Entscheiden Schwule und Lesben die US-Wahl?
Neue Umfrage zeigt: LGBTI-Wähler sind das Zünglein an der Wage
Schwule und Lesben werden in den USA durch ihre Stimmen nicht nur einfach darüber mitbestimmen, wer am Dienstag nächster Woche der neue Präsident wird, sondern die Wahl entscheiden. Laut einem „Gallup Special Report“ sind 71 Prozent aller registrierten LGBTI-Wähler sich sicher, dass sie Präsident Obama ihre Stimme geben wollen, 22 Prozent werden für Mitt Romney stimmen. Sieben Prozent sind noch unentschieden.
Soweit, so klar. Spannend wird es allerdings, wenn man diese Zahlen auf die Gesamtwählerschaft anrechnet. Weil laut der letzten Gallup-Umfrage 47 Prozent der heterosexuellen Wähler für Romney stimmen wollen und nur 46 Prozent für Obama, werden die Stimmen der LGBTI-Community für den amtierenden Präsidenten möglicherweise Wahl entscheidend sein. Denn erst wenn man sie einrechnet, ergibt sich ein Verhältnis von 47 zu 45 Prozent zu Gunsten des Amtsinhabers. (pasch)
Anderson Cooper macht es offiziell
Der amerikanische Talkshow-Host und Journalist Anderson Cooper sagt “Ich bin übrigens schwul und war das auch schon immer”. Cooper ist eines der bekanntesten Fernsehgesichter Amerikas
“Fakt ist: Ich bin schwul, war das schon immer, werde auch nie etwas anderes sein und ich könnte darüber nicht glücklicher sein und zufriedenerv mit mir selbst und meinem Leben.” schreibt Anderson Cooper in einer Email an die Internet-Nachrichtenplattform Daily Beast, deren Veröffentlichung er zugestimmt hat. Und das war’s, sein offizielles Coming-Out. So einfach ist es manchmal Jahrelange Diskussionen zu beenden. Denn seit mehr als einer Dekade stand der bekannte Fernsehjournalist und Medienliebling jetzt in der Kritik, weil er nie genau sagen wollte, wie es um ihn steht (“Der Journalist ist nicht die Story.”). Nicht einmal in seiner Autobiagrafie “Dispatches from the Edge” schrieb er darüber. Nach einem Gespräch mit einer anderen offen schwulen Journalismus-Ikone, Andrew Sullivan, hat er es sich nun anders überlegt.
In der Mail an Sullivan schreibt er nun: “In letzter Zeit habe ich mir oft überlegt, ob die unbeabsichtigten Begleiterscheinungen meines Wunsches nach Privatheit, schwerer wiegen als persönliche und professionelle Prinzipien. Es ist mir klar geworden, dass ich dadurch, dass ich zu einigen Aspekten meines Privatlebens keine Aussagen gemacht habe, der falsche Eindruck entstanden ist, ich würde etwas verstecken wollen – etwas, das mir peinlich ist, für das ich mich schäme, oder vor dem ich sogar Angst habe. Das ärgert mich, weil es nicht wahr ist.”
Cooper hat jahrelang für CNN aus verschiedenen Krisengebieten dieser Welt berichtet, moderiert derzeit Anderson Cooper 360° auf CNN und lebt mit seinem Partner Ben Maisani in New York City. (pasch)
DIE JULI-AUSGABE IST DA!
