Volker ist schuld!

Nicht Angela Merkel und nicht Martin Schulz sind für die Öffnung der Ehe verantwortlich, sondern Volker Beck. Danke!

„Es ist gut, dass Angela Merkel noch ins Rollen gekommen ist. Daran sind wir schuld“, sagt Volker Beck am Morgen der voraussichtlichen Eheöffnung  in einem Interview mit dem Berliner Radiosender Radio Eins. „Wir“, das sind Bündnis90/DIE GRÜNEN, Becks politische Heimat. Deren LGBTI-Politik er geprägt hat, wie sonst kein anderer Abgeordneter einen Politik-Bereich in den letzten 30 Jahren.Vor vier Wochen beschloss der Parteitag, es werde ohne die Ehe für alle keine Koalition auf Bundesebene mit den Bündnis/GRÜNEN geben. Die FDP und die SPD folgten in den nächsten Wochen und Angela Merkel geriet auf der Suche nach einem potentiellen Regierungspartner in Zugzwang.

Falls also jemand sich von dem Wahlkampfgetöse, für das SPD und CDU das von ihnen oft instrumentalisierte und noch öfter einfach ignorierte Gleichstellungsbedürfnis deutscher gleichgeschlechtlicher Paare jetzt nutzen, nicht beeindrucken lässt und den wirklichen Auslöser dafür sucht, dass das deutsche Parlament heute über die Ehe für alle abstimmt, dann ist er bei Volker Beck an genau der richtigen Adresse. Am Freitag will Beck seine politische LGBTI-Arbeit nach 23 Jahren im Bundestag an seinem letzten Tag im Parlament krönen. Mit der Eheöffnung in Deutschland, einem Projekt, an dem er jetzt zwei Jahrzehnte lautstark gearbeitet hat, bei dem er nie feige war, das er durch alle politischen Skandäle und Skandälchen, an denen er beteiligt war, nie aus den Augen verloren hat.

Geliebt wurde er von vielen in seiner Partei nie. Erfolgreichen Prinzipienreitern geht das so

Es wäre ein verdienter Sieg, der vielleicht auch vergessen machen würde, dass die GRÜNEN selbst es sind, die dafür gesorgt haben, dass Beck nicht mehr im nächsten Bundestag sitzen wird. Denn geliebt wurde er von vielen in seiner Partei nie. Erfolgreichen Prinzipienreitern geht das so. Die Eheöffnung wäre, nach mehr als einem Jahrzehnt juristischer Wehen, auch der Abriss des Provisoriums Lebenspartnerschaft, das Beck vor 17 Jahren zusammen mit Manfred Bruns aus der Taufe hob. Nicht weil er unbedingt wollte, sondern weil er wusste, was sich seinerzeit politisch würde durchsetzen lassen, weil er sah, dass ein Provisorium, mit dem man schon mal arbeiten kann, besser ist, als gar nichts und weil er wusste, dass man juristisch würde nachbessern können. Das haben er und Bruns in ungezählten Verfahren solange getan, dass die Partnerschaft der Ehe inzwischen, bis auf das Adoptionsrecht, eigentlich gleicht.

Die Kanzlerin also nur noch ihr Bauchgefühl beim Thema Kindeswohl überwinden und einen gnädigen Schritt zur Seite machen musste, damit die SPD im Verbund mit Linken und Grünen in Deutschland die Ehe öffnen kann. Diesen Moment hat Volker Beck seit 23 Jahren herbeigesehnt. Er ist ihm sehr zu gönnen.

Foto: Imago/Metodi Popow


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