„Lasst die Schwulen frei!”

Evakuierung und Protest gegen Leugnung von Schwulenverfolgung

Nachdem der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow bei einem Treffen mit Wladimir Putin am Mittwoch die Meldungen über die Verfolgung von Schwulen in seinem Land als „provokant” aber „unwahr” verleugnet hatte, trat gestern Putins Sprecher Dmitry Peskow mit der Nachricht vor Journalisten, dass Ermittlungen keinen Beweis für Menschenrechtsverletzungen ergeben hätten, es also keinen Grund gebe, an Kadyrows Worten zu zweifeln. Stattdessen seien die Enthüllungen der Novaya Gazeta „verleumderisch” und hätten viele Tschetschenen verärgert. Man werde aber dafür sorgen, dass Journalisten sich nicht bedroht fühlen müssten. Das war die zweite Verleugnung. Elena Milashina, die Autorin des Enthüllungsberichts, sah sich nach Morddrohungen und Übergriffen auf Kollegen vorerst gezwungen unterzutauchen.

Aktivisten suchen neue Wege Druck aufzubauen
Die Menschenrechtsorganisation OutRight Action International findet derweil einen neuen Weg, Druck auf Russland aufzubauen. Das Bündnis ruft westliche Ölkonzerne, die in Russland Rohstoffe fördern, dazu auf, das Land zu boykottieren. „Wir fordern von British Petroleum, Chevron, Exxon Mobil und Royal Dutch Shell sich gegen die Festnahmen, Verfolgungen, Folterungen und Ermordungen schwuler Männer in Tschetschenien zu positionieren. Alle drei Unternehmen haben wichtige Verträge und Partnerschaften mit staatlichen Öl- und Gasfirmen in Russland, die ihnen hunderte Milliarden von Dollar einbringen”, so OutRight-Vorsitzende Jessica Stern. Sie fordert von den Unternehmen, ihrem Ruf als LGBTI-freundliche Arbeitsplätze auch durch verantwortliches Handeln im Ausland gerecht zu werden.

Für Betroffene: Evakuierung und Notfall-Visa
Das Russian LGBT Network vermeldet derweil, dass mit 60 Opfern der Verfolgungen Kontakt bestanden habe und 30 geholfen werden konnte. Die Organisation versucht, möglichst viele schwule Tschetschenen nach Russland zu holen, um sie aus der aktuten Gefahrenzone zu bringen. Auch Evakuierungen nach Übersee sind in Arbeit. So vermeldete Kimahli Powell, Vorsitzender der kanadischen Homo-Organisation Rainbow Raiload, dass man sich bei der kanadischen Regierung für Notfall-Visa stark mache: „Wir weiten gerade unsere Kontakte aus und arbeiten daran, mehr alternative und sichere Wege für Betroffene aus Tschetschenien zu bahnen.”

Prominenter Protest: Andy Cohen spricht zu Kadyrow
Auch in den sozialen Medien wird weiter angeprangert und zum Handeln aufgerufen. So postete Andy Cohen, US-Talkshow-Moderator und laut Magazin Out einer der 100 mächtigsten Schwulen der Welt, eine Botschaft an Ramsan Kadyrow auf seinem Instagram-Account (siehe Video oben). Cohen sagt: „Ich weiß, es klingt verrückt, einen Aufruf an einen Staatschef über Social Media zu machen, aber Ramsan Kadyrow nutzt Social Media, also ist es einen Versuch wert. Sie, Sir, sind verantwortlich für diese Verbrechen. Menschen dafür einzusperren, wen sie lieben, ist unmenschlich. Hört damit auf! Lasst die Schwulen frei!” Cohen folgte mit dem Aufruf dem Beispiel des Schauspielers Alan Cumming, der in einem Video ebenfalls direkt zu Kadyrow gesprochen hatte.


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