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United zerstört schwule Flitterwochen

Schwules Paar weitet Skandal um angeschlagene US-Fluggesellschaft aus

Eine Woche, nachdem die Meldung über den gewaltsamen Rausschmiss eines Passagiers aus einer überbuchten United-Airlines-Maschine die Welt schockierte, erhebt ein schwules Paar neue Vorwürfe gegen die amerikanische Fluggesellschaft. Auf dem Social-Journalism-Portal „Medium” veröffentlichte Trey Harris einen Bericht über einen Vorfall, der bereits Anfang März geschah. Der Mann aus New Jersey wollte mit seinem Gatten Connor vom Newark Liberty Airport nach San Diego fliegen, um von dort ein Kreuzfahrtschiff zu besteigen. Die Reise war als Flitterwochen für das neu verheiratete Paar gedacht. Sie wäre fast nicht zustandegekommen – dank Chaos und Mitarbeiter-Willkür bei United.

Eine Behinderung wurde zum Verhängnis
Harris leidet an Spondylitis, einer schmerzhaften, infektiösen Rheuma-Erkrankung, die Wirbel und Gelenke befällt. Er ist deshalb auf Hilfe angewiesen, beziehungsweise auf ein Mini-Segway, das ihm ermöglicht, problemlos von A nach B zu kommen. Für den First-Class-Flitterwochenflug hatte er das Gefährt zuvor telefonisch bei United angekündigt. Vom Mitarbeiter der Hotline ließ er einen Eintrag vornehmen, der mit einer Übereinkunft endete, „die klang wie ein Okay”. Auch ein Verweis an die Transportation Security Administration (TSA) und eine von dort abgesetzte Bestätigungs-E-Mail fanden statt. Beides stellte sich als wertlos heraus.

Beim Boarden ging auf einmal nichts mehr
Nachdem Check-in und Sicherheitskontrolle ohne Probleme mit dem Segway über die Bühne gegangen waren, kamen Harris und sein Mann zum Gate. Weil sie First Class gebucht hatten, waren sie zum Priority-Boarding berechtigt, wegen des Segways hatte man ihnen sogar vorzeitiges Pre-Boarding angekündigt. Jedoch: Erst wurden sie hingehalten, dann stellte sich heraus, dass gar keine Segway-Genehmigung vorlag – und dass das Gefährt wegen „Feuergefahr” nicht mit an Bord genommen werden durfte. Eine erneute (positive) Prüfung durch die TSA und ein persönliches Gespräch mit dem Flugkapitän blieben ohne Ergebnis. Am Ende war Harris gezwungen, seine Gehhilfe einfach am Gate stehenzulassen, ohne Garantie es wieder abholen zu können. Weil der Flug wegen des ganzen Hin und Hers inzwischen verspätet war, wurde er beim Einsteigen von anderen Passagieren beschimpft.

Das Segway war weg, der Albtraum blieb
Letztendlich schaffte es das Paar rechtzeitig zum Kreuzfahrtschiff und mietete kurzfristig einen kleinen Scooter, um Harris’ Mobilität zu gewährleisten. Ein sperriger und kostspieliger Ersatz, aber besser als nichts. „Ich begann, mich besser zu fühlen”, schreibt Harris auf Medium. „Ich sagte mir, dass das einfach ein Beispiel für diese Albtraum-Flitterwochen war, auf deren Chaos man nach Jahren liebevoll amüsiert zurückblickt”. Doch der Albtraum war noch nicht vorbei. Nach der Hälfte der Kreuzfahrt stellte Harris erstmals sein Handy wieder an. Auf der Mailbox erwarteten ihn diverse ominöse Nachrichten, in denen er beschuldigt wurde, mit seinem Segway „Gefahrengut” an einem internationalen Flughafe zurückgelassen zu haben, was „kriminell” sei und „zivilrechtliche Folgen” haben könne. Soweit kam es letztendlich nicht, aber die Entspannung war vorbei.

„Eine Entschuldigung wäre schön, aber ich erwarte keine Wunder!”
„Ich war für den Rest der Kreuzfahrt beunruhigt”, so Harris. „Zum Glück hat mich mein Mann durch die Situation begleitet. Ich liebe ihn so sehr. Einige andere Kreuzfahrer waren auch eine große Unterstützung.” Am Ende blieb das Paar auf viel Ärger und einer Menge Mehrkosten sitzen. Eine Entschädigung gab es bisher nicht: „Es ist mir egal, ob United mich entschädigt oder wenigstens die Kosten für den Scooter erstattet. Eine Entschuldigung wäre schön, aber ich erwarte keine Wunder. Mir würde schon reichen, wenn sie – oder jede andere Airline – mir bei meinem nächsten Flug erlauben würden, meine Mobilitätshilfe mitzunehmen.” Ob es klappt? Vielleicht werden wir es auf Medium erfahren, wo Harris inzwischen eifrig mit seinen Lesern chattet. Derweil hat United einen aktuellen Quartalsbericht veröffentlicht, der ihnen trotz Skandal ein Umsatz-Plus von 2,7 Prozent bescheinigt. Die Welt ist ungerecht. Aber die Liebe siegt. Im nächsten Jahr wollen Trey und Connor erneut auf Kreuzfahrt gehen. Dann aber ohne United.


8 Kommentare

  1. Marcelo Jürgens

    Traurige Geschichte. Nur was soll bitte der Schlusssatz? Nachdem Umsatzzahlen logischerweise für die Vergangenheit veröffentlicht werden, kann sich doch der Skandal noch gar nicht ausgewirkt haben. Zu den spontanen Auswirkungen genügt ein Blick auf den Aktienkurs.

  2. Volker Schupetta

    Dieses United Bashing nervt. Gleiche und ähnliche Probleme gibt es weltweit bei allen Fluggeselllschaften. Nur fühlte sich niemand verpflichtet darüber zu berichten. Von daher!

  3. Carsten Mundt

    Nun, damit halt jede Zielgruppe sich mal echauffieren kann.
    Es wird andere Artikel geben, in denen United beschuldigt wird, die Reise von Rheumakranken runiert zu haben, andere schreiben vielleicht über Kreuzfahrtpassagiere, die nicht aufs Schiff konnten, usw.

  4. Thomas Schalker

    Warum wird überhaupt erwähnt das es schwule Flitterwochen waren? Was hat das mit dem Sachverhalt zu zu tun? Wir wollen gleich behandelt sein. Dann schreibt auch einfach Flitterwochen und nennt dann von mir aus zwei männernamen dann weiß auch jeder Bescheid…


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