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Wegen Fake-Account: Klage gegen Grindr

Ein US-Schauspieler hatte über 700 Dates vor seiner Türe

Alles begann im letzten Oktober. Matthew Herrick aus New York hat eine Zigarette vor seinem Haus geraucht, als der erste Besucher kam. Er hat bei ihm geklingelt, denn die beiden hatten sich für ein Sexdate verabredet. Das behauptete zumindest der Gast.

Doch der 32-jährige Matthew hat geantwortet, dass er nie mit ihm geschrieben hat. Seit einer Woche hat er die Dating-App nicht mehr verwendet. Dann hat sein Gegenüber sein Smartphone aus der Tasche gezogen und ihm den Chat gezeigt. Da waren seine Fotos, die er auf Instagram hochgeladen hat. „Das bin ich, aber das bin ich nicht!“, sagte Matthew dem Magazin „Wired“.

Manche wussten auch, wo Matthew arbeitet

Drei weitere Männer haben am ersten Tag bei ihm geklingelt. Alle wollten Sex. Am nächsten Tag kamen wieder mehrere angebliche Sexdates, weshalb Matthew das Fakeprofil bei Grindr gemeldet hat, doch es tauchten immer mehr falsche Profile auf. (Wieso Grindr für China Fortschritt bringen kann – MÄNNER-Archiv.)

Bald kamen neun oder zehn, manchmal sogar ein Dutzend Männer zu ihm nach Hause. Doch nicht nur das: Einige haben ihn sogar in dem Restaurant in Manhattan, wo er arbeitet, besucht. Außerdem hatten sie seine Handynummer, weshalb sie ihn auch auf mit Anrufen, Nachrichten und Nacktfotos belästigt haben.

Grindr sei eine Plattform für Stalker und Belästiger

Mit der Zeit wurde das, was das Fakeprofil angerichtet hat, immer bizarrer. Wer auch immer dahinter steckt, hat Fremde zu Matthew zu Bareback-Sexpartys eingeladen. Außerdem erzählte der angebliche Matthew, er hätte Vergewaltigungsfantasien. So kamen immer aggressivere und zum Teil auch gewalttätige Männer zu ihm nach Hause. Einmal mussten Matthew und sein Mitbewohner einen ungebetenen Gast sogar aus der Wohnung prügeln.

Wegen dieser Horrorgeschichte hat Matthew Herrick die Dating-App Grindr vor dem höchsten Gericht des US-Bundesstaates New York verklagt. Die Vorwürfe: Fahrlässigkeit, vorsätzliche Zufügung emotionaler Schmerzen, falsche Werbung und irreführende Geschäftspraktiken. Die App-Entwickler würden es in Kauf nehmen, dass seine Identität nachgemacht und zu einer Plattform für Stalker und Belästiger wurde, so die Klage.

Scruff reagierte deutlich besser und blockte die IP-Adresse

Trotz einer einstweiligen Verfügung, die Grindr zwingen sollte, die Fakeprofile zu löschen und zu verhindern, tauchten 24 Männer bei ihm oder auf seiner Arbeit auf. Insgesamt, so schätzt der New Yorker Schauspieler, bekam er Besuch von 700 Männern. „Mein ganzes Leben wurde mir gestohlen. Meine Privatsphäre wurde mir genommen. Ich werde jeden Tag erniedrigt, es ist die Hölle auf Erden.“ (Weshalb die Londoner Polizei Dutzende Fälle wegen des Grindr-Mörders erneut prüft – MÄNNER-Archiv.)

Dass es auch anders geht, beweist die schwule Dating-App Scruff: Auch dort sind Fakeprofile aufgetaucht, doch nach einer Beschwerde von Matthew wurden sie innerhalb von 24 Stunden gelöscht. Außerdem wurde die IP-Adresse gesperrt, sodass keine weiteren Profile erstellt werden konnten.

„Warum macht Grindr nicht seinen Job?“

Von Grindr liegt bislang keine Stellungnahme zu dem Fall vor. Es könnte für Matthew jedoch schwer werden, gegen die App zu gewinnen. Nach US-Recht sind Internetdienste grundsätzlich nicht für die Inhalte ihrer Nutzer verantwortlich.

Auch die Polizei hat er wegen des Stalkings eingeschaltet. Die patrouilliert jetzt häufiger in seinem Block oder parkt vor seinem Haus. Einige Polizisten hätten ihm geraten, den Job zu wechseln und umzuziehen. „Warum ziehst du nicht um? Warum versteckst du dich nicht? Ich finde das so beleidigend. Wie kann das eine Lösung sein? Warum macht Grindr nicht seinen Job?“

Titelfoto: Matthew Herrick/Twitter/Larry Hamilton


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