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„Schwulen Vorkämpfern bin ich dankbar“

TIME nimmt Irlands Premier aufs Cover und sagt, dass sein Schwulsein ihn dahin gebracht hat, wo er heute ist

Dass Irland im Juni mit Leo Varadkar einen schwulen Taoiseach (Premierminister) gewählt hat, sorgte für  einiges Aufsehen (siehe MÄNNER-Archiv), jetzt kommt der 38-Jährige endgültig groß raus. Er hat es zur Titelfigur der neuen Ausgabe von TIME Europe gebracht. Das Wochenmagazin ist für seine ikonischen Cover bekannt, die oft zu eigenen Legenden werden.

Es war das Eingestehen seiner Sexualität, das ihm landesweite Prominenz einbrachte

Dass TIME dem Politiker ein großes Interviewporträt widmet, dürfte auch damit zu tun haben, dass er als offen schwuler Staatschef symbolisch für eine neue Politikergeneration steht, für die Homosexualität kein Tabu, aber auch kein großes Thema ist. „Es war das Eingestehen seiner Sexualität (…), das ihm landesweite Prominenz einbrachte“, heißt es im Text von Jennifer Duggan. „Seine Offenheit galt als Schlüssel der Kampagne, die zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen führte, aber auch als politisches Risiko in einem Land, in dem Schwulsein bis 1993 strafbar war.“

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich für die Menschen viel verändert habe“

Im Interview bewertet Varadkar die Signalwirkung seines offenen Schwulseins bescheiden: „Ich denke, dass es nur einen Wandel in der irischen Gesellschaft widerspiegelt, der schon längst stattgefunden hatte. Ich habe nicht notwendigerweise das Gefühl, dass ich für die Menschen viel verändert habe. Ich denke, das haben eher andere Leute getan, die vielleicht tapfererer waren als ich und die schon Vorkämpfer für Gleichberechtigung waren, bevor das Gesetz die Situation für mich leichter machte. Diesen Leuten bin ich dankbar.“

Varadkar schickt einen Warnschuss Richtung Türkei und Russland

Varadkar sagt auch, dass das Erbe der schwulen Emanzipationsbewegung ihm die Verantwortung auferlegt, Gleichberechtigung für LGBT zu bewahren. Diese Aussage verbindet er mit einem Warnschuss Richtung Russland und Türkei:  „Es geht mir nicht nur um die LGBT-Comunity in Irland, sondern auch in Nordirland und in aller Welt, wo Gleichberechtigung unter Beschuss steht. Europa mag sich in die richtige Richtung bewegen, aber andere Teile der Welt wie die Türkei und Russland gehen in die falsche. Zumindest, wenn es zum Gleichheit vor dem Gesetz geht. Ähnlich ist es in einigen Teilen Osteuropas.“

Irland ist die „Insel im Zentrum der Welt“

In weiteren Passagen des Interviews äußert Europa-Befürworter Varadkar sich kritisch zum Brexit und zu Donald Trump und er erklärt, warum sein Land „die Insel im Zentrum der Welt“ ist, die auf dem TIME-Cover heraufbeschworen wird. Die gedruckte Ausgabe erscheint am 24. Juli.

 Titelbild: Nick Ballon / time.com


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