Liebe Leser,
Hand aufs Herz: Wie viele Schwule interessieren sich wirklich leidenschaftlich für die Olympiade? In meinem direkten Umfeld eher wenige. Austragungsort London ist da schon eine andere Sache. Denn als eine der großen schwulen Weltmetropolen zieht die Stadt täglich tausende von Touristen an, die sich an der Themse ins vibrierende Kultur- und Partyleben stürzen wollen. Wir fanden es deshalb lohnend, die in diesem Monat stattfindende Olympiade als Stichwort zu nutzen, um eine Art „British Issue“ zu machen, mit der Queen als Maskottchen, mit einem sehr persönlichen Report vom ehemaligen MÄNNER-Mitarbeiter Mathias Vef über seinen Umzug ins hippe East London, aber auch mit einem Interview mit Tom Wilkinson, der im Film Best Marigold Hotel einen britischen Richter spielt, der mit einer Gruppe Ex-Patrioten in die Ex-Kronkolonie Indien aufbricht, um dort die große Liebe seines Lebens wiederzufinden – einen Mann, mit dem er als Jugendlicher eine Affäre hatte. Ursli Pfisters Königinnenträume und das erste Transvestiten-Promiporträt, das in der National Portrait Gallery in London aufgehängt wird, runden den „britischen“ Teil des Hefts ab. Für einen Olympia-Ersatz sorgt Pornostar Will Helm, den Starfotograf Bernhard Musil als Gladiator in einer ungewöhnlichen Modestrecke inszeniert hat. Ansonsten geht es um einige grundsätzliche gesellschaftspolitische Fragen: Wie gehen wir mit dem Gedenken an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Gedenkstätten wie dem KZ Buchenwald um? Wie verhalten wir uns gegenüber der neuen Homophobie z. B. in Russland? Was hat es mit dem Vorwurf des „Pink Washing“ auf sich, der dem Staat Israel gemacht wird? Für den Entertainment-Touch sorgen u. a. zwei Interviews mit Teenie-Idolen: Der Brite Robert Pattinson spricht über seine Figurprobleme als Sexsymbol (sowie über homoerotische Liebesszenen), und Pop-Phänomen Justin Bieber trafen wir in London, um mit ihm über die gerade erreichte Volljährigkeit zu plaudern und die Frage, warum er selbst findet, dass er so ein toller Liebhaber ist.
Viel Spaß beim Lesen!
Kevin Clarke, Chefredaktion
Gad Beck ist tot
Wie erst jetzt bekannt wurde, starb am Sonntag in Berlin Gad Beck, einer der letzten schwulen Überlebenden des Holocaust
Beck wurde durch seine Autobiografie “Und Gad ging zu David” Anfang der 90er Jahre einem breiten Publikum bekannt. Der Widerstandskämpfer schilderte darin ohne jede Bitterkeit sein Leben als schwuler Jude im dritten Reich und der Bundesrepublik.
Er wurde 1923 in Berlin geboren und ging ab 1941 in den Widerstand. Mit der Gruppe “Hechaluz” organisierte im Untergrund die Flucht von Juden nach Palästina. Während der letzten beiden Kriegsjahre organisierte er als Leiter des “Chug Chaluzi” das Überleben zahlreicher im Untergrund lebender Juden. Nachdem er nach dem zweiten Weltkrieg versucht hatte in München zu leben, übersiedelte Beck 1947 nach Israel, wo er bis 1979 lebte. Seit der Veröffentlichung von “Und Gad ging zu David” verbrachte Gad Beck viel seiner Zeit damit in aller Welt seine Lebensgeschichte zu erzählen, so zum Beispiel 2006 im Dokumentarfilm “Die Freiheit des Erzählens. Das Leben des Gad Beck”. In den letzten Jahren trat Gad Beck mit zahlreichen Vorträgen und Lesungen in Europa und den USA in Erscheinung. (pasch)
Französische Regierung kündigt Öffnung der Ehe für 2013 an
Nachdem die Sozialisten unter François Hollande am letzten und dem vorangegangenen Sonntag auch bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit aller Stimmen für sich verbuchen konnten, wollen sie jetzt auch homopolitisch schnell aktiv werden
Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem kündigte am Wochenende in Lyon an, die Regierung werde bis zum nächsten Jahr schnell und unproblematisch eine Gesetzesänderung herbeiführen, die die Ehe in Frankreich auch für homosexuelle Paare ermöglichen würde. Das hatte Hollande im Wahlkampf zugesagt, wie er sich überhaupt homofreundlich und offen für Veränderung gezeigt hatte. Das er und seine Regierung diesen Worten nun Taten folgen lassen, ist mehr als wahrscheinlich: Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren stellen die Sozialisten wieder die Mehrheit der Abgerordneten in der Nationalversammlung und den Präsidenten, können also sehr viel freier gestalten als bisher. Die Öffnung der Ehe war bislang an den Konservativen unter Nicolas Sarkozy gescheitert, der sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen hatte. (pasch)

















