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Alle Mann Hand in Hand!

Händchen halten gegen Homophobie! Was bringt das holländische Viral-Wunder?

Unter dem Hashtag #allemannenhandinhand werden derzeit aus aller Welt Fotos von Händchen haltenden Männern gepostet. Eine spaßige Aktion mit ernstem Hintergrund: In der Nacht zum Sonntag wurden zwei schwule Männer im niederländischen Arnhem von einer Gruppe Jugendlicher brutal zusammengeschlagen, weil sie auf dem Heimweg Händchen hielten. Derartige schwulenfeindliche Attacken hatten in den Niederlanden in den letzten Monaten immer wieder zu Forderungen geführt, Politiker mögen sich deutlich und sichtbar gegen homophobe Gewalt positionieren und damit ein Zeichen der Solidarität mit Schwulen und einer homofreundlichen Gesellschaft setzen. In diesem Fall regte die Journalistin Barbara Berend dazu an, ein Signal durch öffentliches Händchen halten zu senden. Ihre Idee wurde gehört.

handsholdVon Den Haag in die Welt
Es begann damit, dass Alexander Pechtold (Foto, links), Vorsitzender der niederländischen Demokratenpartei D66, am Montag zu Koalitionsverhandlungen in Den Haag Hand in Hand mit seinem Finanzspezialisten Wouter Kolmees erschien. Wie ungewohnt der Anblick der beiden heterosexuellen Anzugträger beim Hand-in-Hand-Lauf anmutete, ist vermutlich bezeichnend dafür, wie ungewohnt der Anblick Händchen haltender Männer in der Öffentlichkeit generell ist. Das Wichtige aber war: Pechtold und Kolmees wurden gefilmt. Sie gaben den Kommentar ab: „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man in unserem Land offen zeigen kann, wer man ist.“ Die Bilder gelangten ins Internet. Spätestens in diesem Augenblick war die #allemannenhandinhand-Bewegung geboren. Inzwischen haben sich von Diplomaten aus London bis zu UN-Botschaftern aus New York hunderte an der Aktion beteiligt.

Symbolpolitik oder ernstzunehmendes Zeichen?
Ob Jasper und Ronnie, dem schwulen Paar, das in Arnhem attackiert wurde, mit dem Hype geholfen ist, ist zugegebenermaßen ebenso fraglich wie die Nachhaltigkeit der Aktion. Das Grundproblem formuliert sich in einer Aussage, die Jasper gegenüber der Zeitung NOS machte: „Wir machen das normalerweise gar nicht, uns in der Öffentlichkeit an der Hand zu nehmen, weil wir niemanden provozieren wollen. Aber wir hatten einen schönen Abend, es war spät und wir dachten, wir wären allein.“ Wo Händchen halten eine „Provokation“ ist, ist man von einem offenen gesellschaftlichen Klima weit entfernt. Wenn die #allemannenhandinhand-Aktion ein paar Politiker zum Handeln herausfordert, ist das schon mal ein Gewinn. Und ein Foto von Martin Schulz und Sigmar Gabriel, die Hand in Hand durch Berlin laufen, wäre auch mal ein Statement. Die Forderung nach Bekenntnissen aus der Politik ist also auch in Deutschland hochaktuell.

Titelbild: Shutterstock
Artikelbild: Twitter


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