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Trauer unterm Regenbogen

Gilbert Baker, der Erfinder der Regenbogenflagge ist tot

In der Nacht des 31. März vermeldete LGBTI-Aktivist Cleve Jones auf Twitter: „Mein bester Freund auf der Welt ist von uns gegangen. Gilbert Baker schenkte der Welt die Regenbogenflagge,  mir schenkte er 40 Jahre voller Liebe und Freundschaft.“ Seitdem ist die Anteilnahme auf der ganzen Welt riesig. In San Francisco, wo die Regenbogenflagge ihren Ursprung hatte, wurde eine spontane Gedenkfeier organisiert, Bürgermeister Ed Lee ordnete Trauerbeflaggung vor dem Rathaus an, in den sozialen Medien werden aus aller Welt Bilder von Regenbögen im Gedenken an Baker gepostet. Laut Angaben seines Lebenspartners Alex Bruno starb der Künstler und Aktivist am 30. März friedlich im Schlaf.

Von der Freundschaft mit Harvey Milk bis ins MoMA
Gilbert Baker (in der US-Szene auch bekannt unter seinem Drag-Queen-Alter-Ego „Busty Ross“) war seit den 1970er Jahren in der Schwulen- und Friedensbewegung an der US-Westküste aktiv. Er war befreundet mit Harvey Milk. Im Sommer 1978 nähte er für den „Gay Freedom Day“ in San Francisco eine Flagge, die die Vielfalt der schwulen Szene repräsentieren sollte. Im Gegensatz zur heute üblichen sechsfarbigen Variante hatte das Original (das heute im Museum of Modern Art New York zu sehen ist) acht Farben. Die Töne pink und Indigo wurden später aus dem Design entfernt, weil sie für die Massenproduktion zu teuer waren. Baker selbst bezeichnete die heute verbreitete Fassung der Flagge als „kommerzielle Version“. Dass das Design, für das er nie ein Copyright anmeldete, sein Lebenswerk war, war ihm früh klar.

Regenbogenflagge als Lebenswerk
In Cleve Jones Biografie „When We Rise – My Life in the Movement“ wird Baker mit den Worten zitiert: „Sie wurde gehisst und wehte dort oben für Jeden sichtbar im Wind. Es verblüffte mich einfach, dass Menschen sofort verstanden, dass das ihre Flagge war – von einem Moment auf den anderen wie vom Pfeil eines Blitzes getroffen. Sie gehörte uns allen. Das war der bewegendste Augenblick meines Leben, weil ich sofort erkannte, dass das das Bedeutsamste war, das ich in meinem Leben je schaffen würde. Dass mein ganzes Leben sich um die Regenbogenfahne drehen würde.“

Wir verneigen uns vor einem großen Künstler
Er sollte Recht behalten. Obwohl Baker als Designer viele weitere wichtige Aufträge verwirklichte (darunter diverse Entwürfe für die Demokratische Partei der USA, sowie politische Kampagnen von Europa bis Asien) blieb die „Rainbow Flag“ sein großes Vermächtnis. Zum 25. Jubiläum von Stonewall im Jahr 1994 schuf er für den Gay Pride in New York (wo er die letzten 22 Jahre seines Lebens lebte) die bis dahin größte Regenbogenflagge aller Zeiten, um diesen Rekord 2003 zum 25. Jubiläum der Flagge noch mal zu toppen, indem er eine Flagge kreierte, die vom Golf von Mexiko bis zu den Key West Inseln im Atlantik reichte. Zudem war er immer wieder Thema in Filmdokus, darunter das Making-of von „Milk“ und jüngst in Dustin Lance Blacks Miniserie „When we rise“. Die Community verneigt sich vor einem großen Künstler, ohne den die schwule Szene weniger farbenfroh wäre als sie es heute ist.

Titelbild: Shutterstock


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