Gatiss

„Es sind doch nur Gesetze!“

"Sherlock"-Star Mark Gatiss warnt die schwule Welt vor dem großen Backlash

Der schwule Schauspieler und Drehbuchautor Mark Gatiss hat in einem Interview anlässlich des 50. Jubiläums der Entkriminalisierung von Homosexualität in Großbritannien (siehe MÄNNER-Archiv) vor gesellschaftlichen Rückschritten gewarnt. Im Interview mit dem Magain „The Big Issue“ teilte der 50-Jährige dabei nicht nur gegen homophobe Machthaber in aller Welt aus, sondern auch gegen die Lethargie von Schwulen, die in westlichen Zivilisationen leben.

„Wir streiten über Nichtigkeiten, während am anderen Ende der Erde Leute angezündet werden“

„In den Großstadtblasen kann man sich leicht einreden, dass alles fortschrittlich und lässig läuft“, so der „Sherlock“-Autor und -Produzent. „Aber der Rest der Welt ist ein sehr anderer Ort. Das ist eine Sache, die mich am Auseinanderbrechen der Schwulenbewegung frustriert. Wir streiten über die Nichtigkeiten unserer privilegierten Erfahrungswelt, während am anderen Ende der Erde Leute angezündet werden, weil sie schwul sind.“

„Durch das Brexit-Votum hat sich ein neuer Tonfall Bahn gebrochen“

Gatiss spielt damit auf die jüngsten Schwulenverfolgungen in Tschetschenien und Indonesien an. Aber auch darauf, dass viele Schwule sich in Wohlstandsproblemen ergehen, ohne  die Rückschritte vor der eigenen Haustür zu bemerken. „Sicher, es wurde viel gewonnen, aber es gibt immer noch viel, für das wir weiterkämpfen müssen. Es ist beängstigend, wie schnell Dinge sich zurückentwickeln können. Der neue Tonfall, der sich durch das Brexit-Votum Bahn gebrochen hat, und die Leute, die sich auf einmal befähigt fühlen, Dinge zu äußern, die sie noch vor Jahren nicht zu sagen gewagt hätten, sind doch schockierend.“

„Viele Siege, die wir errungen haben, gleiten uns durch die Finger“

Die Botschaft: Man muss nicht erst zu Erdogan, Szydło und Donald Trump gucken, um das Erstarken eines (homophoben) Populismus zu erkennen. Obwohl Gatiss das natürlich auch tut: „Guck dir Polen an, guck dir die Türkei an – und durch Donald Trump hat diese Haltung ein Echo in der ganzen Welt wieder. Eine Unterschrift genügt, um alle Errungenschaften zunichte zu machen. Es sind doch nur Gesetze! Für mich ist die Situation sehr politisch aufgeladen, weil es sich anfühlt, als ob viele Siege, wir errungen haben, uns durch die Finger gleiten.“


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