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Die ältesten Butt Plugs der Welt

Sie waren mal gut gegen "Kopfschmerzen und Akne"

Die Geschichte des analen Vergnügens ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Das geht schon bei der korrekten Benutzung eines Butt Plugs los. Zuerst verkauft wurden die schon am Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings nicht zu dem Zwecke, zu dem schwule Männer sie heute benutzen, sondern als medizinische Geräte. So wie die ersten Vibratoren erfunden wurden, um bei regelmäßiger Anwendung „weibliche Hysterie” zu heilen, waren Butt Plugs laut ihren ersten Produktbeschreibungen gut gegen alles Mögliche, von Verspannungen, über Akne bis zu Kopfschmerzen und schlechtem Atem. Heute sind sie auch gut gegen nervige Präsidentschaftkandidaten. (MÄNNER-Archiv)

Damit könne „jeder vernünftige Mensch” auch Verstopfung heilen

Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es  „Dr. Young’s Ideal Rectal Dilators” in ganz verschiedenen Formen und Größen, von fünf Zentimeter Länge bis zur, sagen wir mal, anspruchsvollen 20×5 Zentimeter-Größe. Trotzdem Analverkehr, oder wie es damals hieß „Sodomie”, in England und den USA streng verboten war und sich der rein medizinische Vorteil der Anwendungen nicht jedem sofort erschloß, waren die Dilatoren ein Verkaufserfolg. Die Anzeigen für die Geräte behaupteten, damit könne „jeder vernünftige Mensch” auch Verstopfung heilen und laut Medienberichten behauptete der Erfinder Dr. Young 1893 in einer medizinischen Fachzeitschrift, er könne damit „innerhalb weniger Wochen” auch Geisteskranke wieder gesund machen. „Warum, wenn es Mitleid und Freundlichkeit erfordern würden, benutzen Menschen die Geräte nicht an sich selbst oder einander?”, fragte er sich. Ein Satz für jede Schlafzimmertür, oder?

Foto:By cometstarmoon - https://www.flickr.com/photos/calistan/3401418875/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33609787

Foto: cometstarmoon – https://www.flickr.com/photos/calistan/3401418875/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33609787

Das Geschäft mit den Dilatoren blühte viele Jahrzehnte, bis zum „Federal Food, Drugs and Cosmetics Act”, der von der US-Regierung 1938 verabschiedet wurde.Der zwang Hersteller dazu, auf ihren Verpackungen und in sonstigen Angaben, nicht mehr unbewiesene Dinge zu behaupten. Deswegen beschlagnahmte ein Staatsanwalt 1940 in New York eine ganze Schiffsladung der Dilatoren und verklagte den Hersteller wegen „falscher Etikettierung”. Im Fall „U.S. v. 67 Sets of Dr. Young’s Rectal Dilators and 83 Packages of Dr. Young’s Piloment” wurde geklärt, dass es illegal war, zu behaupten „das Produkt heile Verstopfung, sorge für erholsameren Schlaf und eigne sich auch zur Behandlung von schlechtem Atem, blasser Haut, Akne, Anämie, mentaler Unausgeglichenheit, Schlaflosigkeit, Anorexie, Kopfschmerzen, Durchfall, Hämorriden, Blähungen, Verdauungsstörungen, Nervosität, kalten Füßen und zahlreichen anderen Erkrankungen”. Außerdem wäre behauptet worden „man kann die Geräte nicht zu oft benutzen”. Das sei falsch. Die Geräte seien „gefährlich für die Gesundheit, wenn sie in der beschriebenen Frequenz eingesetzt” würden. Deswegen wurde die Ladung zerstört und die Dilatoren verboten.

Titelbild: Wikicommons/https://books.google.com/books?id=51flAAAAMAAJ&pg=PA144


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