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Kadyrow schlägt zurück

Ermittlungen zur Schwulenverfolgung in Tschetschenien ergaben: Alles Lüge. Jetzt droht die Regierung zu klagen

Die internen Ermittlungen zur Schwulenverfolgung in Tschetschenien sind abgeschlossen. Das Ergebnis: Es wurden keine Beweise für Menschenrechtsverletzungen jeglicher Art gefunden. Das verwundert niemanden, der die ersten staatlichen Reaktionen auf die schockierenden Berichte mitbekommen hat, in denen Regierungssprecher Alvi Karimov argumentierte, dass es eine Verfolgung von Schwulen in seinem Land nicht geben könne, da es in seinem Land ja keine Schwulen gäbe. So weit, so schlimm. Aber mit der Leugnung ist das Thema nicht abgehakt. Vielmehr bereiten der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrow (Foto, Mitte) und seine Leute den Rückschlag vor. Zunächst wollen sie die Zeitung Novaya Gazeta verklagen, in der am 1. April erstmals über die Verfolgung berichtet wurde (siehe MÄNNER-Archiv).

„Selbsternannte Pseudo-Menschenrechtsaktivisten wollten unser Land diskreditieren“
Tschetscheniens Innenminister Ruslan Alkhanov gab kürzlich bekannt: „Die Ermittler für innere Angelegenheiten der Republik haben nicht einen einzigen Beweis erhalten, der die Unterdrückung und insbesondere das Massakrieren von Menschen nicht-traditioneller Orientierung im Lande belegt. Die pseudo-sensationsheischenden Meldungen über die Verhaftung von mehr als 160 homosexuellen Männer, von denen 50 getötet worden sein sollen, entbehren jeglicher Grundlage und sind an den Haaren herbeigezogen. Der Aufriss, der von selbsternannten Pseudo-Menschenrechts-Aktivisten im tschetschenischen Volk betrieben wurde, ist eine Provokation und dient einzig und allein dem Ziel, die Tschetschenische Republik in den Augen der Öffentlichkeit zu diskreditieren.“

Vertuschung auf der einen Seite, Auslöschung auf der anderen
Diese Äußerung steht im krassen Gegensatz zu den Augenzeugenberichten von Opfern, die in den letzten Wochen immer zahlreicher durch die Medien gingen (siehe MÄNNER-Archiv), sowie weiteren Meldungen, die von internen Plänen der Regierung berichteten, dass die schwule Community in Tschetschenien bis zum Beginn des heiligen Monats Ramadan am 26. Mai ausgelöscht werden sollte, beziehungsweise es mindestens sechs Konzentrationslager im Land gäbe, in denen 200 Männer festgehalten würden. Hinzu kam eine Story über einen Tschetschenen, der seinen 17-jährigen Neffen aus dem neunten Stock vom Balkon gestoßen haben soll, nachdem dieser sich als schwul geoutet hatte.

Ist die Klage gegen die Novaya Gazeta der Anfang eines neuen Feldzugs?
Die hartnäckige Ignoranz auf Seiten der Regierung und die stetige Verschärfung der Berichte der Menschenrechtler lassen vermuten, dass eine Klage gegen die Novaya Gazeta nur der Anfang eines neuen Feldzugs sein könnte, der alle zum Schweigen bringen soll, die die Verbrechen bestätigen können. Die Unterstützung der Hilfsorganisationen, allen voran des Russian LGBT Network, bleibt somit weiter von hoher Wichtigkeit (Hier gibt’s Infos zu Spendenaktionen). Einer Sprecherin der Netzwerks zufolge, konnten inzwischen 40 Opfer von Tschetschenien nach Russland evakuiert werden, zwei ins westliche Ausland.

Titelbild: 977_ReX_977 / Shutterstock.com


9 Kommentare

  1. Anna Sturm

    Es macht mich wütend, dass man in Russland [Teil Republik Tschetschenien] die Schwulenjagd als Lüge hinstellt!

    Es macht mich wütend, dass man scheinbar damit durchkommt, denn schließlich sitzen die Jäger in diesem Fall an der Spitze der Regierung!

    Bei Gott! Wie kann man die Schwulenjagd in Russland abstreiten, wenn das ganze Internet voll von Video-Beweisen ist?!

    Eine Lüge als Wahrheit hinzustellen, indem man jeden schwulen Mann ausradiert, wird niemals die Tatsache ändern, dass Homosexuelle in Russland gejagt, gefoltert und getötet wurden! Und die ganze Welt lässt sich durch diese Lügen, die die Wahrheit verbergen sollen, blenden!

    Ich könnte kotzen, wenn Staatsmänner Wahrheiten als Lügen deklarieren, während die inhaftierten Männer weiterhin diesen unmenschlichen Folterungen ausgesetzt werden!

    Welt! Wach endlich auf!

    Im zweiten Weltkrieg hat man vieles als Lüge hingestellt, was nur die grausame Realität vertuschen sollte. Und offensichtlich bedienen sich mächtige Männer immer desselben Instruments, welches in nahezu jeder Zeitepoche den Staatsmännern dazu gedient hat, das Volk und die Länder, von denen sie umgeben waren, mit ihren Lügen zu blenden, um die bittere Realität dadurch zu vertuschen.

    Wenn jemand behauptet, in seinem Land gäbe es keine Homosexuellen, dann ist das bereits die erste Lüge, die er verbreitet!

    Abgesehen davon schlage ich den Jägern vor, in Zukunft zu Fuß zu gehen. Denn es entspricht nicht den Traditionen, sich mit motorisierten Hilfsmitteln fortzubewegen. Vergesst nicht, dass ihr ursprünglich wie Affen auf Bäumen geklettert seid und eure Wege grundsätzlich zu Fuß zurückgelegt habt. Und nachdem ihr immer und immer wieder an euren Traditionen festhalten wollt, dann haltet euch gefälligst in jeder Hinsicht daran!

    Anna Sturm

    #loveislove #deutschland #gleichberechtigung #homosexualität #menschenrechte #russland #putin #merkel #enoughisenough #stopHomophobia #Schwulenjagd #Chechnya100


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