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Hunderte LGBTI festgenommen, drei Tote

Eine Verhaftungswelle in Tschetschenien und der Hauptstadt Grosny verbreitet Panik in der Community

In den letzten zehn Tagen sind laut einem Bericht der Tageszeitung Novaja Gazetta in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, aber auch im Rest der autonomen, russischen Teilrepublik, Hunderte LGBTI verhaftet und teilweise gefoltert worden. Drei Tote sind der Zeitung namentlich bekannt, Aktivisten und Community-Mitglieder sprechen jedoch von vielen weiteren Opfern. Die Novaja Gazetta zitiert Angehörige der russischen Justizbehörden mit den Worten, die Männer seien „wegen ihrer nicht traditionellen sexuellen Lebensweise, oder dem Verdacht auf Bestehen einer solchen“ verhaftet worden. Die Verantwortung liege bei den Behörden vor Ort. Am Samstag hatte die Tageszeitung zuverlässige Berichte von über einhundert Verhaftungen und den drei Tötungen. Es wird vermutet, dass deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sind.

Man kann keine Leute festnehmen, die es in unserer Republik nicht gibt

Die Festnahmen wurden laut der Novaja Gazetta von der Staatsanwaltschaft, den Sicherheitsbehörden und dem Innenministerium bestätigt.  Ein Sprecher des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Achmatowitsch Kadyrow, widersprach den Berichten gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax allerdings. Er sagte, die Angaben seien „komplett erfunden. Reine Propaganda.“ Seine Begründung dafür, warum das so sein muss, klingt allerdings selbst wie eine Propaganda-Lüge: „Man kann keine Leute festnehmen, die es in unserer Republik nicht gibt. Wenn es solche Menschen in Tschetschenien überhaupt gäbe, müssten sich die Sicherheitskräfte nicht um sie kümmern, denn ihre Familien hätten sie längst an einen Ort befördert, von dem sie nie zurückkehren könnten“, sagte er.

Die prompten Ablehnungen der Paraden sollten der Organisation vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg helfen

Als Anlass für die Verhaftungen vermuten die Reporter der Tageszeitung, die über 90 Anträge auf Ausrichtung von CSDs, die eine russische Aktivisten-Organisation, GayRussia.ru, in den letzten Wochen und Monaten in der gesamten Kaukasus-Region gestellt hatte. Die prompten Ablehnungen der Paraden sollten der Organisation vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg helfen. Nikolai Aleksejew, ein Aktivist der die Anträge koordiniert, sagte gegenüber der Novaja Gazetta, diese Taktik sei sicherer, als unangemeldete Pride-Demonstrationen abzuhalten, bei denen es in den letzten Jahren in Russland immer wieder Verhaftungen und Verletzte gegeben hatte.
Laut Berichten aus der Community, die die Tageszeitung zitiert, herrscht Panik unter den LGBTI in der Region. Die Polizei benutzt soziale Netzwerke, um schwule Männer zu fassen. Viele von ihnen, löschen ihre Accounts und wollen die Region verlassen.

Foto: Festnahmen in Moskau im Dezember 2010, Shutterstock/kojoku

 

 


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