entscheidungsführung inklusive Erklärung der Vergabe der Punkte ist öffentlich einsehbar. Sie offenbart in der Tat, dass die Einstufung des CSD in einzelnen Kategorien kurios ist (freundlich gesagt). Der CSD habe kaum überregionale Ausstrahlung, keinerlei touristische Relevanz, es gebe keine Angebote für Kinder und Familien, keine regionale Verortung. Immerhin liege eine „Bereicherung des öffentlichen Raumes” vor, „da die Veranstaltung ein spezielles politisches Anliegen öffentlich macht”, heißt es in der schriftlichen Begründung des Entscheids.

Ronald Zenker ist entrüstet. „Es ist eine Farce!”, sagt er und verweist auf besonderes Engagement des CSD, das von der Stadt nicht gesehen werde. Am 28. Mai gebe es Angebote für Familien und Kinder, in Zusammenarbeit mit dem Weltspieltag. Der CSD sei als einziges Event komplett barrierefrei. Es gebe mediale Aufmerksamkeit über Sachsen und sogar Deutschland hinaus, u.a. berichtete die Washington Post über queere Flüchtlinge in Dresden und wie diese unterstützt werden, auch die MÄNNER berichtete (MÄNNER-Archiv). Zudem kämen zum Straßenfest bis zu 25.000 Menschen und zur CSD-Demonstration werden 12.000 Menschen erwartet. „Und das soll keine touristische Relevanz haben?”

Massiver gesellschaftlicher Rollback?

Das sind Fragen, denen sich die Stadt Dresden stellen muss. Für die Partei Die Linke, die sich eigentlich die Unterstützung von Minderheiten auf die Fahnen geschrieben hat, sieht das nicht gut aus. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hat sich bis dato auf MÄNNER-Anfrage nicht geäußert. Klar ist: Hier wird eine Chance vertan, einen Akzent gegen das Image von Dresden als Pegida-Hochburg zu setzen. Der CSD hätte ein Event mit Leuchtturm-Charakter sein können – nun sieht es zunächst im Gegenteil so aus, als gebe es in Dresden einen massiven gesellschaftlichen Rollback.

Noch ist das letzte Wort bei der Vergabe der Gelder aber nicht gesprochen. Endgültig entscheidet der Kulturausschuss des Stadtrats ab Ende März. Der CSD Dresden findet am 26.-28. Mai statt (Straßenfest), Demonstration ist am 27. Mai.

Insgesamt hatten sich zehn Großereignisse um Förderung beworben, und die Umstände schienen gut zu sein, weil 2017 die Förderung des Evangelischen Posaunentags wegfiel. Der war ein einmaliges Event, die 9.000 Euro konnten dieses Jahr also anders verteilt werden. Insgesamt standen 35.000 Euro zur Verfügung, gut 66.000 wurden beantragt. Der CSD bewarb sich um 3.500 Euro Förderung, soll nun aber nur 1000 Euro bekommen. Am meisten Förderung erhält das Dixilandfestival (9.500 Euro), gefolgt vom Elbhangfest (9.000 Euro).

Foto: CSD Dresden 2016 von Philipp Grafe


20 Kommentare

  1. Kurt Hauser

    ich habe nichts mit solchen Wahrheiten zu tun mein Lieber, aber scheinbar Du, auf Deine Bitte hin werde ich Dich sehr gerne ‘verschonen’ wusste nicht, dass die Linken solche Sensibelchen sind!


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