shutterstock_520714285

News im Seifenopern-Staat

North Carolina findet faulen Kompromiss beim Toilettengesetz und streitet über einen Jungen im Kleid

Erst ein paar Tage ist es her, dass neue Erhebungen zu den negativen Folgen von North Carolinas transphobem Toilettengesetz durch die Medien gingen (MÄNNER berichtete), jetzt kündigt Gouverneur Roy Cooper (Foto oben) an, die sogenannte House Bill 2 (HB2) zurückziehen zu wollen. Zumindest teilweise. So sieht die Gesetzesänderung zwar die Aufhebung der verbindlichen Anordnung vor, dass Männer und Frauen in öffentlichen Gebäuden des US-Bundesstaates ausschließlich Toiletten benutzen dürfen, die ihrem biologischen, in der Geburtsurkunde erfassten, Geschlecht zugeordnet sind (was Transsexuelle diskriminiert), sie schiebt aber weitergehenden Antidiskriminierungsmaßnahmen einen Riegel vor. Denn die Zulassung von „Multi-occupancy facilities” (auf gut Neudeutsch „Unisex-Toiletten„) liegt bis zu den nächsten Wahlen im Jahr 2020 weiterhin in der Hand des Bundesstaates, sodass die Einführung von Antidiskriminierungsmaßnahmen auf Städte- oder Regionalebene untersagt bleibt.

Von HB 2 zu HB 2.0: Kompromiss statt echtem Fortschritt
Die Halbherzigkeit der Gesetzesnovelle ist darauf zurückzuführen, dass der demokratische Gouverneur Roy Cooper (der im Dezember das Amt vom Republikaner Pat McCrory übernahm, der das Toilettengesetz im März 2016 verabschiedet hatte) gegen den Widerstand eines republikanisch dominierten Abgeordnetenhauses anarbeitet. Coopers Begeisterung hielt sich am Mittwoch bei der Verkündung der Neuerung somit in Grenzen: „Ich unterstütze den Kompromiss zum House Bill 2, der morgen eingebracht werden soll. Er ist kein perfekter Deal, aber er widerruft House Bill 2 und ist ein Anfang für die Wiederherstellung unseres guten Rufes.” Derweil bezeichnet Chris Sgro vom Interessensverband Equality North Carolina die Neuerung als „gesetzliche Erbsenzählerei”: „Diese Initiative ist doch keine Widerrufung”, äußerte der Aktivist gegenüber CNN. „Sie verdoppelt die Diskriminierung, mit der HB2 angefangen hat. Sie ist HB 2.0. Verwaltungen werden bis 2020 daran gehindert, ihre Mitarbeiter vor Diskriminierung zu schützen.” Der Senat muss der Gesetzesänderung nun in zwei Wahlgängen zustimmen, bis er final verabschiedet werden kann.

9780807563731_jacobNeuer Skandal: Junge im Kleid aus Schule verbannt
Derweil bahnt sich in North Carolinas größter Metropole Charlotte schon der nächste Skandal an. Eine Lehrerinitiative der Charlotte-Mecklenburg-School, die das Kinderbuch „Jacob’s new Dress” als Schullektüre für Erstklässler vorsah, wurde infolge von Protesten der konservativen North Carolina Values Coalition wieder aus dem Lehrplan entfernt. Der Grund: Das Buch von Sarah und Ian Hoffman erzählt die Geschichte des kleinen Jacob, der gerne eine Prinzessin wäre und von seiner Mutter ein Kleid genäht bekommt. Die Lehrer wollten damit für Toleranz werben, doch die Values Coalition warf ihnen vor, „Schüler durch die Normalisierung von Transgender-Verhaltensweisen zu indoktrinieren”. Solange sich derartige Stimmen in der Öffentlichkeit durchsetzen, wird die Diskriminierungs-Seifenoper im Staate North Carolina noch eine Weile laufen. Das ist der eigentliche Skandal.

 

Titelbild: Shutterstock

Buchcover: Whitman Albert & Co.

 

 

 


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close