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Neuseeland: Historische Entschuldigung

Parlament in Wellington beschließt offizielle Entschuldigung bei schwulen Justizopfern

Es ist ein rein symbolischer Akt, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Im neuseeländischen Parlament (Foto) wurde eine offizielle Entschuldigung bei Schwulen beschlossen, die unter den historischen Anti-Homo-Gesetzen des Landes verurteilt wurden. Von 1840 bis Mitte der 1980er Jahre war gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern in dem pazifischen Inselstaat strafbar. Ein Zustand, der zunächst durch einen Homosexual Law Reform Act im Jahr 1986 aufgehoben wurde, und der nun offiziell als Unrecht verurteilt wird. Ein historischer Schritt. Auch wenn LGBT-Aktivisten ihn als zu spät und nicht ausreichend kritisieren. Von den verurteilten Männern leben Schätzungen zufolge noch 1000.

Eine Streichung der Verurteilungen aus den Akten der Betroffenen muss erst beantragt werden

Die Entschuldigung ist die Folge einer Petition, die Justizministerin Amy Adams im vergangenen Jahr vorgelegt wurde. Im Februar wurde das Vorhaben erstmals im Parlament verhandelt, ein Textentwurf wurde Ende Juni eingebracht. „Wir hoffen, dass wir damit eine Würdigung der Verletzung und des Traumas versichern, die diese Männer durchlitten haben“, so Amy Adams zu SkyNews. „Das Parlament hat das tief empfundene Anliegen das wiedergutzumachen und das enorme Leid, das ihnen widerfahren ist, anzuerkennen.“ Die Entschuldigung schließt eine Streichung der Verurteilungen aus den Akten der Betroffenen ein, die allerdings erst beantragt werden muss.

„Die Entschuldigung ist wirklich das Mindeste, was das Parlament tun kann!“

Die warmen Worte der Justizministerin sind zugegebenermaßen ein schwacher Trost. Im Vergleich: Erst kürzlich wurde im deutschen Bundestag eine Entschädigung von Verurteilten des Paragraphen 175 beschlossen, die einen Entschädigungsetat von 4,5 Millionen Euro vorsieht (siehe MÄNNER-Archiv). So hält sich der Jubel bei neuseeländischen LGBT-Aktivisten in Grenzen. Veteran Bill Logan äußerte gegenüber Stuff: „Die Entschuldigung ist wirklich das Mindeste, was das Parlament tun kann. So viele Leute wurden in unnötig kleine Leben gezwungen. Der Schmerz war enorm. Eine hohe Zahl von Leben wurde von diesen Gesetzen. die wiederum ein Spiegel der gesellschaftlichen Ansichten ihrer Zeit waren, komplett zerstört. Das Parlament hat einen Anteil daran.“

Auf gleichgeschlechtlichen Sex unter Männern stand Todesstrafe, für Frauen war er nie strafbar

Bei erster Lesung im Parlament in Wellington am Mittwoch verlas Amy Adams folgenden Text: „Ich beantrage, dass dieses Haus sich bei den homosexuellen Neuseeländern entschuldigt, die für einvernehmliche Aktivitäten unter Erwachsenen verurteilt wurden, und dass der erschütternde Schmerz, den diese Männer und ihre Familien durchlitten haben, beziehungsweise die Konsequenzen, die die Verurteilungen für sie nach sich zogen, anerkannt werden.“ Das Verbot von schwulem Sex war in Neuseeland 1840 mit Einführung britischer Gesetze in Kraft getreten. Es forderte zunächst die Todesstrafe, wurde 1867 auf lebenslänglich reduziert und erst in den 1960er Jahren zunehmend abgeschwächt. Gleichgeschlechtlicher Sex von Frauen war nie strafbar.

Foto: JSvideos / Shutterstock.com


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