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Ostern ist für alle da

Kluft zwischen Gemeinden und Kirchenoberen

Ostern ist das höchste Fest im Kirchenjahr – Christen feiern die Auferstehung Jesu, der stellvertretend für alle Gläubigen gestorben ist. Für alle Gläubigen? Immer noch werden Schwule und Lesben von hohen Kirchenvertretern beleidigt, die die Botschaft Jesu nicht verstanden haben und Hass statt Liebe predigen. Allen voran der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der gerade von mehreren SPD-Politikern wegen homophober Hetze verklagt wurde. (MÄNNER-Archiv)

Homosexualität nur eine „Zeitströmung”

In einem Interview mit dem österreichischen Kurier, anlässlich des 20. Jubiläums seiner Bischofsweihe, bezeichnete Laun Homosexualität 2015 als eine „bestimmte Zeitströmung” und ordnete sie einmal mehr derselben Kategorie wie Nationalsozialismus und Stalinismus zu. Arrogant äußerte er sich zudem über Conchita Wurst, die er als „Merkwürdigkeit unserer Zeit” bezeichnete. „Mein Thema ist die Kirche Jesu Christi und nicht irgendeine Randfigur wie der Herr Wurst.”

Teuflisches Spiel auf CSDs

Die ganz große Keule wurde im selben Zeitraum in der Westschweiz ausgepackt: Jean Marie-Lovey, der katholische Bischof von Sitten, beschuldigte Schwule und Lesben in einem Interview, sie würden sich „teuflisch” verhalten, wenn sie für ihre Rechte auf CSDs demonstrierten. Schon sein Amtsvorgänger Brunner hatte den Gay Pride als diabolisches Spiel bezeichnet.

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Jean Marie-Lovey (Screenshot, SRF)

Homo-Paare segnen? Ein Gräuel!

Zuvor hatte der der Churer Bischof Vitus Huonder die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren als „Gräuel” bezeichnet und einen Dorfpfarrer abgesetzt, weil dieser ein lesbisches Paar gesegnet hatte. Homophobe Äußerungen ziehen sich hinauf bis zum Papst Franziskus, der laut Umfragen trotzdem großen Rückhalt in der Bevölkerung hat: Mit seiner Amtsführung sind rund 75 Prozent der Befragten zufrieden bzw. sehr zufrieden – unter Katholiken sogar 88 Prozent. Dieser Papst hat vor ein paar Jahren etwas verschwurbelt gesagt, dass die westliche „Homosexuellen-Agenda die Völker mit einer Vorstellung kolonialisiert, mit der die Mentalität oder die Strukturen geändert werden sollen”, vergleichbar mit dem Vorgehen der Diktatoren des letzten Jahrhunderts.

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Karrikatur im Satire-Magazin Titanic

Die Gläubigen wollen eine barmherzige Kirche

Die homofeindliche und oft weltfremde Haltung der Kirchenoberen stößt häufig auf Unverständnis in den Gemeinden. So hatte der Bischof von Münster, Felix Glenn, die „Naturordnung” für Unterschiede zwischen gleich- und verschieden-geschlechtlichen Beziehungen verantwortlich gemacht und davor gewarnt, dass die Kirche Homo- und Heterosexuelle gleichbehandelt. Doch wie eine Befragung des Bistums unter den Kirchenmitglieder zur katholischen Familienpolitik zeigte, wünschen sich die Gläubigen eine Kirche, die „barmherzig und liebevoll” auf alle Menschen zugeht, egal, in welchen Familiensituationen oder Beziehungen sie leben.

Bistum Essen schwenkt um

Es ist noch nicht lange her, da hat Franz-Josef Overbeck, der katholische Bischof von Essen, Eingetragene Lebenspartnerschaften als „moralisch nicht vertretbar” bezeichnet. Homosexualität verstoße gegen die Natur. Nun spricht sich das Bistum Essen in einem Positionspapier dafür aus, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben zu beenden und auch Homo-Partnerschaften zu segnen. Hintergrund: Die meisten Katholiken sind dafür, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften anzuerkennen. Und die Kirche will sich offenbar nicht noch weiter von ihren Schäfchen entfernen. Schließlich treten in Deutschland jährlich mehr als 120.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus.

Kirche für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender

Wem die großen Kirchen suspekt sind, dem bleiben Freikirchen wie etwa die Metropolitan Community Church, MCC. Sie wurde Ende der 1960er Jahre von einem schwulen Pastor in Los Angeles gegründet: eine Kirche für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Weltweit zählt sie nach eigenen Angaben etwa 40 000 Mitglieder. In Deutschland gibt es Gemeinden in Köln, Hamburg und Stuttgart. Der Kölner Pastor Ines-Paul Baumann, der bis zu seinem Studium als Frau lebte, fühlte sich damals in der evangelischen Kirche nicht willkommen. In anderen Gemeinden sei man nett zu ihm gewesen, doch als Mitglied wollte man ihn nicht. Man gab ihm zu verstehen, dass er krank oder zumindest sündig sei. Und so kam er zur MCC. Dort lautet das Glaubensbekenntnis übrigens: „Ich glaube an einen Gott, der mich so will, wie ich bin.”

Kuscheljesus

Und wer seine Religion lieber im privaten zelebriert und den Heiland nicht mit anderen teilen will, dem bleibt immer noch der Kuschel-Jesus, den man hier bestellen kann. Den hat man dann ganz für sich allein.

Titelfoto: Imago


4 Kommentare

  1. Gerrit

    Entweder jammert Herr Rudolph über die böse Welt oder er schreibt schwärmerische Portraits über irgendwelche unbekannte C-Promis aus dem Showzirkus, die es als Schwule in der bösen Welt „geschafft” haben. So langsam wirds langweilig!


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