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„Russland muss aufklären“

Die Bundesregierung äußert sich erstmals zu den Vorgängen in Tschetschenien

Zu Meldungen aus Russland, wonach Homosexuelle in der Teilrepublik Tschetschenien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gezielt verfolgt und einige sogar getötet worden sein sollen, erklärte der Koordinator der Bundesregierung für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft, Gernot Erler, am Freitag Nachmittag:

„Die Nachrichten aus Russland über die Verfolgung Homosexueller in Tschetschenien beunruhigen mich zutiefst. Ich fordere die russische Regierung dazu auf, diesen schrecklichen Meldungen nachzugehen und, sollten sie sich als richtig herausstellen, den Betroffenen sofort notwendige Unterstützung zu gewähren und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Wir erwarten von der russischen Regierung, dass die von lokalen Behörden in Tschetschenien gemachten Aussagen nicht toleriert werden.

Wir erwarten von der russischen Regierung, dass die von lokalen Behörden in Tschetschenien gemachten Aussagen nicht toleriert werden. Auch erinnere ich in diesem Zusammenhang an die internationalen Verpflichtungen Russlands, insbesondere das Recht auf Leben, Folterverbot und das Recht auf Freiheit und Sicherheit.“

Alles wohlfeil, wie schon beim Attentat in Orlando, zu dem Kanzlerin Angela Merkel sich erst Tage nach vielen anderen Regierungschefs geäußert hatte (MÄNNER-Archiv), ist die deutsche Regierung auch jetzt beim Thema Homophobie wieder einmal spät dran. Das Europäische Parlament, andere Regierungschefs und etliche Menschenrechtsorganisationen haben längst Stellung bezogen. Selbst in Russland reagierte die Politik inzwischen. Tatjana Nikolajewna Moskalkowa, die Menschenrechtsbeauftragte der russischen Förderation (MÄNNER-Archiv) sagte der Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch, sie hätte nach Aufforderungen durch Amnesty International und anderer, beim Innenministerium in Grosny um Aufklärung der Vorwürfe ersucht und werde die russischen Ermittlungsbehörden einschalten. Ihr selbst lägen jedoch momentan keine persönlichen Berichte von Betroffenen vor.

Am Samstag wird in Berlin, am Montag in Leipzig demonstriert

Antonio Tajani, der Präsident des Europaparlaments, bezog am Donnerstag in seiner Eröffnungsrede Stellung. „Sie alle haben die Presseberichte über die besorgniserregende Vorgänge in Tschetschenien wahrgenommen”, so Tajani. Er forderte die Behörden auf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. „Ich bekräftige, dass das Europäische Parlament jedwede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und das Geschlechts einer Person scharf verurteilt. Wir verteidigen diese Werte beständig, und zwar auch außerhalb der Grenzen der Europäischen Union.”

Derweil solidarisiert sich die deutsche Community Nach Mahnwachen in München und Nürnberg ist an diesem Samstag eine Demonstration in Berlin geplant, die von „Enough is Enough“, dem Aktionsbündnis gegen Homophobie und Quarteera organisiert wurde und an der auch russische Aktivisten und deutsche Politiker teilnahmen werden. Los gehts um 15 Uhr am Auswärtigen Amt, Endpunkt ist die Russische Botschaft. Für Montag hat RosaLinde e.V. zu einer Kundgebung in Leipzig aufgerufen. Treffpunkt: 19 Uhr vor dem Russischen Generalkonsulat.

Foto: Shutterstock/canadastock


1 Kommentar

  1. Anna Sturm

    Ich versuche schon seit über einem Jahr in den verschiedensten russischen FB-Gruppen die Menschen dazu zu bewegen, darüber nachzudenken, dass dieser Hass gegen Männer, die sich in einen Mann verliebt haben, völlig unbegründet ist. Bedauerlicherweise ist der Hass in der russischen Bevölkerung sehr tief verankert. Man müsste im Großformat Aufklärung betreiben, denn viele Russen zitieren immer wieder die Bibel oder berufen sich auf Argumente, die man im Mittelalter hervorgebracht hätte. Das Homo-Propaganda Gesetz war im Prinzip nur Öl, das der Staatspräsident Putin ins Feuer gegossen hat, als er dieses Gesetz verabschiedet hatte. Nach dem Motto, wenn die anderen die Drecksarbeit machen, mache ich mir nicht die Hände schmutzig. Somit hat er jeden homosexuellen Mann systematisch zum Freiwild für die Schwulenhasser gemacht. Es wurden und werden regelrechte Schwulenjagden veranstaltet. Somit hat man die Bevölkerung zu seinem Werkzeug umfunktioniert. Wobei es auch Russen gibt, die von diesem Hass nicht infiziert wurden. Aber leider viel zu wenige.

    Wenn man es schaffen könnte, die russische Bevölkerung aufzuklären und deren Hass zu ergründen [so ähnlich wie es Psychologen machen] , käme man sicherlich weiter. Denn sie haben keinen greifbaren Grund hinsichtlich ihrer Abneigung. Sie hassen, ohne genau zu wissen, warum eigentlich. Denn begründen konnte es mir – wie gesagt – kein einziger von ihnen.

    Ich hoffe, dass sich diese schrecklichen Zustände in Russland eines Tages ändern.

    Die Männer, die dort misshandelt werden, oder aber in Angst leben müssen, tun mir unsagbar leid… 🙁


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