shutterstock_denis-makarenko

„Disney hat uns voll unterstützt“

Regisseur Bill Condon verteidigt die schwulen Figuren in seiner Version von "Die Schöne und das Biest"

Der neue Disney-Film „Die Schöne und das Biest” (u.a. mit Harry-Potter-Star Emma Watson) enthält auch eine schwule Nebenrolle. Wegen der schwulen Nebenrolle erhielt die familientaugliche Schmonzette in Russland eine Altersbeschränkung ab 16 Jahren (MÄNNER-Archiv) und einige US-Kinos wollen sie nicht zeigen. Darüber wollten wir mit dem offen schwulen Regisseur Bill Condon reden. 

Mr. Condon, Ihre Version von „Die Schöne und das Biest“ ist noch gar nicht zu sehen, da wird schon viel über die schwulen Momente bzw. die schwule Figur des Le Fou gesprochen. Erzählen Sie doch mal, diesen Aspekt in Ihren Film zu integrieren.
Am Herzen lag mir vor allem eine Szene am Schluss des Films, in der man Le Fou mit einem anderen Mann tanzen sieht. Das ist das Happy End zwischen Belle und dem Biest, eine Ballszene, in der die Liebe gefeiert wird. Da war es mir wichtig, möglichst verschiedene Formen der Liebe zu zeigen, nicht nur die zwischen Mann und Frau. Deswegen gibt es auch eine Figur zu sehen, die realisiert, dass sie auf Cross-Dressing steht. Für mich waren das einfach kleine, aber wichtige Details, um diese Geschichte einem Publikum des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Bei Disney war man dafür sofort offen?
Am Anfang habe ich gar nicht gefragt, sondern diese Szenen einfach gedreht. Aber dann zeigte sich bei den ersten Testvorführungen, dass sie beim Publikum richtig gut ankommen. Spätestens danach hatten wir die volle Unterstützung der Disney-Leute.

Beschwert hat sich niemand?
Hin und wieder gab es nach den Testscreenings auch mal ein paar Leute, die fragten, ob das denn wirklich sein müsse. Das habe doch nichts mehr mit dem Original zu tun. Aber das war eine extreme Minderheit, davon habe ich mich nicht aus dem Konzept bringen lassen.

null

Das Original ist in diesem Fall ja der Zeichentrickfilm von 1991. Hatten Sie in dem eigentlich auch schon das Gefühl, dass Le Fou in Gaston verliebt ist?
Ehrlich gesagt nicht. Ich habe die Beziehung der beiden nie so richtig verstanden. Wenn das Liebe war, dann muss es eine seltsame Sado-Maso-Variante gewesen sein, denn Gaston teilte ja in einer Tour gegen Le Fou aus. Nicht zuletzt körperlich. Aber irgendwie stimmt es natürlich: warum hätte sich Le Fou all das gefallen lassen sollen, wenn nicht aus Liebe. Sonst würde er das sicher nicht eindfach so aushalten.

Und wie würden Sie das Verhältnis der beiden nun in Ihrer Version von „Die Schöne und das Biest“ beschreiben?
In meinen Augen macht Le Fou eine Entwicklung durch und findet im Laufe unserer Geschichte quasi zu sich selbst. Erst will er so sein wie Gaston, dann will er wohl lieber mit Gaston zusammen sein. Und dann erkennt er schließlich, dass dieser nicht unbedingt sympathische Mann vielleicht doch nicht der richtige für ihn ist, aber es womöglich andere Optionen gibt.

Sind die Szenen mit Le Fou Ihre liebsten im Film?
Die Szene zum Song „Gaston“ ist in meinen Augen fantastisch, und Luke Evans und Josh Gad sind darin herausragend. Aber zu sagen dass die beiden meine Favoriten sind, wäre unfair. Ich liebe schließlich auch Emma Watson und Dan Stevens, meine beiden Protagonisten. Und die wohl schwierigste, aber dadurch eben auch spannendste Szene war für mich sicherlich der Song „Be Our Guest“, denn die Figuren darin – von Ewan McGregors Lumière über Ian McKellens Von Unruh bis hin zu Madame Pottine alias Emma Thomspon – sind animiert.

Luke Evans und Josh Gad als Le Fou und Gaston:

Mit der Szene verneigen Sie, der unter anderem das Drehbuch zu „Chicago“ schrieb und mit Beyoncé die Kino-Version von „Dreamgirls“ drehte, vor den Klassikern des Musical-Genres…
Ganz genau! Deswegen lassen sich in der Szene die unterschiedlichsten Referenzen entdecken. Wer genau hinsieht, erkennt Anspielungen auf „Cabaret“, „Chicago“, „West Side Story“, „Singin’ in the Rain“, Bollywood, Martha Graham, Esther Williams und so weiter und so fort.

Eine letzte Frage noch, weil wir nun schon fast alle Ihrer tollen Schauspieler erwähnt haben. Warum ist in „Die Schöne und das Biest“ eigentlich Ihre gute Freundin Laura Linney nicht dabei? Die spielt doch sonst in fast allen Ihren Filmen mit…
Ich weiß! Und ich bin selbst ganz empört, dass wir das nicht hingekriegt haben, denn sie hat mir sehr gefehlt. Sie wäre so gerne mit dabei gewesen und wollte unbedingt eine singende Serviette spielen. Zuhause habe ich immer noch einen Stapel verschiedenster Servietten liegen. Alle mit Lauras Gesicht drauf, zur Inspiration. Aber letztlich fand ich einfach keinen Weg, sie in die Geschichte zu integrieren. Leider.

Foto: Walt Disney Company, shutterstock/Denis Makarenko

KINOSTART: 16. März

 Hier der Trailer zum Film:


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close