afd-fahne

Mirko Welsch zofft sich mit der AfD

Der Ex-Vorzeigehomo der AfD sei nur einem Rauswurf zuvorgekommen, sagt seine frühere Partei. Welsch weist das entrüstet zurück

Mirko Welsch war einer der Gründer und späterer Chef der „Homosexuellen in der AfD“, am 9. März hatte er jedoch seinen Austritt aus der Partei erklärt (MÄNNER-Archiv). Damit kam er offensichtlich nur einem Ausschluss aus der Partei zuvor, wie auf der Facebook-Seite der AfD Saarbrücken erklärt wird. Nun zofft sich Welsch mit seiner alten Partei, wer wen zuerst allein gelassen hat.

„Aus gegebenem Anlass geben wir bekannt, dass Herr Mirko Welsch durch Urteil des Landesschiedsgerichts der AfD-Saarland vom 10.03.2017 aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 17.02.2017 aus der Partei Alternative für Deutschland und ihren Untergliederungen ausgeschlossen und seiner Parteiämter enthoben wurde“, schrieb Rudolf Müller, AfD-Kreisvorsitzender Saarbrücken-Stadt, auf Facebook.

Das ist offenbar eine so ungeheuerliche Unterstellung, dass Welsch sie nicht auf sich sitzen lassen kann. Sowohl als Kommentar unter dem AfD-Posting als auch auf seiner eigenen Facebook-Seite postet er den Text aus einer Email, mit dem ihm die AfD am 10.3. seinen Austritt bestätigt: „Bezugnehmend auf Ihr Kündigungsschreiben vom 09.03.2017, haben wir mit Bedauern Ihren Austritt zum 09.03.2017 aus der Alternative für Deutschland zur Kenntnis genommen.“

„Wer Höcke wählt, kann auch dem IS folgen“

In den Kommentaren auf der AfD-Seite halten sich die Welsch-Kritiker und -Unterstützer ungefähr die Waage. Welsch wird für seine Aussage kritisiert, dass Schwule, die Höcke wählen, sich auch gleich dem „Islamischen Staat“ anschließen könnten. Er selbst mutmaßt in einem Kommentar, der nachträgliche Ausschluss sei eine Reaktion auf seine Aussage, die AfD Saarland müsse vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

In einem Interview mit dem Magazin Stern hatte Welsch seinen Austritt aus der AfD noch einmal begründet. Ihm sei schon seit letztem Dezember klar, dass er im Saarland nicht die AfD wählen werde, sagt er dort: „Die AfD ist im Saarland definitiv nicht wählbar.“ Und er erneuert seine Kritik, die Partei drifte immer weiter nach rechts. „Der rechte Flügel wurde mir einfach zu laut und zu schrill. Da musste ich die Reißleine ziehen“, sagt er. Und: „Wer als Schwuler für Höcke ist und sich sich trotz solcher Aussagen zu ihm bekennt, bei dem muss ich am gesunden Menschenverstand zweifeln.“

Nun will Mirko Welsch als unabhängiger Politiker für den Bundestag kandidieren. Für seine Kandidatur im Wahlkreis 296 sammelt er gerade Unterschriften. 200 braucht er. „Ich will mit der Kandidatur zeigen, wie wirkliche konservative, patriotische Politik funktioniert, ohne ins Völkisch-Nationalistische zu verfallen“, sagt er dem Stern. Die Posse um den AfD-Auftritt bzw. -Rauswurf gibt ihm Aufwind.

Bemerkenswert ist jedoch auch die Tatsache, dass die AfD es für nötig hält, Mirko Welsch überhaupt aus der Partei zu werfen – egal ob nachträglich oder nicht. Die Verfahren gegen Rechtsaußen-Politiker wie Björn Höcke verlaufen im Sande. Wer das parteiintern kritisiert, wird rausgemobbt oder rausgeworfen.

Foto: Metropolico.org / Flickr (CC2.0)


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close