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„Die rote Linie ist überschritten!”

Was bringt der Strafantrag gegen Weihbischof Andreas Laun wegen homophober Hetze?

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun ist für seinen strammen homo- und transphoben Kurs bekannt (MÄNNER berichtete), doch in einem Hirtenbrief, der am 24. März über kath.net veröffentlicht wurde, ging er einen Schritt zu weit. Da bezeichnete Laun Homosexuelle als „gestörte Männer und Frauen” mit „anatomischer Missbildung” und verglich  Genderstudien in ihren Handlungsweisen und Zielsetzungen mit der Rassen- und Vernichtungsideologie des Nationalsozialismus. Die SPD-Politiker Karl-Heinz Brunner, Eva Högl, Johannes Kahrs und Christopher Jäschke haben deshalb Strafantrag gegen Laun und kath.net bei der Staatsanwaltschaft Berlin gestellt. Begründung: Launs „Text beinhaltet hetzerische und menschenrechtsverachtende Passagen und Vergleiche, so dass es einer strafrechtlichen Überprüfung zwingend bedarf.”

Reaktionen gespalten: Symbolpolitik oder Exempel?
In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke gehen die Meinungen zu der Maßnahme auseinander. Während die einen feiern, dass der Fraktion der katholischen Hassprediger ein Dämpfer versetzt wird, halten andere den Strafantrag für reine Symbolpolitik, die sowieso nichts ändern wird. Christopher Jäschke, stellvertretender Landesvorsitzender der Beliner Arbeitsgemeinschaft SPDqueer, schätzt die Lage gegenüber MÄNNER so ein: „Wenn wir nicht daran glauben würden, dass wir mit der Anzeige etwas bewegen können, hätten wir sie nicht angestrengt. Andreas Laun ist in der Vergangenheit immer wieder durch homophobe Äußerungen aufgefallen, deshalb ist der betreffende Hirtenbrief erst mal gar nicht so besonders. Wenn man aber genauer liest, fällt auf, dass die rote Linie hinein ins Strafrecht diesmal überschritten ist.”

Wie geht es nun weiter?
Welche Konsequenzen der Antrag hat, liegt nun in der Hand der Staatsanwaltschaft. Im Falle einer Verurteilung wäre eine Freiheitsstrafe möglich, personelle Konsequenzen innerhalb der katholischen Kirche liefen auf eine Eremitierung hinaus, weil ein Bischofsamt auf Lebenszeit besteht, also kein Rücktritt möglich ist. Weil Andreas Laun österreichischer Staatsbürger ist, muss zudem über Bande gespielt werden. So ist die Staatsanwaltschaft Berlin aufgefordert, zunächst durch ein Rechtshilfeersuchen die strafrechtliche Verfolgung in Österreich zu erreichen.

„Eine Entschuldigung wäre super.”
Und wie sieht es mit einer öffentlichen Zurücknahme oder gar einer Entschuldigung von Andreas Laun aus? „Wir wären die Letzten, die sich so einer Geste verschließen würden”, so Jäschke. „Deutliche Worte der Distanzierung sind fällig und eine Entschuldigung wäre super. Dass sie nicht so wahrscheinlich ist, ist eine andere Sache. Die katholische Kirche in Österreich hat ja schon reagiert und sich von Launs Worten distanziert, indem sie sie als Einzelmeinung deklariert hat. Laun hat daraus keine öffentlichen Konsequenzen gezogen.”

Nutzt Laun die Anzeige für ein Osterwunder?
Tatsächlich ist es schwer vorstellbar, dass ein Mann durch eine Strafanzeige zur Vernunft kommt, der seine Gemeinde mit den Worten anspricht: „Liebe Gläubige, hinter der Gender-Ideologie steht die Lüge des Teufels, und auch diese Lüge bringt Unglück über die Menschen, wie alle seine Lügen im Lauf der Geschichte.” Aber wer weiß. Es ist Ostern. Da sollen ja schon ganz andere Wunder passiert sein.

Titelbild: Thaler Tamas, Wikimedia-ID CC-BY-SA-4.0


5 Kommentare

  1. Anna Sturm

    Wenn Gott wüsste, was die Menschen für Gräueltaten in seinem Namen hier unten auf der Erde veranstalten – und das schon seit sie denken [denken?] können, dann würde er sich wohl fragen, was er bei der Konstruktion deren Gehirne falsch gemacht hatte. Aber scheinbar befindet sich Gott seit Jahrtausenden schon im Dauerurlaub… oder aber es interessiert ihn schlichtweg einfach nicht.


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