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Teresa May sagt sorry

Großbritanniens "ältester Schwuler" erhält Entschuldigung, weil er in den Siebzigern wegen "Unzucht" verhaftet wurde

43 Jahre nachdem George Montague in Großbritannien wegen „Unzüchtigkeit mit einem anderen Mann” verhaftet wurde, hat er eine offizielle schriftliche Entschuldigung von Premierministerin Teresa May erhalten. Dass es dazu kam, ist Montagues jahrelangem Kampf um Wiedergutmachung geschuldet. Der heute 93-Jährige schrieb seine Geschichte in der Biografie „The Oldest Gay in the Village” nieder, er demonstrierte beim CSD in seiner Heimatstadt Brighton, vor knapp einem Jahr startete er eine Online-Petition bei change.org, in der er um Unterstützung für seine Forderung einer offiziellen staatlichen Geste der Reue bat. Bis heute wurde die Petition von über 7.000 Menschen unterzeichnet.

Montague forderte eine Entschludigung im Namen von 49.000 weiteren unschuldig Verurteilten
Die Petition las sich so: „Liebe Premierministerin, 1974 wurde ich gezwungen, von meiner Tätigkeit als Leiter einer Pfadfinder-Organisation, die Camps für körperlich behinderte Jungen aus sechs südlichen Regionen des Vereinigten Königreiches betrieb, zurückzutreten. Mit Berufung auf das damalige Unzucht-Gesetz wurde ich von homophoben Polizisten verhaftet und zu Bußgeldzahlungen verurteilt. Wenn man damals mit der Fähigkeit geboren wurde, nur einen anderen Mann ‘lieben’ zu können, war man automatisch schuldig. Ich und 49.000 andere, wurden als Kriminelle verurteilt. Ich fordere daher eine Entschuldigung der amtierenden Regierung im Namen ihrer Vorgänger. (…) BITTE, Madam Premierministerin, bekomme ich eine Entschuldigung, bevor ich sterbe?”

„Eine Begnadigung zu akzeptieren, ist ein Schuldeingeständnis!”
Montague ging mit dieser Forderung von vornherein über das Ziel der Begnadigung hinaus. Anfang des Jahres begnadigte die britische Regierung tausende schwule Männer, die durch die bis 1967 in Großbritannien geltenden Unzucht-Gesetze verurteilt worden waren. Montague war das nicht genug: „Ich will keine Begnadigung. Eine Begnadigung zu akzeptieren, ist ein Schuldeingeständnis. Dazu bin ich nicht bereit. Ich will eine Entschuldigung.”

Ein Brief von der Premierministerin persönlich
Im November 2016 lieferten Montague und sein Partner Somchu, mit dem er seit 2006 verpartnert und seit 2015 verheiratet ist, die erfolgreiche Petition persönlich in der Dowining Street No. 10, dem Amtssitz der Premierministerin, ab. Jetzt erhielt er einen persönlichen Brief von Teresa May, den er gegenüber BBC folgendermaßen feiert: „Die Aktion war so erfolgreich, wie sie nur sein konnte. Das Resultat ist eine vollständige Entschuldigung der Regierung und des Parlaments. (…) Die Wortwahl ist wunderbar und eindeutig. Eine ‘reumütige Entschuldigung’ der Regierung. Ich war ganz hin und weg.” Außerdem dankte Montague seinen zahlreichen Unterstützern. Die LGBT-Comunity dankt ihm. Er kämpfte im Namen aller Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert wurden und werden.

 


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