duesseldorf_rosenmontag_2016_politische_karnevalswagen_03

Mirko Welsch verlässt die AfD

Dem Ex-Bundessprecher der "Homosexuellen in der AfD" ist die Partei zu rechts. In Berlin stellte die AfD ihr Wahlprogramm vor

Mirko Welsch, bisheriges AfD-Bezirksratsmitglied in Saarbrücken-Dudenweiler, hat seinen Austritt aus der AfD erklärt. „So sehr ich für einen konservativ-patriotischen Aufbruch in Deutschland stehe, so sehr lehne ich die Anbiederungen an rechtsextreme und nationalistische Milieus ab“, schreibt der Gründer und ehemalige Bundessprecher der „Homosexuellen in der AfD“ in einem Facebook-Posting.

Das ist bemerkenswert: Welsch hatte selbst die Nazi-Dikatur in Deutschland relativiert (MÄNNER-Archiv), mit einer NPD-Politikerin herumgeknutscht und Volker Beck als als „Krebsgeschwür der Schwulenbewegung in Deutschland“ sowie den LSVD als „linksgrüne Parasiten“ bezeichnet. Nun ist sogar diesem Mirko Welsch die AfD zu weit nach rechts gerückt.

Schuld an seinem Austritt seien vor allem die „ständigen Entgleisungen“ von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und seines Umfeldes sowie die fehlende klare Reaktion der Partei darauf. Gerade aus den Reihen der „Homosexuellen in der AfD“ hätte sich Welsch eine entschiedenere Zurückweisung der Sprüche Höckes gewünscht. „Wenn Homosexuelle sich trotz solcher Aussagen zu ihm deutlich bekennen, so muss ich hier deutlich am gesunden Menschenverstand und einer seriösen politischen Ausrichtung zweifeln.“

Anbiederung an Rechtsextreme

Auch die Situation in seinem bisherigen Heimat-Parteiverband im Saarland führt Welsch (stellvertretender Kreisvorsitzender in Saarbrücken-Stadt) als Begründung an – die „Anbiederungen“ an „rechtsextreme Gruppierungen, Parteien und Organisationen“ seien „unerträglich“, die Partei werde ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Man müsse „sogar Zweifel anmelden, ob die AfD mit diesem Verhaltensmuster im Saarland noch auf dem Boden unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung steht.“

Welsch will im Bezirksrat Saarbrücken-Dudweiler als parteiloser Vertreter aktiv bleiben und erwägt eine Direktkandidatur als unabhängiger Bewerber zur Bundestagswahl im Wahlkreis Saarbrücken.

AfD gegen „Frühsexualisierung“

In Berlin hat die AfD ihr Wahlprogramm zur Bundestagswahl vorgestellt. Es basiert auf den Ergebnissen einer Mitgliederbefragung: Im Februar hatte die Partei ihre 23.445 Mitglieder angeschrieben und um ein Votum zum Programmentwurf für die Bundestagswahl geben. 6.385 füllten einen Fragebogen aus und schickten ihn zurück, das ist über ein Viertel des Parteivolkes.

Die Ergebnisse sind als PDF abrufbar und weitestgehend erwartbar: Deutschland soll seine Grenzen wieder hochfahren, die EU verlassen, den Euro abschaffen, das Verhältnis zu Russland entspannen, das Asylrecht quasi abschaffen, Vollverschleierung verbieten, Klimaschutz abschaffen, Windräder rückbauen.

Und: „Frühsexualisierung“ (ein Kampfbegriff der Rechtspopulisten) solle unterlassen werden. 96,13 Prozent der Abstimmenden unterstützen das: „Das traditionelle Familienbild darf nicht zerstört werden. Unsere Kinder dürfen in der Schule nicht zum Spielball der sexuellen Neigungen einer lauten Minderheit werden. Wir fordern, das ideologische Experiment der Frühsexualisierung sofort zu beenden.“

Foto: Kürschner / wikimedia (public domain)


2 Kommentare


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close