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Von der Ehe und der Nacktschnecke

Die gestrige Aktuelle Stunde zum Thema Eheöffnung geriet dank der CDU/CSU zur Farce

„83 Prozent sind für die Ehe für alle. Für wen machen Sie eigentlich Politik?“, fragt Volker Beck von den Grünen während der „aktuellen Stunde“ zur Gleichstellung Homosexueller im spärlich besetzten Bundestag. Scheint ein Nischenthema zu sein, dabei macht der Überflieger von der SPD, Martin Schulz, unter anderem damit gerade Wahlkampf.

Das hat vielleicht sein Parteigenosse Johannes Kahrs, schwul lebender SPD-Spezi, noch nicht so ganz mitbekommen. Bei seinem Auftritt erfährt die Zuhörerin immerhin, was Kahrs unter anderem bei der Bundeswehr gelernt hat. Mit: „Ich bin immer für gemeinsame Lektüre“, schafft er es schließlich zum Duktus des Mittelstufenlehrers in einem Problembezirk, während „Geben Sie sich einen Ruck“ dann schon wieder nach einem klingt, der ausnahmsweise mal bis zwölf aufbleiben will. Selten hat man jemanden so herumeiern hören, wie den SPD-Vertreter, der im selben Tonfall auch Staubsauger verkaufen könnte.

Insofern ist die gesamte Argumentation dermaßen verlogen

Generell ist es nicht zu fassen, wie ignorant dieses Thema diskutiert wird. Die Linken-Abgeordnete Caren Lay spricht denn auch völlig zu recht von einem parlamentarischen Trauerspiel, während die CDU sich – auf ihrem aktuellen Herrschaftsanspruch ausruhend – in Gestalt von Elisabeth Winkelmeier-Becker diesbezüglich lieber zum Kaffee getroffen hätte. Und dies in einer kuscheligen Stubenecke mit Kameradin Sabine Sütterlin-Waack: „Wollen Sie immer wieder versuchen, uns mit diesem Thema vorzuführen, nur um damit die Schlagzeilen zu beherrschen?… Gesellschaftliche Veränderungen benötigen Akzeptanz und brauchen Zeit,… denn  – wo kommen wir denn her?“ Aus dem Wald beziehungsweise aus dem Nationalsozialismus, Frau S.-W., suchen Sie sich etwas aus. Nichtsdestotrotz klingt ihr implizierter Langsamkeitsanspruch wie die Argumentationskette einer Nacktschnecke.

„Es geht um die Begrifflichkeit und um die Volladoption,…, wir müssen darauf achtgeben, dass es den Kindern gut geht“, quallt es unglaubwürdig weiter, woran dankbar CDUler Weinberg anknüpft und argumentativ zur „Demo für alle“ und Ex-CDUlerin Hedwig von Beverfoerde überleitet, wenn er den Ehebegriff auf die Aufrechterhaltung des Volkskörpers reduziert. „Die Identität der Ehe besteht gerade darin, lebenslanger Bund zwischen Mann und Frau zu sein, der im einander vorbehaltenen geschlechtlichen Verkehr fruchtbar werden will in der Zeugung gemeinsamer Kinder. Damit ist die Ehe einzigartig und mehr als eine x-beliebige Verantwortungsgemeinschaft“, wettert die Kreuzritterin aller erzreaktionären Katholiken auf kath.net, und trifft damit im Kern peinlich für die CDU exakt deren Haltung.

„Fruchtbar werden in einem Verkehr“

„Fruchtbar werden in einem Verkehr“ hat die ewig gestrige Frau B. hübsch formuliert, doch das interessiert vermutlich nicht einmal sie selbst. Es geht hier vielmehr um die politisch und gesellschaftlich uneingeschränkte Gleichstellung unterschiedlicher Lebensmodelle jenseits von Legenden oder einem wie auch immer gearteten Aberglauben. Die Frau ist nicht aus einer Rippe vom Mann, und die Erde nicht in sieben Tagen erschaffen worden, abgesehen davon können Schlangen nicht reden – haben die das immer noch nicht kapiert?

Insofern ist die gesamte Argumentation dermaßen verlogen, dass sie nicht einmal taugt, metaphorisch ummantelt zu werden. Um das Kindswohl schert sich weder der Clan von der CDU, noch die Kirche, noch Frau v. Beverfoerde, sonst wäre die deutsche Politik nicht in erster Linie kinderfeindlich. Und damit meine ich die Förderung Alleinerziehender, die Investition in Kitas, die Anerkennung und ergo entsprechende Bezahlung von ErzieherInnen, etc. Vielmehr findet im übertragenen Sinne ein Missbrauch dahingehend statt, dass Kinder für die Aufrechterhaltung eines patriarchalen Herrschaftsmusters herhalten müssen, von dem sie noch nie etwas hatten.

Ganz abgesehen davon klappt es bei den heterosexuellen Hipstern eben auch prima ohne eigenen Nachwuchs, und wenn es mit dem veganen Frühstücksservice schief geht, bekommen sie politisch unangefochten den Ersatz für den Wauwau „wie auch immer“ in die schicke Altbauwohnung organisiert. Was ja völlig in Ordnung ist, nur wird hieran einmal mehr deutlich, dass die heterosexuell-patriarchale Vorherrschaft  im Mäntelchen des Kümmerers doch nur die eigene Macht meint.

Foto: Metodi Popow

Und hier das Ganze nochmal zum Mitgruseln


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