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Los Angeles liebt uns

Umstrittenes Image-Video heißt Schwule in L.A. willkommen

Mit einer „Everyone is Welcome”-Offensive propagiert die Stadt Los Angeles ein weltoffenes Image in Zeiten von Trump. Den Start der Kampagne markiert ein 90-sekündiges Video, in dem Einwohner von L.A. (so genannte Angelenos)  in Alltagssituationen aus ihrem Leben gezeigt werden. Darunter neben einem mexikanischen Jungen, einer skateboardenden Muslima und einem Rollstuhlfahrer auch eine fröhliche Transfrau und zwei knutschende schwule Youngster.

Die Protagonisten kommen von der Straße
Während der Clip vom „Real Love Baby”-Song des Folk-Senkrechtstarters Father John Misty untermalt wird (der aus L.A. kommt, schon Benefizshows für ein LGBT-Center gespielt hat und ausgesprochener Kritiker der transphoben Bathroom-Bill ist) und von der berühmten Agentur Mistress entwickelt wurde, wurden Stars bei den Protagonisten bewusst ausgespart. Stattdessen treten lokale Subkultur-Größen wie Street-Artist Shepard Fairey oder Layla Shaikley, Gründerin der #mipsterz-Bewegung, auf. Die meisten Darsteller (auch das schwule Paar und die Transfrau) wurde von der Straße weg engagiert.

astarisHipsterige Botschaft mit Strand und Palmen
So ist der Spot eine hipsterige Botschaft an all jene, die sich dem weltoffenen Vermächtnis Obamas und der „Not my President”-Maxime der Trump-Gegner verpflichtet fühlen. Der „Everyone is Welcome”-Claim wird am Ende in acht Sprachen übersetzt, darunter Arabisch und Spanisch. So wird Internationalität mit Lokalkolorit gekreuzt. Als Drehorte wurden bewusst nicht die offensichtlichen Touri-Hot-Spots gewählt, sondern Geheimtipps. So trifft man das schwule Paar auf den bunt angestrichenen Micheltorena Stairs am Sunset Boulevard und hat sonst viele Locations, die eher allgemein als explizit das Strand- und Palmen-Lebensgefühl der Stadt spiegeln.

Das Ziel: Touristen bei der Stange halten
Natürlich ist die Kampagne kein rein ideelles Projekt. Nach sechs Jahren konstanten Wachstums der Tourismusindustrie fürchtet L.A. künftig Einbußen infolge der Travel-Ban- und Protektionismus-Polterei von Donald Trump. Man spricht auch vom „Trump Slump” – dem „Trump Einbruch”. Zwar versteht sich der Clip in erster Linie als Marketing-Element, aber er ist ganz klar eine Reaktion auf die politische Lage. Oder wie es ein Sprecher von Discover L.A. ausdrückt: „Wir versuchen auf die Situation so apolitisch zu reagieren wie es unter den gegebenen Umständen eben möglich ist.”

atransDie Kritik: Weltoffen, aber weltfremd
Geklickt wird der ästhetisch ansprechende Clip fleißig, aber er löst auch Kritik aus. So wird die weltoffene Inklusions-Botschaft von Einheimischen als Sozialromantik verlacht, die der harten Realität in den Straßen von L.A. nicht gerecht wird. Gerade das Bemühen um Authentizität wird mit Kommentaren gekontert wie: „Die Obdachlosen haben sie gekillt, um Spots wie diesen machen zu können!” Dass hier Probleme weggelächelt werden, liegt aber auch an der Zielgruppe. Das sind Touristen, keine Einheimischen.

Film ab! Der „Everyone is Welcome”-Clip in voller Länge:


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