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„Wir hatten immer schwule Fans“

Ex-Spice Girl Melanie C ist im MÄNNER-Interview vollständig entspannt und gut amüsiert

Ja, wir haben Melanie C auf ihren Silvester Auftritt mit Victoria Beckham angesprochen! Aber mehr als das es „ein großer Spaß“ war, gab es darüber nicht zu sagen. Deswegen kamen die Spice Girls beim Gespräch in Hamburg nur am Rande vor. Dafür ging es um Europa, Madonna und den Manchester Pride.

Dein Album kam in England schon im Oktober heraus, in Deutschland erst jetzt. Deine persönliche Brexit-Strategie?
(lacht laut) Wenn überhaupt, ist das ein umgekehrter Brexit. Es hatte damit zu tun, dass wir das Album in Großbritannien auf meinem eigenem Label veröffentlicht haben. Es lief gut, und es ergab sich die Möglichkeit mit Sony Music zusammenzuarbeiten, die die Promo für Deutschland gesondert laufen lassen wollten. Das hat ja auch sein Gutes. So kommt nicht alles auf einmal und ich hab genug Zeit persönlich nach Berlin, Hamburg, Frankfurt und München zu kommen.

Du bist also keine Europa-Abtrünnige…
Ich liebe Europa. Mein persönlicher Eindruck ist auch, dass es den meisten Briten so geht. Aber wir leben in merkwürdigen Zeiten, in denen seltsame Dinge auf der Welt passieren, also kann ich vielleicht nicht für alle sprechen.

Eins deiner frühen Idole war Madonna. Hast du die Kontroverse um ihre Rede beim Women’s March in Washington mitbekommen?
Nein, hat sie eine tolle Rede gehalten?

Wie man’s nimmt. Sie hat laut darüber nachgedacht, das Weiße Haus in die Luft zu jagen. Das fanden manche nicht so lustig.
Gut, solche Themen sind heikel. Aber sie hat sicher das Richtige gemeint.

Verfolgst du die Klatschpresse? Oder erledigt sich das, wenn man selber so oft Subjekt von Falschmeldungen war wie du und deine Spice-Girls-Kolleginnen?
Bleiben wir ehrlich: Wenn der Klatsch von jemandem handelt, den man nicht kennt, kann er durchaus Spaß machen. Und sonst … Kein Rauch ohne Feuer. Ein Fünkchen Wahrheit ist in der Regel schon dran an den Meldungen. Aber du hast Recht: ich habe auch schon Sachen über mich oder Freunde gelesen, an denen wirklich gar nichts stimmte.

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Es gab Zeiten, in denen du dir in Interviews gewünscht hast lesbisch zu sein, nur um den Spekulationen über deine angebliche Homosexualität ein Ende setzen zu können …
Es ist nicht unbedingt einfacher, zu sich selbst zu finden, wenn man im Rampenlicht steht, so wie wir es mit den Spice Girls getan haben. Ständig liest man Sachen über sich oder muss sich an Meinungen messen, die fremde Leute von einem haben. Bei mir hat es eine Weile gedauert zu lernen, mich von solchen Meinungen loszusagen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

 

Tragen solche Erfahrungen zu mehr Verständnis für deine eigene siebenjährige Tochter bei?
Was toll daran ist, eine Tochter zu haben: Da wächst eine ganz neue Generation heranwächst. Meine Tochter weiß und sieht, dass ich mit Männern befreundet bin, die mit Männern zusammen sind. Und mit Frauen, die mit Frauen zusammen sind. Für sie ist das normal. Das wird hoffentlich dazu führen, dass sie Fragen zur eigenen Sexualität später selbst entspannter angehen kann.

War Homosexualität in deiner eigenen Jugend ein Tabu?
Als ich zur Schule ging, war mir schon bewusst, dass es sie gibt, aber sie war kein großes Thema. Als ich dann auf die Kunsthochschule ging, war es normal.  Im Theater- und Kunstbereich trifft man ja viele Schwule.

Und wenn man erst mal bei den Spice-Girls ist sowieso.
Klar, wir hatten immer eine große schwule Fangemeinde. Dass ich viele lesbische Fans habe, ist mir erst richtig klar, seit ich solo unterwegs bin. Ich bin übrigens total glücklich, dass ich diesen Sommer zum ersten Mal beim Manchester Pride auftrete. Ich war vor ein paar Jahren schon mal beim CSD in Toronto, aber jetzt kommt mein erster Gay-Pride in Großbritannien. Eine tolle Chance meine schwulen und lesbischen Fans zu treffen und die Community zu unterstützen.

Du bist im Januar 42 geworden. Wie hast du gefeiert?
Ich war mit ein paar Freunden im Kino. Wir haben „La-la-land“ gesehen. Reizender Film. Danach waren wir noch aus auf ein paar Drinks. Das war perfekt für mich. Meine wilde Clubbing-Zeit liegt ja irgendwie hinter mir.

Obwohl es von und einigen deiner neuen Songs ein paar tolle Remixe gibt!
Das stimmt. Es war mir wichtig bei dieser Platte kreativer im Umgang mit den Songs umzugehen. Sowohl visuell als auch akustisch. Wir haben von Anfang an mit Dance-Remixen geliebäugelt. Einmal kam ich ins Studio und es lief Musik und ich meinte nur „Hey, das klingt toll, was ist das?“. Es war ein Remix von „Anymore“. Besser geht’s doch kaum, oder?

Wie kam es zum Albumtitel „Versions of me“?
Das ist eine komplexe Geschichte. Bisher waren alle Soloalben, die ich gemacht habe, mehr oder weniger eine Bestandsaufnahme dessen, wie ich mich zum jeweiligen Zeitpunkt ihrer Entstehung empfunden habe. Diesmal habe ich tiefer gegraben, viele Dinge mehr hinterfragt. Bis zu der Frage, wie und wer ich eigentlich als Kind war. Mir ist klar geworden, dass jeder Mensch unterschiedliche Versionen von sich selbst hat. Je nachdem, ob wir mit Kollegen, Freunden oder Kindern zusammen sind, verhalten wir uns unterschiedlich. Wir bleiben trotzdem die gleiche Person.

Und mit welcher Version von Mel C spreche ich gerade?
Eine arbeitende aber gechillte. An einer tollen Bar im Park Hyatt Hotel in Hamburg zu sitzen und Interviews zu führen kann ich jetzt nicht als harte Arbeit empfinden.

 Versions of me (Sony Music)

www.melaniec.net

Fotos: Marlene Marino


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