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Tabubruch für mehr Menschlichkeit

Der Papst wäscht Mafiosi die Füße, ein Pastor in Seattle tut es bei Trans*-Menschen

rev_darrell_goodwinReverend Darrell Goodwin-Moultry (Foto) will ein Rollenmodell sein – für mehr Inklusion in Glaubensfragen, für eine menschlichere Kirche, für eine bessere Welt. Zu Ostern wird der schwule Pastor aus Seattle diesem Anspruch gerecht, indem er im Karfreitagsgottesdienst der United Church of Christ (UCC) Trans*-Menschen die Füße wäscht. Das Osterritual der Fußwaschung wird in der katholischen Kirche bereits am Gründonnerstag zelebriert und hatte in diesem Jahr für Diskussionen gesorgt, weil Papst Franziskus es in einem Gefängnis vor den Toren Roms an ehemaligen Mafiosi vollführte. Die Erklärung: „Jeder Mensch hat das Recht Fehler zu machen. Jeder hat schon mal auf die eine oder andere Art falsch gelegen.” Die Geste sei ein Ausdruck seines Zutrauens in Rehabilitation und Reintegration, so Franziskus.

Die Botschaft: LGBTI gehören zum Christentum dazu
In der UCC soll die Fußwaschung bei Trans* aber nicht als Akt der Vergebung missverstanden werden, sondern als das gelten, was sie beim letzten Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern war: ein Zeichen der Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft. Die Freikirche versteht sich als LGBTI-freundlicher Gegenentwurf zu konservativen Glaubensträgern und bemüht sich um die Vermittlung der Vereinbarkeit von LGBTI-Lebensentwürfen und Glauben. Mit der Karfreitags-Fußwaschung (die um 2:00 Uhr nachts unserer Zeit live auf der Facebook-Seite der Kirche übertragen wird) soll ein Zeichen gegen den konservativen Rollback in den USA und gegen diskriminierende Gesetze wie die „Bathroom Bill” in North Carolina gesetzt werden. „Die UCC nimmt mit dieser außergewöhnlichen Willkommensgeste eine einzigartige Position ein”, sagt Reverend Darrell Goodwin-Moultry. „Der Gottesdienst ist ein öffentlicher Ausdruck unseres inklusiven Verständnisses des Glaubens.”

575757_768573450806_1222880281_n-308181854_stdDarrell Goodwin-Moultry schwamm schon immer gegen den Strom
Der Pastor aus Seattle weiß, wovon er spricht. Der Theologe hat in zwanzig Jahren Predigterfahrung mit vielen vermeintlichen christlichen Tabus gebrochen. Das bedeutendste war wohl die Hochzeit mit seinem Partner Marshan (im Foto rechts, ebenfalls Pastor) im Juni 2012. Damals sagte Darrell: „Ich habe in meinem Leben oft nach Mentoren gesucht. Ich habe das Gefühl, da fehlt was. Marshan und ich, wir sehen sehen nie Vorbilder für unseren eigenen Weg.” Weil es in christlichen Gemeinschaften eben wenig Rollenmodelle für LGBTI gibt. Deshalb muss Darrell selber eins sein. Mit seinem Karfreitagsgottesdienst wird er dieser Funktion einmal mehr gerecht.

Titelbild: © José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 4.0
Artikelbilder: Twitter

Rührend: Das Hochzeitsvideo von Darrell Goodwin-Moultry und seinem Partner Marshan:


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