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Geflüchtete entführen Documenta-Säule

Und der betroffene Künstler ist begeistert: "Wir danken Euch sehr!"

Die Documenta 2017 hat ihren ersten Skandal und der betroffene Künstler könnte nicht glücklicher darüber sein. Eine Gruppe LGBTI-Geflüchteter die sich „Habibati” (Geliebte/r) nennt, hat einen Teil eines Kunstwerkes der Ausstellung, die derzeit in Athen stattfindet, entführt, um auf ihre Lebensumstände aufmerksam zu machen. Die Säule, die nach dem Vorbild derer, die in der Antike auf Athens Marktplatz standen, modelliert ist war Teil der Performance „The Place of the Thing”. Eigentlich sollte die nach hundert Tagen mit allen anderen Ausstellungsobjekten der Documenta abgebaut und nach Kassel geschickt werden, um dort im Sommer erneut ausgestellt zu werden. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

„Der Stein soll Menschen die Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu erzählen. Das tun wir jetzt.”

Denn die Geflüchteten haben die Anweisung des Künstlers., „mit meinem Kunstwerk zu interagieren” am letzten Sonntag wörtlich genommen und ihre Aktion in einem Video festgehalten. Zur Begründung schrieben sie: „Wir haben den Stein entführt und haben keinerlei Pläne, ihn zurückzugeben. Der Stein soll Menschen die Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu erzählen. Das tun wir jetzt. Vielleicht ist der Stein in die Türkei abgeschoben worden, nachdem er dagegen zweimal Widerspruch eingelegt hatte. Vielleicht ist er auch mit einem gefälschten Pass nach Schweden geflohen, für den er 2000 Euro bezahlt hat. Vielleicht wartet er vor einem Büro in Katehaki und das Gespräch über seinen Asylantrag ist gerade zum zweiten Mal verschoben worden. Vielleicht verkauft er auch seinen Körper in Pedion Tou Areos an Fremde. Vielleicht ist er auch längst als Flüchtling anerkannt, aber muss trotzdem auf der Straße schlafen.” Das alles sind Dinge, die den Flüchtlingen passiert sind. Viele von ihnen warten seit vielen Monaten in Griechenland auf die Bearbeitung ihres Asylantrags.

Hier das Video der Aktion

Der spanische Künstler Roger Bernat, der „The Place of the Thing” auf der Documenta ausstellt, hat die Gruppe kontaktiert und seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, was passiert ist. „Als wir unser Projekt gestartet haben, fürchteten wir, dass wir nicht genügend Aufmerksamkeit für unsere Message bekommen würden, dass niemand den symbolischen Wert des Steines erkennen oder ernstnehmen würde. Wir haben immer daran geglaubt, dass er den hätte, weswegen wir zwei Kopien angefertigt haben, eine lagert hier in Athen, die zweite in Kassel. Wie wollt Ihr im Kasseler Programm Erwähnung finden? Wir freuen uns auf die Öffentlichkeit und die Fotos, die Eure Aktion in den sozialen Medien sicherlich bekommen wird. Es erscheint uns politisch unpassend, das ihr unser Geld behalten habt, aber vielleicht braucht Ihr es für eure kreative und/oder politische Arbeit. Und weil wir gerade dabei sind: Wenn einen symbolischen Stein zu klauen, dem ihr eine bestimmte Bedeutung zuschreibt, die einzige Aktion ist, der ihr politische Bedeutung zuschreibt, sollten wir uns nochmal über eure politischen und künstlerischen Parameter unterhalten!”

„Wir danken Euch jedenfalls. Habt Spaß mit dem Stein, dem Geld und der Rockumenta: Ihr habt immens dazu beigetragen, ihre Ziele zu erreichen.” Die Documenta 14 läuft noch bis zum 16. Juli in Athen und ist vom 10. Juni bis zum 17. September auch in Kassel zu sehen.

Foto: LGBTQI+ Refugees in Greece


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