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CSU-Abgeordneter für Eheöffnung

Bernd Fabritius findet "es falsch, dass die CSU für Schwule kein Angebot hat" und will für die Ehe für alle stimmen

Die Unionspartei könnten es sich leichter machen, wenn sie auf ihre lesbischen und schwulen Mitglieder hören würden. Denn die sind von der LGBTI-Politik ihrer Parteien so genervt, dass sie in Rheinland-Pfalz ihre Mitarbeit im Wahlkampf verweigern (MÄNNER-Archiv), oder, wie der CSU Abgeordnete Bernd Fabritius Interviews geben, in denen sie ankündigen, mit der Opposition stimmen zu wollen, sollte im Bundestag über die Eheöffnung abgestimmt werden. „Ich würde aus Überzeugung dafür stimmen”, erklärte Fabritius in einem Interview mit der Bayerischen Staatszeitung.

Fabritius ist nicht irgendein Abgeordneter im Bundestag. Der 52-Jährige ist der einzige offen schwule CSU-Bundestagsabgeordnete im Parlament (MÄNNER-Archiv), Präsident des Bundes der Vertriebenen, Gründungsmitglied des bayerischen Landesverbands der Schwulen und Lesben in der Union (LSU) und sitzt im Vorstand der Magnus Hirschfeld-Stiftung. Ein konservatives und LGBTI-politisches Schwergewicht also.

„Man schützt das Institut der Ehe nicht dadurch, dass man Schwulen und Lesben das Heiraten verbietet”

Fabritius hat es auch leicht, sich für etwas auszusprechen, zu dem es in dieser Legislaturperiode wohl nicht mehr kommen wird. Schließlich sind die entsprechenden Gesetzesentwürfe noch nicht mal aus den nötigen Ausschüssen raus, Union und SPD blockieren. Trotzdem sind seine Aussagen im Interview bemerkenswert. Er sagt: „Ich kann die Argumente der Gegner der Eheöffnung zum Teil nachvollziehen, teile sie aber nicht: Man schützt das Institut der Ehe nicht dadurch, dass man Schwulen und Lesben das Heiraten verbietet. Es besteht doch keinerlei Konkurrenzsituation. Es wird doch kein einziger Hetero plötzlich einen anderen Mann heiraten, nur weil er es darf. Ich hoffe sehr, dass auch die Hardliner ihre Bedenken endlich überwinden.”

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Sollte sich dafür in seiner Partei keine Mehrheit finden, hat Fabrizius einen Kompromiss-Vorschlag: Die Gleichwertung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der staatlichen Ehe. „Das könnte bedeuten: Egal, ob zwei Menschen verpartnert oder im klassischen Sinn verheiratet sind – sie sollen beim Punkt Familienstand immer angeben können, dass sie „verheiratet“ sind. Dafür müsste im Personenstandsrecht lediglich geregelt werden: Verheiratet ist, wer eine Ehe geschlossen hat oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt. Das wäre ein guter, die staatliche Ehe und die eingetragene Lebenspartnerschaft personenstandsrechtlich gleichstellender Kompromiss.”

„Primär darf es alleine um das Kindeswohl gehen, um dessen Recht auf die besten Eltern im konkreten Fall. Das können auch mal zwei Frauen oder zwei Männer sein.”

Zum Adoptionsrecht sagt Fabritius: „Primär darf es alleine um das Kindeswohl gehen, um dessen Recht auf die besten Eltern im konkreten Fall. Das können auch mal zwei Frauen oder zwei Männer sein. Was seit Jahren bei Pflegschaften erwiesen ist und praktiziert wird, muss auch für den Fall der Adoption gelten dürfen.”

Er selbst will mit seinem offenen Umgang mit seinem Schwulsein den CSU-Kollegen ein Vorbild sein und sanfte Überzeugungsarbeit leisten: „Ich zeige meinen Kollegen, dass meine Lebenspartnerschaft einer klassischen Ehe entspricht. Dazu gehört unbedingter Einstand für einander, gemeinsame Lebensplanung, Höhen und Tiefen. Ich nehme meinen Partner zu gesellschaftlichen Einladungen grundsätzlich mit – da bin ich einer der wenigen Abgeordneten. Dass Partner mitkommen, ist ja nicht die Regel. Wir wollen aber bewusst so viel wie möglich gemeinsam machen. Ich persönlich finde ja, dass Lebenspartnerschaft ein wahnsinnig schöner Begriff ist, es ist die treffendste Inhaltsbeschreibung einer Ehe nach meinem Verständnis.”

Foto: Patrick Levin, Sebastian Dobberstein


10 Kommentare

  1. Jobst Mahrenholz

    Jürgen Gladbeck Na, eigentlich beantworte ich die Frage ja schon in meinem Post. Wenn eine Partei mir das Recht auf Gleichberechtigung nimmt, mich dadurch quasi als Menschen zweiter Klasse abstempelt, dann kann das niemals meine Partei sein. CDU/CSU und AfD sind die einzigen nennenswerten Parteien, die die Gleichstellung von Schwulen, Lesben und Trangendern verhindern möchten. Wohlgemerkt: Es geht um Rechte, die niemandem etwas wegnehmen, niemanden beeinträchtigen. Es geht einfach nur um gleiches Recht.


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