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Queensland feiert, der Süden errötet

Ist Australiens "Gay Panic"-Gesetz dank einem katholischen Priester bald Geschichte?

Das schwule Australien hat einen neuen Helden. Reverend Paul Kelly ist der Mann der Stunde. Der katholische Pfarrer hat erreicht, dass im Bundesstaat Queenland der sogenannte „Gay Panic Paragraph“ abgeschafft wurde. Gemeint ist ein veralteter Passus im australischen Gesetzesbuch, der es Mördern ermöglicht, sich auf mildernde Umstände zu berufen, wenn sie ihre Tat mit der Verteidigung gegen schwule Annäherungsversuche erklären. Angeklagte, die in einem Mordprozess die „Homosexual Advance Defense Strategy“ (HAD) anwenden (kurz „Gay Panic Defense“) konnten demnach statt auf Mord auf Totschlag plädieren. Das minderte nicht nur die Höhe des Strafmaßes, sondern auch die moralische Verwerflichkeit der Tat.

Ein Mord hinter seiner Kirche rüttelte den Pfarrer auf
Dass derartige Interpretationsspielräume homophob, perfide und in hohem Maße willkürlich sind, hat im ersten Jahrzehnt unseres Jahrtausends zu Gesetzesänderungen in den Australischen Nordstaaten und New South Wales, beziehungsweise zur Abschaffung des Gay Panic-Paragraphen in Westaustralien und Victoria geführt. In Queensland und Südaustralien dagegen blieb der Passus in Kraft. Auch in Maryborough, wo Paul Kelly seine Kirche hat, in deren Hinterhof ein Mann getötet wurde, dessen Mord später mit Verweis auf „Gay Panic“ als Totschlag gewertet wurde.

Kellys Anti-„Gay Panic“-Petition fand über 290.000 Unterstützer
Als Kelly von dem Urteil erfuhr, wurde ihm klar, wie „ekelhaft“ er es findet, in einem Land zu leben, in dem es möglich ist, einen Mord teilweise zu rechtfertigen, weil „einem jemand, von dem man denkt, dass er schwul ist, zu nah gekommen ist“. So rief Kelly eine Petitionskampagne bei change.org ins Leben, die bis heute über 290.000 Unterstützer gefunden hat. Dieses eindeutige Votum führte letzte Woche zur Abschaffung des Gay-Panic-Paragraphen in Queensland. Seitdem wird Kelly in der Szene gefeiert wie ein Popstar. Unter anderem postete Sänger Troye Sivan ein Video, in dem er und seine Mutter dem Reverend für sein Engagement danken.

Beschämend: Südaustralien ist Schlusslicht
Doch der Erfolg in Queensland ist nur ein Etappensieg. Kellys Ziel ist, auch die letzte „Gay Panic“-Bastion Südaustralien zu Fall zu bringen. Südaustralien setzte im Dezember mit einer Reform seines Eherechts ein Zeichen in Sachen Homofreundlichkeit (MÄNNER berichtete) und gilt eigentlich als progressiv. Die Rückständigkeit im Strafrecht ist dagegen ein peinliches Relikt. LGBTI-Aktivist Andrew Birtwhistle-Smith von der Rainbow Advocacy Alliance errötete in den australischen ABC-News stellvertretend für seinen Bundesstaat: „Wir galten bei LGBTIQ-Angelegenheiten lange als Vorkämpfer. In diesem Fall das australische Schlusslicht zu sein, ist beschämend.“

Foto: Shutterstock

 


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