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IDAHOTI: Regenbogen über dem Reichstag

Ein großes Bündnis verschiedener LGBTI-Organisationen und NGOs fordert eine vielfältige Gesellschaft

Zahlreiche Organisation haben heute, am IDAHOTI (hier alle Termine und Möglichkeiten zum Mitfeiern), einen Regenbogen über dem Reichstag in Berlin gehisst und dabei folgenden Aufruf für eine vielfältige Gesellschaft veröffentlicht:

„Unsere offene, pluralistische Gesellschaft erlebt zurzeit beispiellose Angriffe. Daraus erwächst eine große Gefahr für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* sowie viele weitere Menschen, die anders sind oder leben, als die vorherrschende Geschlechter-Norm es fordert (LSBTI*). Ihre Grundrechte werden missachtet, ihre Gesundheit geschädigt und teilweise sogar ihr Leben gefährdet. Es ist Zeit, dem entschieden entgegen zu treten.

Als Organisationen, Vereine und Gruppen der LSBTI*-Communitys in Deutschland wenden wir uns im Jahr der Bundestagswahl vehement gegen diese Angriffe. Die demokratische und aufgeklärte Mehrheit in unserem Land rufen wir dazu auf, mit uns die Grundwerte unserer Verfassung und Gesellschaft zu verteidigen.

Gemeinsam gilt es deutlich zu machen: Gelebte Vielfalt ist ein sicherer Ort für alle Menschen. Sie bietet Raum für die Entfaltung der Persönlichkeit. Jeder Mensch, der die Freiheit und die Rechte anderer achtet, verdient bei seiner individuellen Entwicklung Respekt und Unterstützung. Dafür machen wir uns stark.

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Menschenfeindlichen Bestrebungen jeder Art, auch in den LSBTI*-Communitys, erteilen wir eine Absage und werden uns mit aller Kraft dagegen einsetzen. Die Rechte geflüchteter Menschen dürfen nicht gegen LSBTI*-Rechte ausgespielt werden. Auch sie sind Teil der Vielfalt, die wir meinen.

Vielfalt als sicherer Ort für alle ist kein Selbstläufer. Politik, Zivilgesellschaft und wir alle können und müssen gemeinsam deutlich machen: Unsere Grundwerte sind nicht verhandelbar. Die Würde des Menschen bleibt unantastbar.

Angriff auf die Freiheit

In den letzten Jahren haben sich in Deutschland reaktionäre Strömungen gebildet, die offen gegen LSBTI* und andere Minderheiten zu Felde ziehen. Die AfD sowie Vereinigungen mit irreführenden Bezeichnungen wie die „Demo für alle“ oder „Besorgte Eltern“ versuchen Emanzipationserfolge zurückzudrehen. Die „traditionelle Familie“ ist das Leitbild, andere Lebensweisen gelten als weniger wertvoll, als „Normabweichung“, „unnatürlich“ oder sogar „genetisch degeniert“ . Zugrunde liegen überholte biologistische Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität bis hin zu völkischen Gedanken von Geschlecht und Reproduktion.

Die Gleichberechtigung von LSBTI* lehnt diese neue Rechte ebenso ab wie Aufklärung und Antidiskriminierungsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen. Die Förderung von Respekt gegenüber Minderheiten denunziert sie als „Frühsexualisierung“, „Hervorhebung von Homosexualität“, „Gender-Wahn“ oder „GenderGaga“ sowie als „ideologische Experimente an unseren Kindern“. Immer wieder werden Aufklärung und Antidiskriminierungsarbeit in die Nähe von Missbrauch und totalitärer Ideologie gerückt.

Die Haltung hinter diesen Positionen changiert zwischen Geringschätzung und Verachtung. Damit wird Diskriminierung wieder salonfähig, die Propaganda der Ungleichheit mitten in die Gesellschaft getragen.

Die LSBTI*- feindlichen Positionen erhalten zu unserer Bestürzung teilweise auch Beifall aus etablierten Parteien.

Diskriminierung macht krank

Die neue homo- und trans*feindliche Bewegung negiert die Grundrechte auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und Gleichbehandlung. Sie fördert Diskriminierung und Gewalt.

Die Folgen sind fatal. Zahlreiche Studien zeigen: Diskriminierung schwächt Menschen, insbesondere, wenn sie sich im Coming-out-Prozess befinden. Sie führt oft zu psychischen Erkrankungen, erhöht das Suizidrisiko (vgl. Plöderl/Woltersdorf (2016): Geschlechtsunterschiede bei Suizid und Suizidalität) und die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren.

Junge Menschen sind dabei besonders verletzlich. Gerade ihnen will die neue Rechte jede Unterstützung in ihrer Entwicklung versagen. Stattdessen signalisiert sie ihnen: Du bist weniger wert als andere Menschen. Mit ihrem reaktionären Widerstand gegen Bildungs- und Lehrpläne verhindert und erschwert sie Antidiskriminierungsarbeit vor allem dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird: in Schulen.

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Gemeinsam für eine starke pluralistische Gesellschaft!

Die neue Rechte meldet sich laut zu Wort und findet viel Widerhall in den Medien. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass die große Mehrheit der Menschen in Deutschland für eine freie und offene Gesellschaft eintritt und LSBTI*-Rechte unterstützt.

Wir rufen alle Demokrat_innen auf: Lasst uns bestehender und drohender Diskriminierung politisch, juristisch und im öffentlichen Diskurs eine unmissverständliche Absage erteilen (So geschehen zum Beispiel 2016 in Hessen)! Die vollständige rechtliche Gleichstellung von LSBTI* ist ein Anfang, Respekt und Selbstverständlichkeit sind das Ziel.

An den indiskutablen menschenfeindlichen Angriffen auf Recht und Freiheit möchten wir uns dabei nicht zu lange aufhalten. In diesen Zeiten gilt es stattdessen zu zeigen:

Vielfalt, Freiheit und Solidarität sind in unserer Gesellschaft hohe Werte. Sie sind Garanten dafür, dass jeder Mensch nach seiner Façon glücklich werden kann – ohne Abwertung, Bevormundung oder Ausgrenzung. Nur eine solche Gesellschaft bietet allen Menschen Schutz und Unterstützung – gleich welchem Lebensentwurf sie folgen. Für diese Freiheit Begeisterung zu wecken und sie jeden Tag zu stärken, ist die wirksamste Maßnahme gegen rechts.

Die Vielfalt ist ein sicherer Ort für alle. Lasst sie uns schützen, pflegen und ausbauen!

Organisationen, Unternehmen und Verbände können den Aufruf mit einer kurzen Nachricht an presse@dah.aidshilfe.de unterzeichnen. Privatpersonen können HIER unterzeichnen.

Fotos: DAH/Johannes Berger


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