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Peitschenhiebe gegen Menschenrechte

Aktivisten laufen Sturm gegen Razzia und Verhaftung bei schwulem Paar in Indonesien

Weil zwei junge Männer in der indonesischen Provinz Aceh unter Gewaltanwendung zugegeben haben, dass sie in einer Beziehung leben und dreimal Sex miteinander hatten, droht ihnen die Verurteilung zu 100 öffentlichen Peitschenhieben. Es wäre das erste Mal, dass die konservative Region (die einzige Indonesiens, die Sondergesetzen der Scharia unterliegt) dieses Strafmaß auf homosexuelle Handlungen anwendet. Menschenrechtler protestieren gegen diese Entwicklung und fordern Präsident Joko Widodo (kurz: „Jokowi”) zum Eingreifen auf. Der 55-jährige Politiker der demokratischen Partei PDI-P verurteilte vor ein paar Monaten antischwule Gewalt und konstatierte, dass es in seinem Land „keine Diskriminierung gegen irgendjemanden geben sollte” (siehe MÄNNER-Archiv). Die Organisation Human Rights Watch (HRW) fordert Widodo nun auf, diesen Worten, Taten folgen zu lassen.

Einschätzung der Experten: Abscheulich, bedrohlich, demütigend!
„Die Verhaftung und Internierung dieser beiden Männer unterstreicht den Missbrauchscharakter von Aceh’s diskriminenden, LGBT-feindlichen Verordnungen”, äußert sich Phelim Kine, stellvertretender Vorsitzender der Asien-Abteilung von HRW. „Präsident Jokowi sollte in diesem Fall dringend eingreifen und damit seinem Bekenntnis zur Beendigung der Diskriminierung von LGBT Nachdruck verleihen. Weiterhin muss Jokowi sich dafür einsetzen, dass die diskriminierenden Sonderverordnungen in Aceh zurückgenommen werden, damit derart abscheuliche Verhaftungen nicht noch mal passieren. (…) Die verhafteten Männer wurden in bedrohlicher und demütigender Weise in ihrer Privatsphäre verletzt und müssen nun öffentliche Folter für das ‘Verbrechen’ ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung fürchten.”

Täter brüsteten sich online mit Handy-Video von der Razzia
Der Verhaftung erfolgte bereits am 28. März. Mitglieder des Wilayatul Hisbah, einer islamischen Religionspolizei, die in der autonomen Provinz Aceh die Einhaltung der Scharia-Gesetze beaufsichtigt, stürmten gewaltsam die Wohnung, in der die jungen Männer gemeinsam im Bett lagen. Wie demütigend die Verhaftung ablief, konnten Online-User ab dem 3. April in einem Youtube-Video miterleben, das die Opfer (21 und 23 Jahre alt) nackt und verängstigt dabei zeigte, wie sie schikaniert wurden. Einer der anonymen Peiniger hatte das Ganze mit dem Handy gefilmt. Youtube hat das Video inzwischen gelöscht, „weil es gegen die YouTube-Richtlinie zum Verbot von Hassrede verstößt”.

Sonderfall Aceh
Seit 2003 gilt in Aceh das Recht der Scharia. Die dortige Polizei handelt nicht (wie die Polizisten aus Jakarta, die im Titelbild zu sehen sind) im Namen des indonesischen Staates, sondern im Namen der streng muslimischen Provinzregierung. Kriminalisiert werden Leute, die Alkohol trinken, Glücksspiel praktizieren oder nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen pflegen, beziehungsweise Frauen, die keinen Hihab tragen. Die LGBT-Community in Aceh ist besonders gefährdet, seit 2014 ein Sodomie-Paragraph eingeführt wurde.

Titelbild: dptro / Shutterstock.com


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