daudo

Der Drahtzieher von Tschetschenien

Human Rights Watch-Bericht schreibt Regierungssprecher Daudov "Schlüsselrolle" bei Schwulenverfolgung zu

Dem tschetschenischen Regierungvorsitzenden Magomed Daudov, auch bekannt unter dem Namen „Lord“, kommt eine Schlüsselrolle in der Verfolgung und Folter von Schwulen in Tschetschenien zu. Das bestätigt ein neuer Bericht von Human Rights Watch (HRW). Schon die Novaya Gazeta hatte in ihrem ersten Report über die Schwulenverfolgung (siehe MÄNNER-Archiv) Daudovs Besuche im Gefängnis von Argun erwähnt. Im HRW-Bericht bestätigen Opfer seine Beteiligung. Daudov gilt neben Präsident Ramzan Kadyrov als der zweitmächtigste Mann in der russischen Teilrepublik.

Die Polizisten beriefen sich beim Festhalten und Foltern auf Daudov

„Daudov scheint bei der Ingangsetzung der Verfolgung sowie deren Absicherung und Absegnung durch die tschetschenischen Machthaber eine Schlüsselrolle gespielt zu haben“, heißt es in dem Schreiben. „Die meisten der früheren Inhaftierten, die von HRW interviewt wurden, berichten darüber, dass die Polizisten, die sie festgehalten und misshandelt haben, sich auf Daudov und seine Anordnungen zur Gewalt gegen schwule Männer beriefen. Drei der Befragten bezeugen seine Anwesenheit in den Gefängnissen von Argun und Grozny .“

„Der Lärm der Folter hört nie auf!“

Auch wie genau die Gewalt gegen schwule Männer aussah, bringt der Bericht in Zeugenberichten über Schläge und Elektroschockfolter auf den Punkt: „Sie drücken den Knopf, ein elektrischer Schlag trifft dich und du fängst an zu  zittern. Sie drehen die höllische Maschine immer wieder auf und der Schmerz ist unerträglich. Du schreist und schreist und bist nicht mehr du selbst. Dann wird dir Schwarz vor Augen. Aber wenn du zu dir kommst, geht es wieder von vorne los. Wenn sie mit dir fertig sind und du wieder klar wirst, hörst du die anderen Gefangenen schreien. Der  Lärm der Folter hört nie auf. Irgendwann verlierst du den Verstand.“

„Sie werden mich und die anderen überall finden!“

Tanya Lokshina, die Verfasserin des HRW-Berichts fordert die internationale Politik dazu auf, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und Opfern Asyl zu geben: „Im Austausch mit HRW, LGBT Network und anderen Gruppen, haben Kanada und einige EU-Mitgliedsstaaten ihre Bereitschaft erklärt, Opfer aufzunehmen, die in unmittelbarer Gefahr sind. Dennoch sind zum Zeitpunkt dieses Schreibens noch immer alle Evakuierten in Russland und brauchen dringend Zuflucht.“ Ein Zeuge drückt seine Angst vor dem Hass Magomed Daudovs und seiner Schergen im HRW-Bericht so aus: „Mein Leben ist ruiniert. Ich kann nicht zurück. Auch hier bin ich nicht sicher. Sie haben lange Arme und sie werden mich und die anderen überall in Russland finden!“

Hier berichtet Tanya Lokshina, Verfasserin des HRW-Berichts, in Kurzform über ihre Ermittlungen:

Titelbild: Wikicommons / Zelamkh / CC-BY-SA-4.0

 


16 Kommentare

  1. Achim Schipporeit

    1. Die tschechischen Mörder und Folter-Verbrecher müssen aufgrund der detaillierten Zeugenaussagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt werden.

    2. Die EU-Staaten, insbesondere Deutschland, müssen den verfolgten Schwulen (auch diejenigen, die bereits in Russland sind) umgehend Asyl gewähren. Wenn die EU-Staaten nicht sofort reagieren, machen sie sich mitschuldig und verraten die gemeinsamen Grundwerte der EU!

  2. Uwe Pfeiffer

    ich bin nicht für die Todesstrafe und auch nicht für das Motto gleiches mit gleichem bestrafen, aber diese Menschen oder besser gesagt diese Bestien sollte man zum „Lynchen“ frei geben…

  3. Marcus Lis

    Die Verantwortlichen gehören bestraft…am besten vor der Öffentlichkeit vorgestellt und hin gerichtet… sowas verdient nicht das Recht zu leben… wenn man Menschen auf diese Art und Weise foltert und Schmerzen zu fügt , egal ob Schwul oder nicht .

  4. Anna Sturm

    Das macht mich sehr, sehr traurig! 🙁
    Und das macht mich auch furchtbar wütend! Wie kann man sich selbst Mensch nennen, wenn man so unmenschlich gegen andere Menschen vorgeht!?!!!?!!!

    Alle Jäger gehören vor Gericht!!!!!!

    Anna Sturm

    #loveislove #deutschland #gleichberechtigung #homosexualität #menschenrechte #russland #putin #merkel #enoughisenough #stopHomophobia #Schwulenjagd #Chechnya100

  5. Rolf Michael Kiesen

    Tschetschenien ist eine überwiegend moslemische Teilrepublik. Die Regierung in Moskau dürfte es nicht dulden, dass in Tschetschenien quasi die Scharia angewandt wird. Michael Kiesen, Autor u.a. Roman „Halbmond über Berlin“


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