korea

„Soldaten-Sodomie” wird Chefsache

Südkoreanische Militärs haben Schwule bespitzelt. Jetzt geraten sie selbst ins Fadenkreuz

Menschenrechtsorganisationen in Südkorea haben eine Petition gegen die Verfolgung von schwulen Soldaten gestartet. Das teilte Lim Tae-hoon vom Center for Military Human Rights Korea am Montag bei einer Pressekonferenz in Seoul mit. Die Maßnahme richtet sich konkret gegen General Jang Jun-gyu, der in den vergangenen Wochen mit vier weiteren hohen Offizieren eine Kampagne verantwortete, bei der über Fake-Accounts bei schwulen Dating-Apps Soldaten ausfindig gemacht wurden, die in „sodomitische” Aktivitäten verwickelt waren.

Staat im Staat: Das südkoreanische Militär
Homosexualität ist in Südkorea eigentlich nicht illegal, auch wenn die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen gering ist. In der Armee, die im Land eine überproportional hohe Bedeutung und Macht hat, gilt jedoch ein eigenes Militärstrafrecht, das homosexuelle Aktivitäten von Soldaten mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren ahndet. Nachdem ein Sexvideo zweier Militärangehöriger in sozialen Netzwerken aufgetaucht war, hatte Jang Jun-gyu, Stabschef des Heeres, eine Untersuchung angeordnet, bei der die „Übeltäter” via Dating-Apps ermittelt werden sollten. Dabei wurden mittels Fake-Dates zwischen 40 und 50 Soldaten gestellt, von einer Verhaftung ist die Rede.

Maßnahmen zum Stopp der „Soldaten-Sodomie”
Auf Betreiben des Menschenrechtsbeauftragten Lim Tae-hoon wurde der Fall an die National Human Rights Commission of Korea (NHRCK) übergeben, die eine Ermittlung eingeleitet und eine Petition gegen Diskriminierung schwuler Soldaten gestartet hat. Als Beweismaterial wurden bei der Pressekonferenz Screenshots von Dating-Dialogen sowie eine Anordnung vom 23. März präsentiert, in der „strikte Maßnahmen im Umgang mit gleichgeschlechlichem Sex zur Verhinderung der Ausbreitung von Soldaten-Sodomie” gefordert werden.

Problemstaat Korea?
In einer Stellungnahme der NHRCK heißt es: „Wenn Militärangehörige, die ohne Probleme gedient haben, wegen ihrer sexuellen Orientierung zur unehrenhaften Entlassung gezwungen oder ins Gefängnis gesteckt werden, fällt es schwer, Korea von anderen Problemstaaten abzugrenzen, die Homosexuelle verfolgen, foltern oder hinrichten.“ Die Armee berief sich auf die rufschädigende Wirkung des Sexvideos. Dieses Argument wurde von den Menschenrechtlern jedoch abgeschmettert, indem sie darauf hinwiesen, dass ein Video zweier Soldaten nicht dazu berechtige, Dutzende von Soldaten zu bespitzeln und unter Generalverdacht zu stellen.

Titelbild: Courtney Kinger / Shutterstock.com


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close