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„Liebe ist eine wunderschöne Sache“

Erstaunlich vielfältig ist ein Buch über sexuelle Aufklärung aus China - manche Eltern beschweren sich darüber

Die neue Auflage von Schulbüchern für Kinder ist so progressiv, wie man es sich für Deutschland wünschen würde: Frauen sind Lehrerinnen und Astronauten, Männer sind Krankenpfleger und Kindergärtner (ab 2. Klasse). Und es ist ganz normal, dass Männer auch Männer lieben und Frauen auch Frauen (ab 4. Klasse). Über die neuen Bücher über sexuelle Aufklärung berichtet der Shanghaiist in einem Web-Posting.

„Liebe ist eine wunderschöne Sache“, steht auf einer Seite mit drei Bildern, die Pärchen zeigen: Zwei Jungs lesen zusammen ein Buch. Ein Junge und ein Mädchen stehen auf einer Wiese. Zwei Mädchen liegen auf einer Wiese.

Kinder lernen, dass es verschiedene Arten von Liebe gibt, die aber gleichwertig sind, auch Bisexualität wird thematisiert. An einer anderen Stelle geht es sogar um das spätere Zusammenleben – in manchen Ländern sei sogar die gleichgeschlechtliche Heirat erlaubt, wenn auch „derzeit“ noch nicht in China.

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Auf dem oberen Bild heiraten zwei Frauen, auf dem unteren sagt ein Mann zum anderen, wie schön es sei, nach Hause zu kommen, wenn sein Ehemann ihm ein gutes Essen gekocht habe.

Es geht in den Schulbüchern natürlich nicht allein um Homosexualität, sondern allgemein um sexuelle Aufklärung. Es wird auch erklärt, woher Babys kommen, was sexuell übertragbare Krankheiten sind, warum es sinnvoll ist, beim Sex meistens Kondome zu benutzen. Und dass es nicht in Ordnung ist, wenn Erwachsene Kinder berühren oder betatschen – und dass die Kinder dann ihren Eltern bescheid sagen sollten.

Doch so überraschend progressiv das klingt, so wenig überraschend ist es (leider), dass aus dem konservativen China auch einige sehr kritische Töne kömmen. „Muss das in einem Schulbuch erscheinen? Ich erröte ja selbst schon, wenn ich das angucke“, beschwerte sich eine Mutter auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo, wo es offenbar zu einem kleinen Shitstorm kam. „Das Bild, das Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und einer Frau zeigt, ist nicht akzeptabel“, schreibt ein anderer User (oder eine andere Userin).

Sexualität ist insgesamt noch ein großes Tabu-Thema in China, deswegen konzentriert sich die Kritik nicht auf die Darstellungen von Homosexualität, sondern von Sexualität allgemein. Dem entgegenzusteuern, ist offenbar nun ein staatliches Ziel – deswegen unterstützen große Medien die Bücher für sexuelle Aufklärung. Die Global Times schreiben auf schreiben auf Weibo: „Die Kinder von China haben nun ein Aufklärungsbuch, auf das wir stolz sein können.“ Auch chinesische LGBT-Gruppen applaudieren, es kursiert ein Text einer Lesben-Organisation mit dem Titel „China, endlich würdigst du Homosexualität“. (Übersetzung aus dem Chinesischen nach China Global Television Network)

Fotos: The Shanghaiist / weibo


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