Hitzlsperger erklärt das Coming-Out

Müssen sich Schwule outen?, wird Thomas Hitzlsperger gefragt. Er erklärt es. Das Video davon geht gerade viral.

Was ich schon immer mal wissen wollte … dachte sich Clarence Seedorf (hochdekorierter früherer niederländischer Nationalspieler, Champions-League-Gewinner mit drei Vereinen) und fragte Thomas Hitzlsperger: „Warum müsst ihr immer sagen, dass ihr schwul seid? Andere Leute machen das doch auch nicht. Warum also?“

„Es ist wichtig, dass es Vorbilder gibt“, erläutert Hitzlsperger. „Fußballer sind Vorbilder. Nur wer sich äußert, kann etwas ändern. Jedes Mal, wenn ich lese, dass ein Fußballer seine Frau betrügt, sorry, aber das passiert – dann spricht man über seine Sexualität. Jedes Mal, wenn ich einen Kollegen mit seiner Partnerin sehe, sagen sie mir damit: Ich bin hetero. Warum dürfen Heteros über ihre Sexualität sprechen, aber ich nicht?“

„Stärke in Vielfalt“

Dies ist ein Fifa-Podium, eine Diskussion mit Publikumsbeteiligung zum Thema „Stärke in Vielfalt“. Es ist die Abschlussveranstaltung der „Fifa Conference on Equality and Inclusion„. Das Video mit der Antwort von Thomas Hitzlsperger geht gerade viral – weil er einfach so gut ist. Er redet flüssig und smart über eine Sache, die vielen Schwulen und Lesben oft nur noch Augenrollen entlockt, bekommt sogar Szenenapplaus.

Hitzlsperger fährt fort: „Und natürlich kann man sagen, es ist kein großes Ding. Ich wünschte, es wäre so. Aber es ist eines. Und solange das so ist, müssen Leute aufstehen und sagen: Ich bin schwul! Und so andere dazu ermuten, damit es hoffentlich eines Tages keine so große Sache mehr ist. Es geht nicht darum, dir auf die Nerven zu gehen. Aber es gibt immer noch so viele Leute da draußen, die nicht verstehen, dass es nicht leicht ist, als schwules Kind aufzuwachsen, und darüber nicht mit der Familie reden zu können. Und deswegen müssen wir das öffentlich machen.“

„Mein Kompliment“

Clarence Seedorf ist sichtlich beeindruckt. „Es ist das erste Mal, dass ich eine Erklärung wie diese bekomme. Du redest über das große Ganze. Und ich wünsche mir wirklich, dass auch andere eine ähnliche Erklärung geben würden, denn das würde auch das Verständnis der Empfänger verändern. Mein Kompliment, wirklich.“ (nicht sichtbar im Video oben, aber in der Fifa-Übertragung ab 1:15:33)

Thomas Hitzlsperger hatte sich als erster prominenter Fußballprofi als schwul geoutet. Ein Jahr danach gab er der MÄNNER ein Interview (Auszüge im MÄNNER-Archiv). Vor knapp einem Jahr initiierte Hitzlsperger zusammen mit Seedorf und Abby Wambach den Fifa Diversity Award – es ist also nicht ausgeschlossen, dass Seedorf Hitzlsperger diese Frage nicht zum ersten Mal stellt. Das ändert aber nichts an dessen beeindruckender Antwort.

Foto: Matt Wright


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