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Israel: „Kriegserklärung an Homo-Väter“

Streit über Diskriminierung im Adoptionsverfahren eskaliert

Israel steckt mitten in einem Streit über das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare. Der Grund: Die „Association of Israeli Gay Fathers“ reichte im Frühjahr eine Petition beim Obersten Gericht in Tel Aviv ein, in der sie die Ungleichbehandlung von Homopaaren im Adoptionsrecht anprangerte. Gleichgeschlechtliche Paare sind in Israel seit 2008 zur Kindesadoption berechtigt. Aber sie werden systematisch benachteiligt.

Auf 550 Adoptionsanträge von Homopaaren kamen in neun Jahren drei Adoptionen

Die Folge: Auf 550 Adoptionsanträge gleichgeschlechtlicher Paare kamen in neun Jahren nur drei Adoptionen. Im selben Zeitraum wurden 1.700 Adoptionen bei heterosexuellen Paare bewilligt. Diese Zahlen sprechen für sich. Die israelische Politik sieht trotzdem keinen Anlass zur Veränderung. Auf Anfrage des Obersten Gerichts gab die Regierung die Erklärung ab: „Betreffend gleichgeschlechtlicher Paare wurde von professionellen Gutachtern des Ministeriums für Arbeit und soziale Angelegenheiten entschieden, keine Bemühungen anzustrengen, die bestehenden Gesetze zu ändern.“ Der Grund: Bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen bedeute für Kinder „zusätzlichen Ballast“.

„Die Entscheidung ist lächerlich und ein beispielloser Akt von Homophobie“

Udi Ledergor, Vorsitzender der Association of Israeli Gay Fathers, reagierte prompt auf die Stellungnahmen und bezeichnete sie als „Kriegserklärung an schwule Väter“. Auch eine Reihe von Oppostionspolitikern übte vernichtende Kritik: „Die Entscheidung ist lächerlich und ein beispielloser Akt von Homophobie. Die Israelische Regierung stellt sich mal wieder gegen die Gay-Community und bekräftigt damit ihren zynischen Umgang mit deren Interessen: Auf Englisch präsentiert man sich als schwulenfreundliches Land, auf Hebräisch verweigert man grundlegende Rechte.“

Minister Haim Katz rudert zurück – und kündigt „weitreichende Reformen“ an

Infolge der lautstarken Kritik ruderte Haim Katz, amtierender Minister für Wohlfahrt und Soziale Dienste zurück. Die Stellungnahme der Regierung sei nicht korrekt formuliert gewesen und hätte so nicht veröffentlich werden dürfen. Er selbst stehe für die Position, dass man keine Gruppe benachteiligen dürfe und werde eine „weitreichende Reform der Adoptionsstellen“ anregen.

Titelbild: Altosvic / Shutterstock.com


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