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Frank-Walter, wir warten!

Standesämter vertrösten schwule Ehekandidaten, weil sie auf den Bundespräsidenten warten

Zweieinhalb Wochen nach dem Beschluss des Bundestages zur Ehe für alle und anderthalb nach dessen Bestätigung durch den Bundesrat (siehe MÄNNER-Archiv) ist die Resonanz von gleichgeschlechtlichen Heiratskandidaten bei deutschen Standesämtern durchwachsen – beziehungsweise eine Frage des Standpunktes. Nachdem der Evangelische Pressedienst kürzlich erste Zahlen bekanntgab, reichen die Schlagzeilen von „Schwule und Lesben stürmen die Standesämter“ (Berliner Kurier) bis zu „Zögerlicher Start für die Ehe für alle“ (Süddeutsche).

Fehlanzeige in Dresden und Bamberg, reger Zulauf in Leipzig, Köln und Berlin

Auf den Bundesdurchschnitt gerechnet, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Denn die Zahlen sind je nach Region unterschiedlich. So vermelden Städte wie Dresden, Ansbach, Aschaffenburg und Bamberg völlige Fehlanzeige in Sachen Anfragen, während in Leipzig (48), Berlin (48), Köln (30) und Wiesbaden (15) ein reger Zulauf herrsche. Mit durchschnittlich sieben Anfragen schlagen Freiburg, Hannover, Saarbrücken und Magdeburg zu Buche.

Manche wollen ihre Lebenspartnerschaft umwandeln, aber die Standesämter wissen noch nichts

Von einem Sturm auf die Standesämter kann man bisher also nicht gerade sprechen. Zumal ein Großteil der Interessenten aus Leuten besteht, die „nur“ ihre Eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln wollen. Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung dürfte aber auch die Ungewissheit sein. Derzeit können die Standesämter weder klare Angaben zu möglichen Terminen machen, noch sagen, ab wann für gleichgeschlechtliche Trauungszeremonien vorgemerkt werden.

Bleibt beim strammen Terminplan des Bundespräsidenten Zeit für Unterschriften? Wir bitten darum

Der Grund für die Orientierungslosigkeit der Beamten: Bisher liegt das Gesetz bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto) zur Unterzeichnung und Verkündung. Erst wenn dieser formelle Akt durch ist, kann es nach einer Dreimonatsfrist inkraft treten. Wenn man Steinmeiers aktuellen Terminkalender anguckt, ist zu befürchten, dass es vor November keine schwulen Eheschließungen geben wird. Am Wochenende hatte der Bundespräsident seinen Antrittsbesuch in Österreich, morgen reist er nach Mecklenburg-Vorpommern, am Mittwoch trifft er sich mit dem britischen Prinz William und seiner Gattin Kate im Schloss Bellevue. Ob bei so viel Action Zeit für ein paar Unterschriften bleibt? Wir bitten darum. Denn: Frank-Walter, wir warten! Und die Standesbeamten auch.

Titelfoto: Bundesregierung/Steffen Kugler


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