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„Kirche muss LGBTI willkommen heißen!”

Englischer Pfarrer entscheidet sich gegen seine Kirche - und für seinen Mann

Die Church of England hat ihren fortschrittlichsten Pfarrer verloren. Andrew Foreshew-Cain (Foto, rechts), der 2014 Schlagzeilen als erster schwuler Geistlicher Englands, der einen Mann heiratete, machte, gab am Wochenende bekannt, dass er seiner Gemeinde in West Hampstead im Juli den Rücken kehren wird. Mit nur 53 Jahren geht er in den Ruhestand. Der Grund: „Die Church of England ist eine Organisation, die vorwiegend institutionell homophob ist, die Strategien und Grundsätzen folgt, die LGBTI-Leuten schaden. Deshalb bin ich erleichtert, nicht länger verantwortlich zu sein für diese Organisation, die Schwule und Lesben so schlecht behandelt„, so Foreshew-Cain zur Online-Zeitung The Independant. Er habe zunächst überlegt, ob er nur die Gemeinde wechseln solle, aber ihm sei schnell klar geworden, dass er, als verheirateter schwuler Mann in seiner eigenen Gemeinde zwar toleriert worden sei, dass er in einer anderen aber nie eine Anstellung bekommen würde. Für den radikalen Schritt wird der Pfarrer nicht nur von seinem Gatten Steve (der im Foto oben links zu sehen ist und der die Nachricht bei Twitter schlicht mit „Mein Mann #stolz” kommentierte) gefeiert, sondern auch von Kirchenkritikern, die religiös motivierte Homophobie verurteilen.

30 Jahre versuchte er die Kirche zu reformieren – ohne Erfolg
30 Jahre lang diente Andrew Foreshew-Cain der Church of England, 27 davon als Pfarrer. Noch am vergangenen Sonntag predigte er in seiner Gemeinde im Nordwesten Londons von Hoffnung. Dabei hatte er selbst die Hoffnung längst aufgegeben – zumindest jene, die seine Akzeptanz als schwuler Mann und Geistlicher innerhalb der Kirchenvorstände anging. Foreshew-Cain hatte stets versucht, die Glaubensgemeinschaft durch sein eigenes progressives Auftreten von innen heraus zu reformieren. Indem er vor seiner Kirche die Regenbogenfahne hisste. Indem er einen offenen Brief aufsetzte, der „volle Inklusion von LGBTI in der Kirche” forderte. Und nicht zuletzt dadurch, dass er 2014, kurz nach der Gleichstellung der Ehe in Großbritannien, seinen Mann Steve heiratete. Mit alledem machte sich Foreshew-Cain zwar viele Feinde (siehe MÄNNER-Archiv), aber so richtig verändern konnte er nichts. Er sei immer nur „toleriert” worden, so Foreshew-Cain in seiner Rücktritts-Erklärung, wirkliche Akzeptanz habe es bei den hohen Geistlichen aber nie gegeben.

Verfrühter Ruhestand: Bei schwulen Pfarrern Standard
Foreshew-Cain betont, dass seine Entscheidung nicht an seiner Gemeinde läge, sondern an einer kleinen, mächtigen Gruppe von Entscheidern, die sich hinter ihren homophoben Überzeugungen verschanzten. Auch sei er nicht vom Glauben als solchem abgefallen, er habe nur einfach keine Lust mehr, finanziell und ideell von einer Institution abhängig zu sein, die seinen eigenen Grundüberzeugungen widerspreche. Damit sei er kein Einzelfall: „Von den Meisten wird erwartet, dass sie erst mit 68 ihren Hut nehmen, aber bei schwulen Geistlichen scheint es eine große Affinität zur Frühverrentung zu geben. Ich denke, es ist einfach ermüdend, permanent die Zielscheibe der Niedertracht anderer Leute zu sein.”

Der Appell zum Abgang: Schafft euch nicht selber ab!
„Ich glaube schon seit einer ganzen Weile nicht mehr daran, dass ich irgendwann erleben werde, dass alle Hochzeiten in der Kirche von England wirklich gefeiert werden”, so Foreshew-Cain über seine Resignation. „Zwar denke ich, dass es immer wieder Erntedankgottesdienste und auch schwule Hochzeitsfeiern geben wird, aber sie werden nie vollständig gleichberechtigt sein.” Komplett hat der Pfarrer die Hoffnung aber doch nicht aufgegeben. So richtet Foreshew-Cain zum Abgang eine deutliche Botschaft an seine Vertreiber: „Es muss dringend passieren, dass die Kirche von England – und nicht nur die Kirche – für die Minderheiten in ihren Reihen einsteht. Das bedeutet LGBTI willkommen zu heißen. Sonst schafft sich die Kirche irgendwann selber ab.” Diese Forderung will der 53-Jährige auch in Zukunft äußern. Dass er sich mit seinem Mann – der übrigens Geschäftsführer für Digitale Angelegenheiten bei der Regierung und überzeugter Atheist ist – nach Nordengland zurückziehe, bedeute nämlich nicht, dass er seinen Einsatz für mehr Gleichberechtigung in der Kirche aufgeben werde.

Titelbild: Facebook


5 Kommentare

  1. Christian Schultze

    Was er über die institutionelle Homophobie seiner Kirche schreibt, passt genauso zur röm.-kath. Kirche. Auch sie schadet LGBTI-Menschen, verletzt sie, grenzt sie aus und will sie nicht in ihrer Mitte. Ich freue mich für ihn, dass er einen Partner gefunden hat. Ich habe meinen auch am letzten Freitag geheiratet!


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