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Muslime oder Schwule als Schützenkönig

Ab sofort können auch Nicht-Christen und Nicht-Heteros Schützenkönig werden. Der katholische Dachverband hat sich modernisiert

Wieder eine Bastion gefallen! Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), der Dachverband der deutschen Schützenvereine, hat seine Regeln modernisiert und entschlackt. Ab sofort können auch Muslime und andere Nicht-Christen Schützenkönig werden. Außerdem dürfen schwule Schützenkönige von ihrem Lebenspartner begleitet werden.

Das beschloss der katholisch geprägte Verband bei seiner Bundesvertreter-Versammlung in Leverkusen mit großer Mehrheit. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften hat rund 400.000 Mitglieder in etwa 1.300 Ortsvereinen. Zuletzt hatte es in dem Dachverband Streit um einen muslimischen Schützenkönig im westfälischen Werl gegeben. 2012 hatte der Verband zudem gleichgeschlechtliche Schützenkönigspaare verboten. Dass Verbot ist nun aufgehoben.

„Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Persönlichkeit und Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich“, erklärte Bundesschützenmeister Emil Vogt laut einer Pressemitteilung des Verbandes. „Homosexuelle Schützenbrüder und Schützenschwestern haben daher selbstverständlich alle Mitgliedsrechte und Mitgliedspflichten, einschließlich der Möglichkeit, die Königswürde zu erringen.“

LSVD begrüßt Entscheidung

Die Reaktion unter lesbischwulen Aktivist_innen ist positiv. LSVD-Sprecher Axel Hochrein begrüßte den Beschluss: „Für diese positive Entwicklung in der Diskussion des Verbandes sprechen wir dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ausdrücklich unseren Respekt aus. Die Öffnung des BHDS sendet ein wichtiges Signal in die katholische Vereinslandschaft insgesamt“, sagte der Sprecher laut einer Pressemitteilung des Verbands. Es sei zu wünschen, dass auch die Katholische Amtskirche sich endlich der gelebten Realität einer vielfältigen Gesellschaft annähere.

Hochrein weiter: „Jetzt muss es freilich darauf ankommen, dass diese neue Offenheit auch überall in den Vereinen wirklich gelebt wird und es zu keinen diskriminierenden Entscheidungen Vorort kommt, die lesbische Schützinnen und schwule Schützen erneut zurücksetzen.“

Schützenvereine sind Vereine, die sich der Ausübung des Schießsports widmen, in vielen Orten bundesweit aber auch eine starke gesellschaftliche Komponente entfaltet haben. Viel gründeten sich im frühen 19. Jahrhundert in der Folge der napoleonischen Kriege und waren auch an einem Erstarken des deutschen Nationalbewusstseins beteiligt. Das Schützenwesen ist von der Kultusministerkonferenz und von der UNESCO als immateriellen Kulturerbe anerkannt.

Foto: Rutenfest Ravensburg 2011, Adlerschießen, Jubel für den Schützenkönig nach dem Schuss des Reichsapfels, von Andreas Praefcke / wikimedia (CC3.0)


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