Indien: Homo-Musikvideo nicht zensiert

In „Miss You“ geht es um die Liebe zweier Männer

Die beiden Männer liegen im Bett, halbnackt, sie berühren sich. Kein Streicheln, kein Kuss, noch dazu in Sepia gefärbt. Zehn Sekunden lang dauert diese Szene aus dem Musikvideo zu „Miss You“ von der Band „Friends of Linger“.

Das war der indischen Filmzensurbehörde CBFC fast zu viel gewesen. Sie forderte von der Band, die zehn Sekunden aus dem Video zu schneiden. Andernfalls könnte das Musikvideo nicht im indischen Fernsehen gezeigt werden (MÄNNER-Archiv.)

„Dabei haben wir weder Liebe gemacht noch uns umarmt. Es war eine Szene der Trennung und kaum intim”, sagte das Bandmitglied Sharif Rangnekar, der auch im Video mitspielt. Deshalb ging Rangnekar in Berufung gegen die Zensur. Er wollte, dass die Behörde über Stereotype und Phobien hinauswächst. (Ein Betroffener erzählt, wie die indische Polizei ihn verprügelt hat – MÄNNER-Archiv.)

Das Video sei „gefühlvoll und relevant“

„Ich fühlte bis dahin ein Gefühl der Diskriminierung, da es mehr als genug Material im Fernsehen gab, das den guten Geschmack der Menschen und der Gesellschaft verletzt”, sagte er. „Frauen werden standardisiert dargestellt und Schwule werden verspottet.“

Sein Einspruch hatte Erfolg: Vier Monate nach seiner Beschwerde hat die Zensurbehörde beschlossen, das Video fürs indische Fernsehen freizugeben. In der Entscheidung hieß es, das Video sei „gefühlvoll, relevant und die zehn Sekunden, die herausgeschnitten werden sollten, sind wesentlich für die Handlung.“

Indien wartet immer noch auf Entkriminalisierung

Rangnekar erklärte, die Entscheidung sei ein Meilenstein für LGBTI-Fragen. Er sagte, es könnte der Beginn einer neuen Akzeptanz von LGBTI-Menschen in Indien sein. Er sehe das Urteil „vor dem Hintergrund der Feindseligkeit, des Hasses, der rechten Politik und des geduldig erwarteten Urteils des Oberste Gerichtshofs“. Seit Februar 2016 beschäftigt sich der Supreme Court Indiens mit der Frage nach der Legalisierung von Homosexualität (MÄNNER-Archiv).

„Es könnte ein Präzedenzfall sein“, erzählte dem Sänger ein Filmemacher aus Mumbai. „Einige schwule Aktivisten finden, man sollte deshalb feiern und den Song bei Schwulen-Partys spielen.“

Titelbild: Screenshot


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close