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Litauen nimmt schwule Tschetschenen auf

Außenminister Linas Linkevičius bestätigt Visa-Ausstellung für LGBT-Flüchtlinge

Litauens Außenminister Linas Linkevičius (Foto) punktete am gestrigen Tag gegen Homophobie (IDAHOTI, siehe MÄNNER-Archiv) nicht nur mit einen „Zero Tolerance”-Tweet gegen Diskriminierung „jeder Form von Sexualität”, er verkündete auch, dass sein Land eines der ersten sei, das Asylanträge von schwulen Flüchtlingen aus Tschetschenien bewilligt habe. „Ich kann bestätigen, dass wir Visa für zwei Tschetschenen ausgestellt haben, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden”, zitiert die Baltic News Agency (BNA) den Sozialdemokraten. Die gute Nachricht ist das Gegenstück zu jüngsten Berichten, nach denen  US-Behörden Visumanträge von flüchtenden Tschetschenen ablehnen.

Litauen ist nicht sehr LGBTI-freundlich, doch der Außenminister setzt auf Dialog
Litauen gilt normalerweise nicht als übermäßig LGBTI-freundlich. Der katholisch geprägte Baltikumstaat verabschiedete 2009 ein Gesetz, das das Thematisieren von Homosexualität an Schulen verbietet, ein Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare gibt es nicht. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten Jahren in der Hauptstadt Vilnius eine Baltic-Pride-Bewegung etabliert und seit 2011 ist Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gesetzlich untersagt. Linkevičius, der seit 2012 Außenminister ist, sprach sich aber schon im Rahmen der litauischen Ratspräsidentschaft 2013 für einen Dialog in LGBT-Fragen aus.

Die Vereinigten Staaten stellen keine Visa für Tschetschenen aus
Die Evakuierungen schwuler Verfolgungsopfer aus Tschetschenien gehen nur langsam voran – trotz Medienpräsenz des Themas und Verurteilung durch internationale Politiker (siehe MÄNNER-Archiv). Laut  einem BuzzFeedNews-Report bezeichnet Svetlana Zakharova, Sprecherin des Russian LGBT Network, die bisherigen Verhandlungen mit sicheren Asylstaaten als „kompliziert”. Zakharova wolle keine Länder nennen, um ausstehende Zusagen nicht zu gefährden, aber eines sei klar: „Wir wurden informiert, dass die Vereinigten Staaten keine Visa für Leute aus Tschetschenien ausstellen werden.”

Die Evakuierungen dauern an, aber viele Verfolgungsopfer tauchen unter
Momentan hat das Russian LGBT Network 40 verfolgte Tschetschenen auf dem russischen Festland in Sicherheit gebracht und versteckt. Die Evakuierungsbemühungen halten an. Auch sie gestalten sich als schwierig, weil viele Verfolgungsopfer verängstigt sind und untertauchen. Zumal die tschetschenische Regierung die Verbrechen hartnäckig leugnet (siehe MÄNNER-Archiv). Wer mit einer Spende helfen will, kann sich an das Aktionsbündnis Enough is Enough wenden.

Titelbild: Drop of Light / Shutterstock


18 Kommentare

  1. Roman Hoffmann

    Toll
    Hätte ich jetzt nicht gedacht. Und wo ist das selbst hingestellte „Menschenrechtsland” Deutschland?
    Aso, wenn es um Homosexuelle geht sind Deutschland die Menschenrechte egal

  2. Rainer von Steht

    Da sind ja auch christliche und soziale Parteien an der Regierung , die nehmen die Liebe Gottes besonders ernst , und da gibt es noch manche scheinheilige Kirchen ,die besonders lieb sind zu schwulen Personen

  3. Erich Kirchmayer

    Nicht vergessen: Tschetschenien ist ein islamisches(!!) Land. Und der Islam gehört lt. unserer Regierung bekannterweise ja auch zu (oder nach) Deutschland. Somit gehört auch die Verfolgung von Homosexuellen auch zu Deutschland. Also leibe LGBT-Leute: Immer schön Parteien wählen, die noch viel mehr Islam in Deutschland wollen….

  4. Erich Kirchmayer

    §175 StGB wurde abgeschafft und danach viel Positives bewirkt und gemacht. Heute macht die Regierung das exakte Gegenteil, in dem sie religiös-traditionell LGBT-feindliche Leute ( = „der Islam gehört zu Deutschland”) millionenfach einlädt.

  5. Alain Masson

    Deutschland macht nix, hat ja auch keine schwulenfreundliche Regierung. In Westeuropa schneiden, was Schwulenrechte angeht, nur noch die Schweiz und Italien gleich schlecht ab. Eine Schande für ein ‘modernes, offenes, westliches Land!


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