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„Wir fühlen uns entmündigt & abgezockt“

Die Wut über die Absage der OutGames hält an, aber sie hat auch eine beispiellose Selbsorganisation zur Folge

Nach dem ersten Aufschrei über die Absage der World OutGames in Miami (siehe MÄNNER-Archiv) passiert nun etwas, was die schwule Szene schon immer gut konnte: Es wird improvisiert. Anführer der Selbstorganisationsbewegung, die zum Ziel hat, möglichst viele Wettkämpfe und Veranstaltungen doch noch stattfinden zu lassen, ist Steve Adkins, Vorsitzender der Miami Dade Gay & Lesbian Chamber of Commerce (MDGLCC). „Unsere Community hat alles darangesetzt, dafür zu sorgen, dass die World OutGames, wenn nicht in der angekündigten Weise wenigstens in annähernd ähnlicher Form stattfinden können“, so Adkins. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung Miami hat die MDGLCC am Samstag ein Notfallprogramm erarbeitet, das bis zum offiziellen Abschluss des Events am 4. Juni stetig erweitert werden soll.

Das Notfall-Programm: Auf jeden Fall mehr als nur Wassersport, Western-Dance und Fußball

Hieß es anfangs, dass nur die die Wassersport-, Western-Dance- und Fußball-Turniere wie geplant stattfinden sollen, so wurden inzwischen weitere Wettkämpfe gerettet. Am heutigen Montag steig im Flamingo Park die Hockeymeisterschaft, Volleyball wird Dienstag bis Freitag im Lummus Park gespielt, Hallen-Basketball wurde ins Scott Rakow Youth Center verlegt. Auch die Kultur- und Partyveranstaltungen sollen zu einem großen Teil wie geplant über die Bühne gehen. Zudem lädt die Stadt Mittwochnacht alle registrierten OutGames-Teilnehmer zu einem kollektiven Naturerlebnis in den Botanischen Garten ein.

Gastronomen bieten Freigetränke, Sportler organisieren sich in eigenen Turnieren

Neben den Bemühungen der „Offiziellen“ bieten die Szene-Gastronomen und Aktivisten aus Miami eine beispiellose Auswahl an Alternativen an, die von kostenlosen Saunabesuchen bis zu Freigetränken und spontanen Ersatz-Partys reichen. Auch die angereisten Sportler machen das Beste aus ihrer Situation und organisieren sich über die sozialen Netzwerke ihre eigenen Wettkämpfe. Einer von ihnen ist Philipp Skaar aus Deutschland (Foto oben), der nach Miami gereist ist, um bei den Tennisturnieren und Straßenläufen zu starten. Im Interview mit Spartacus-Traveler-Chefredakteur Tobias Sauer erzählt Philipp über seine Eindrücke vor Ort.

Philipp, wann hast du von der Outgames-Absage erfahren?

Wir haben noch am Freitag –  einen Tag nach unserer Ankunft in Miami – auf der geplanten Anlage Crandon Park trainiert. Auf dem Heimweg in unser Apartment hat uns dann die Absage kalt via Facebook-Post erwischt.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Wir sind in unserem Apartment eine Gruppe von sechs Spielern aus Deutschland und der Schweiz. Es sieht danach aus, dass sich jetzt die Tennisspieler selbst organisieren. Aktuell haben bereits 32 Spieler auf der GLTA-Website ihre Teilnahme zugesagt und ich denke all die anderen Spieler, die bereits angereist sind, werden sich noch anschließen.

Wie hoch waren deine Ausgaben und erwartest du, dass du dein Geld zurückbekommst?

Neben Flug, Apartment und Mietwagen, die wir als Gruppe bezahlt haben, sind da noch die Registrierungsgebühren, die in unserem Fall sechsmal 250 Dollar betragen. In Summe geht das in die Tausende. Unser Apartment können wir nicht mehr stornieren, also sind unsere Möglichkeiten für ein alternatives Programm außerhalb von Miami ausgeschlossen. Wir werden kein Geld zurückbekommen, davon bin ich überzeugt. Aber es geht jetzt gar nicht mehr so sehr ums Geld, sondern mehr um die Enttäuschung, dass man Teilnehmer bewusst anreisen lässt mit dem Wissen, dass es zu einer Absage kommen wird. Wir fühlen uns schlichtweg entmündigt und abgezockt von GLISA und den lokalen Organisatoren.

Aber ihr bleibt trotzdem in Miami … ?

Wir bleiben wie geplant für zehn Tage und switchen unser Programm von Sport auf Strand. Was anderes bleibt uns nicht übrig. Miami ist ja nicht der schlechteste Ort dafür.

Foto: Privat


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