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Dieses Paar krempelt die Bermudas um

Der Oberste Gerichtshof der Bermudas öffnet die Ehe

Vor zehn Monaten beantragten Winston Godwin (Foto links) und Greg DaRoche (Foto rechts) auf den Bermuda-Inseln eine Heiratslizenz. Das Gesuch wurde abgelehnt. Doch die jungen Männer ließen sich nicht abwimmeln. Obwohl Greg aus Kanada stammt, wo gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind, wollte das Paar zumindest die Möglichkeit haben, auch in Winstons Heimat auf den Bermudas heiraten zu können. So klagten sie am Obersten Gerichtshof  der Hauptstadt Hamilton und beriefen sich auf ein 2013 verabschiedetes Gesetz, das Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung untersagt (siehe MÄNNER-Archiv). Am 5. Mai gab Richterin Charles-Etta Simmons der Klage statt – und öffnet damit faktisch die Ehe auf den Bermudas.

„Es geht um mehr als um mich: Es geht um Gleichberechtigung!“
Winston zeigte sich nach dem Urteil im Interview mit der Royal Gazette (siehe Video unten) überwältigt: „Mich durchströmen gerade so viele Gefühle: Aufregung, Freude, aber auch Traurigkeit für alle, die noch mit sich selbst hadern. (…) In der Entscheidung des Gerichts geht es um mehr als um mich oder irgendwelchen Papierkram: Es geht um Gleichberechtigung.“ Seinem Partner Greg, der in Toronto lebt und mit dem er derzeit eine Fernbeziehung führt, teilte er das Urteil via Text-Message mit. Auch er zeigte sich „überglücklich“.

Gültiges Urteil gegen ungültigen Volksentscheid
Dies ist das erste Mal, dass ein Gericht auf britischem Hoheitsgebiet das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen unabhängig von der Regierung durchsetzt. Im Sommer 2016 waren die Bewohner der Bermudas aufgefordert gewesen, darüber zu entscheiden, ob sie die Öffnung der Ehe oder die Einführung eines Lebenspartnerschaftsgesetzes bevorzugen. Zwei Drittel der Abstimmenden hatten sowohl das eine als auch das andere abgelehnt (siehe MÄNNER-Archiv). Allerdings war der Volksentscheid ungültig gewesen, weil weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Auch darauf bezog sich Richterin Simmons bei ihrer jetzigen Entscheidung: „Man kann davon ausgehen, dass sich die Mehrheit der Sache bewusst war, aber entschieden hat, sich in diesen Prozess nicht einzubringen.“

Gleichmütigkeit schützt nicht vor Protest
Wo sich die Bevölkerung nicht einbringt, kann man davon ausgehen, dass sie einem Thema gleichmütig gegenübersteht. Nach Simmons Entscheidung wurde dennoch Protest von der konservativen Aktionsgruppe „Preserve Marriage“ laut, die das Urteil als „Angriff auf die Ehe und christliche Werte“ bezeichnete. Auch Labour-Politiker Wayne Fubert äußerte „große Bedenken“ und kündigte an, einen Artikel zur Rückdefinition der Ehe als Bund zwischen Mann und Frau zu erarbeiten.

Weitere Heiratskandidaten stehen schon in den Startlöchern
Die Szene feiert trotzdem. Bermuda-Bewohner Eugene O’Neill und sein Verlobter haben ihren Antrag auf eine Heiratslizenz schon vorbereitet und Aktivist Mark Anderson kündigte für den 5. Juni (den einmonatigen „Geburtstag“ des Gerichtsentscheids) eine öffentliche Feier an. Wie es  für Winston und Greg weitergeht, ist noch nicht klar. Von der Möglichkeit zu heiraten erhoffen sie sich nicht nur eine Hochzeit, sondern auch ein Ende ihrer Fernbeziehung. Ob sie danach in Kanada oder auf den Bermudas leben, ist noch nicht raus. Helden sind sie in beiden Ländern.

„Aufregung, Freude, aber auch Traurigkeit für alle, die noch mit sich hadern!“
Winston Godwin im Interview mit der Royal Gazette

Titelbild: Twitter


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