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Corbyn gibt Homo-Paar seine Stimme

Endspurt vor UK-Wahl: Labour-Chef fühlt Theresa May LGBT-politisch auf den Zahn

Ein TV-Duell vor den UK-Wahlen am 8. Juni hat Noch-Premierministerin Theresa May abgelehnt, also nutzt ihr Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour Party (Foto) die letzten regulären Debatten im Parlament um seine Konkurrentin in die Zange zu nehmen – unter anderem, indem er sie mit schwulen Anliegen konfrontiert. Die finale Befragung in seiner Rolle als Oppositionsführer, bevor das britische Parlament nächste Woche aufgelöst wird, begann Corbyn, indem er ein Schreiben eines schwulen Paars vorlas.

„Profitieren Christopher und sein Mann von der Wirtschaft?“

Als ich vor 18 Monaten Oppositionsführer geworden bin, habe ich gesagt, dass ich der Stimme des Volkes im Parlament mehr Gehör verschaffen will. Wenn sie schon nur zu ausgewähltem Publikum spricht, das keine Fragen stellen kann, möge die Premierministerin wenigstens so freundlich sein, ein paar Fragen der Wähler zu beantworten“, so Corbyn gestern. „Ich beginne mit Christopher, der mir diese Woche geschrieben hat. Er sagt: ‚In den letzten fünf Jahren ist das Gehalt meines Mannes nur ein Prozent gestiegen. Die Lebenshaltungskosten wachsen viel schneller. Wir haben inzwischen nur noch 15 Prozent der Kaufkraft von vor fünf Jahren.'“ Corbyns provokante Frage an May: „Inwiefern profitieren Christopher und sein Mann von der starken Wirtschaft?“

Simples Fallbeispiel mit versteckter Gleichheits-Botschaft

Das Fallbeispiel ist eigentlich genauso simpel wie die Frage. Dass Corbyn aber bewusst die Situation eines schwulen Paares ins Feld führt, ist ein Bekenntnis zu seinem uneingeschränkten Gleichheitsgrundsatz und eine Herausforderung für seine konservative Konkurrentin. Zwar sind Mays Positionen bei LGBT-politischen Fragen in den letzten Jahren deutlich liberaler geworden (so stimmte sie 2013 für die gleichgeschlechtliche Ehe in Großbritannien und befürwortet inzwischen Homo-Adoptionen), ihre Kritiker trauen diesem Kurs aber nicht. Die Frage hätte für May also auch eine Steilvorlage sein können, sich zur Situation von LGBT-Paaren oder zu Lohnunterschieden zwischen den Geschlechtern zu äußern. Jedoch: Sie blieb diplomatisch beim Thema und antwortete wahlkampfkonform bissig.

Wirtschaftsversprechen statt gesellschaftspolitischer Bekenntnisse

Mays Antwort: „Was wir wissen und was ich Christopher sagen kann, ist, dass er bei den nächsten Wahlen die Gelegenheit hat, sich zu entscheiden zwischen einer starken Führung der Konservativen, die die Wirtschaft der Zukunft sichern wird, und einer Labour Party, die die Wirtschaft zerschlagen würde, was weniger Geld für den Öffentlichen Dienst bedeuten würde, wofür am Ende normale Arbeiterfamilien den Preis zahlen.“ Diese Antwort war eine erwartbare Spitze gegen Corbyns Pläne Privatisierungen und Steuererleichterungen für Großunternehmen zurückzufahren, sowie Reichensteuern einzuführen. Ist sie in in ihrer völligen Themenbezogenheit aber nicht auch eine indirekte Gleichheitsbotschaft?

„Ungekrönte Heldin“ gegen offensiven Bekenner

Grundsätzlich hat sich May im Laufe ihrer Karriere von einer konservativen Hardlinerin zur durchaus liberalen Politikerin entwickelt. In ihrem Buch „Equal Ever After“ feierte Liberaldemokratin Lynne Featherstone sie sogar als „ungekrönte Heldin“ der Gleichstellung der Ehe. Der Unterschied zwischen May und Corbyn ist allerdings das programmatische Bekenntnis. Während May LGBTI-politische Fragen ihren Kollegen aus der Conservative Party eher indirekt unterjubelt (und dabei Trans*-Rechte meidet) sagt Corbyn ausdrücklich: „Als Labour-Chef und zukünftiger Premierminister verpflichte ich mich für die LGBT-Communities zu Hause und in Übersee einzustehen. Es gibt das grundsätzliche Prinzip: Jeder hat das Recht darauf, gleich behandelt und respektiert zu werden.“ Womit man bei den Briten mehr punkten kann, erfahren wir spätestens am 8. Juni.

Titelbild: 1000 Words / Shutterstock.com


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