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Oscars: Moonlight ist Bester Film

Der größte, schönste Fehler der queeren Filmgeschichte passierte Sonntag Nacht in Hollywood

Bis zur ersten Attacke auf Donald Trump brauchte die Oscarverleihung genau fünf Minuten. Nachdem Justin Timberlake mit seinem für den Oscar nominierten Song „Can’t Stop the Feeling“ die Show eröffnet hatte, legte Gastgeber und Comedien Jimmy Kimmel los: „Diese Veranstaltung wird von Millionen Menschen in den USA gesehen. Und in den anderen 225 Ländern, die uns jetzt alle hassen. … Ich möchte unserem Präsidenten danken. Können Sie sich noch daran erinnern, dass im letzten Jahr viele dachten, die Oscars wären rassistisch? Das ist dank seines Verhaltens jetzt vorbei. … Wir sind hier in Hollywood. Bei uns wird man nicht aufgrund seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft diskriminiert, sondern wegen seines Alters und seines Gewichts. … Menschen werden hier heute Abend Reden halten, über die der Präsident morgen früh um fünf Uhr in Großbuchstaben twittern wird, während er auf dem Klo sitzt. Und das ist doch was, oder?“

Dann bekam Meryl Streep, die bei einer Rede bei den Golden Globes Trump scharf angegriffen hatte (MÄNNER-Archiv),  eine Runde Standing Ovations. Allerdings erst, nachdem sie Kimmel (in Anspielung auf einen Trump-Tweet über sie) ironisch als „überbewertet und überausgezeichnet“ vorgestellt hatte. Und der Abend ging so weiter: Viele der Anwesenden trugen aus Protest gegen Trump hellblaue Schleifen, oder kleine goldene Anstecker, um ihre Unterstützung für die vom Präsidenten bedrohten Organisationen ACLU und Planned Parenthood zu demonstrieren.

Als der iranische Regisseur Asghar Farhadi für seinen Film „The Salesman“ den Oscar für den besten ausländischen Film gewann, verlas eine Stellvertreterin eine Botschaft des Regisseurs, in der er gegen Trumps Einreiseverbot für Muslime protestierte, wegen dem er nicht angereist war. „Es tut mir leid, heute nicht bei Ihnen zu sein. Es geschieht aus Respekt für meine Landsleute und die Einwohner der anderen sechs Länder, die von diesem unmenschlichen Gesetz betroffen sind. In einer Welt in der Menschen in ‚wir und unsere Feinde‘ eingeteilt werden, gewinnt nur die Angst.“

Hatte am Ende des Abends allen Grund zu strahlen: Moonlight-Regisseur Barry Jenkins

Hatte am Ende des Abends allen Grund zu strahlen: Moonlight-Regisseur Barry Jenkins

Der mexikanische Hollywoodstar Gael Garcia Bernal nahm sich Trumps geplante Grenzmauer zu Mexiko vor, als er den Oscar für den besten animierten Kurzfilm vorstellte: „Schauspieler sind Migranten. Wir arbeiten überall auf der Welt. Wir bauen uns Familien, wir leben überall, aber man kann uns nicht von anderen trennen. Als Mexikaner, als Lateinamerikaner, als Migrant und als Mensch bin ich gegen die Mauern, die uns trennen wollen.“

Dann passierte etwas, das es in der Oscar-Geschichte so noch nie gegeben hatte

Dann passierte zum Schluss etwas, das es in der Oscar-Geschichte so noch nie gegeben hatte. Bei der Vergabe des Oscars für den Besten Film passierte ein Fehler: Faye Dunaway las den Namen des Favoriten „La La Land“ vor und die Filmemacher stürmten die Bühne. Um dann, als sie sich bei ihrer Dankesrede den Zettel aus dem Umschlag genauer ansahen, festzustellen, dass das schwule Drama „Moonlight“ gewonnen hatte. Sie korrigierten das sofort und übergaben den Preis an Regisseur Barry Jenkins und sein Team. Vorher ging für „Moonlight“ schon der Preis für das beste adaptierte Drehbuch an den offen schwulen Drehbuchautor Tarell Alvin McCraney und Barry Jenkins, und Mahershala Ali war als bester Nebendarsteller für seine Rolle in dem Film ausgezeichnet worden. Insgesamt gab es also drei Oscars für „Moonlight“.

Moonlight kommt am 9. März in die deutschen Kinos

„Moonlight“ erzählt die Geschichte von Chiron unterteilt in drei Kapitel. Als kleiner Junge (gespielt von Alex Hibbert) findet er Zuneigung eher beim örtlichen Drogenboss (Mahershala Ali aus „House of Cards“) und dessen Frau (Janelle Monáe) als zuhause bei seiner Crack-süchtigen Mutter (Naomie Harris, 007s aktuelle Miss Moneypenny), die ihn schon mal als „Schwuchtel“ beschimpft. In der Pubertät (nun verkörpert von Ashton Sanders) wird er noch immer von seinen Mitschülern drangsaliert, erlebt allerdings auch mit seinem Jugendfreund Kevin eine körperliche Intimität, die in seinem Leben sonst fehlt. Jahre später jedoch ist Chiron (Trevante Rhodes) noch immer nicht bei sich selbst angekommen, sondern selbst auf kriminellen Abwegen unterwegs. Seine mühsam antrainierten Muskeln trägt er wie einen Panzer vor sich her, unter dem er nicht nur seine Homosexualität, sondern überhaupt sämtliche Gefühle versteckt. Bis sich eines Tages aus heiterem Himmel Kevin (André Holland) wieder bei ihm meldet.

Der Film startet am 9. März in den deutschen Kinos.

Foto: Imago/Future Image

Hier der Trailer zu Moonlight:


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