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Acht Festnahmen nach Mord an Trans*frau

Nach dem Mord an Dandara dos Santos in Fortaleza (Brasilien) gibt es nun acht Festnahmen. Die Täter filmten die Misshandlung der trans* Frau.

Die schrecklichen Bilder kursierten in den sozialen Netzwerken, sogar die New York Times berichtete: Am 15. Dezember misshandelten Männer in Fortaleza (Brasilien) die 42-jährige trans* Frau Dandara dos Santos. Sie prügelten sie blutig, mit Fäusten und Knüppeln, am Ende erschossen sie sie.

Und sie prahlten mit ihrer Tat: Auf die Video-Plattform Youtube luden sie einen Clip hoch, der das Leiden der Frau zeigt. Sie sitzt blutend auf dem Boden, wischt sich das Blut mit ihrem Shirt aus dem Gesicht. Ihre Peiniger verhöhnen und lachen sie aus, schlagen und treten sie. Sie sagen, dass sie „die Schwuchtel umbringen“ werden, dann laden sie sie in eine Schubkarre und fahren sie weg. Der Mord selbst ist nicht zu sehen.

Die Bilder sind krass. Youtube hat das Video nur für angemeldete Nutzer mit Altersangabe freigeschaltet. Wir verlinken mit Absicht nicht auf den Clip, weil er transphobe und sexistische Gewalt zeigt. Und weil er mit der Absicht aufgenommen wurde, Dandara dos Santos nur noch weiter zu erniedrigen und verhöhnen. Daran möchten wir uns nicht beteiligen.

Das Video machte den Fall bekannt

So schmerzhaft es ist, dass die Täter nichts dabei fanden, ihre schreckliche Tat sogar öffentlich zu machen – der Clip hat geholfen, die Mörder ausfindig zu machen. Acht Männer, vier davon erwachsen, vier minderjährig, wurden mittlerweile identifiziert und verhaftet.

Und das Video trug dazu bei, den Mord über die sozialen Netzwerke in aller Welt bekannt zu machen. So sehr, dass sich sogar der Minister für öffentliche Sicherheit im Bundesstaat Ceará, wo Fortaleza liegt, dazu äußerte. „Taten wie diese, verübt von Feiglingen und Herumstreifern, werden von guten Bürgern nicht akzeptiert, und auch nicht von der Polizei“, sagte André Santos Costa dem TV-Sender Globo. „Wir brauchen mehr Bildung und Hilfestellung für die Leute, damit sie andere Leute respektieren. Intoleranz hat nur böse Folgen. Das Volk von Ceará verdient diese Antwort und eine Politik, die Minderheiten schützt.“

Viele Morde an Trans* in Brasilien

„Ohne das Video wäre dieses Verbrechen nur eines von vielen anderen gewesen und ignoriert worden“, sagt die Trans*-Aktivistin Sayonara Nogueira, als die New York Times sie auf den Mord anspricht. Nogueira ist Mitarbeiterin der Organisation Rede Trans, die Gewalt an Trans* dokumentiert.

Der Mord an Dandara dos Santos ist leider kein Einzelfall. Brasilien hat eine traurige Geschichte der fehlenden Akzeptanz für Trans*leute, die oft in Hass mündet. Das Projekt Trans Murder Monitoring dokumentiert seit 2008 gewaltsame Todesfälle von Trans*personen weltweit. Von den insgesamt 2.264 dokumentierten Morden fanden allein 900 in Brasilien statt, am zweitmeisten in Mexiko (271). Wobei man anfügen muss, dass die Zahlen nicht zwingend repräsentativ sind: In Brasilien gibt es auch eine starke Community, Zeitungen berichten über Verbrechen an Trans* – es ist unklar, wie viele Trans* in anderen Ländern umgebracht werden, ohne dass über sie berichtet wird. Dennoch ist die hohe Zahl frappierend.

Foto: Governo Federal Brasileiro / wikimedia (CC3.0)


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