Archiv der Artikel die mit Aids getagged sind.

POSITIVE BILDER

Die MÄNNER-Redakteure Paul Schulz und Christian Lütjens haben einen Bildband über 30 Jahre HIV veröffentlicht. In ihrem Vorwort erklären sie, warum sie POSITIVE PICTURES – A GAY HISTORY gemacht haben

Dieses Buch war harte Arbeit. Weniger, weil es lange gedauert hat, das Geld dafür aufzutreiben, die Beschaffung der Bilder nicht so einfach war oder viele Leute auch 2013 noch nicht über unser Thema sprechen wollten – damit hatten wir gerechnet. Es war eher die immer gleiche Frage von Außen­stehenden, die uns zu schaffen machte: „Ein Buch über Aids? Warum macht ihr das denn?“
Hier unsere Antworten: Weil es nichts gibt, was das Leben schwuler Männer seit Stonewall so verändert hat wie HIV. Wir leben anders, lieben anders, haben anderen Sex. Wir gehen anders miteinander und mit uns selbst um. Wir wissen mehr über unsere Stärken und Schwächen. Wir interagieren anders mit Heterosexuellen. Wir melden unsere Rechte schneller an. Wir haben in der Breite gelernt, nicht nur brav, hübsch und witzig zu sein, sondern auch wütend, laut und aggressiv, wenn es nötig ist. Wir lieben uns selbst und andere mehr, wissen aber auch besser, wo unsere Feinde stehen.
Dieses Buch gibt es, weil wir wissen wollten, wie es zu all dem kam. Und wir glauben, dass es uns nicht alleine so geht.
Dieses Buch gibt es auch, weil so viele gestorben sind und ein asiatisches Sprichwort besagt, dass man die Toten wieder lebendig macht, indem man ihre Namen sagt. Also sagen wir sie, auf viele verschiedene Arten, und lassen sie sagen, in vielen verschiedenen Stimmen, die viele unterschiedliche Positionen vertreten. Doch wir wollten dieses Buch auch machen, weil so viele von uns noch leben und uns allen viel Interessantes zu sagen und zu zeigen haben.
Dieses Buch gibt es, weil viele der darin gezeigten Bilder so unfassbar schön sind, oder schockierend, oder erotisch, oder traurig, oder schlau, oder unheimlich, oder lustig, oder all das. Und wir wollten, dass man sie alle zusammen betrachten kann.
Wir haben dieses Buch gemacht, weil wir die Auffassung des amerikanischen Aktivisten und Schriftstellers Larry Kramer teilen, für den es „die größte soziokulturelle Leistung einer Minderheit in der Geschichte der Menschheit“ ist, „dass schwule Männer sich selber gerettet haben, dass wir nicht alle gestorben sind.“ Und weil wir finden, dass das ein Grund zum Feiern ist.
Wir hoffen, Sie stimmen uns zu und haben viel Spaß beim Lesen und Schauen, beim Wiedersehen oder Neuentdecken. Dann hätte sich die harte Arbeit sehr gelohnt.

POSITIVE PICTURES – A GAY HISTORY, Bruno Gmünder, 224 Seiten, 39,95 Euro

SPORTLICH: MÄNNER IM MÄRZ

Liebe Leser,

Wenn im Büro um 19.00 Uhr so langsam die Lichter ausgehen, ist es oft so: Die Chefredaktion sagt „Ich geh noch was trinken/essen/angucken. Will jemand mit?“ Dann gibt es immer mindestens einen Kollegen, der antwortet: „Ich kann nicht, ich muss noch ins Fitnessstudio.“ Die obligatorischen Gegenfragen: „Musst du oder willst du? Und warum eigentlich?“ Lustigerweise fallen Vielen darauf spontan keine Antworten ein.
Für die Redaktion Grund genug, nach welchen zu suchen. Schließlich stellen sich die meisten schwulen Männer in Bezug auf ihre Körper dieselben Fragen: Bin ich zu dick? Zu dünn? Nicht muskulös genug? Zu muskulös? Zu alt? Zu jung? Oder vielleicht doch genau richtig? Jeder von uns hat sich solche Fragen schon mal gestellt. Weil wir als schwule Männer über nichts so sehr definiert werden wie über unseren Körper und das, was wir damit anstellen.
Deswegen dachten wir MÄNNER: Es ist Zeit für ein Sport-Special. Einzige Bedingung war, dass es unverkrampft sein sollte. Wir wollten keine Druckszenarien aufbauen, Normen abfeiern oder Fitnessdiktate verordnen, sondern einfach nur Lust auf ein gutes Körpergefühl machen. Für diesen Ansatz ist unser Titelheld Davey Wavey genau der richtige Repräsentant. In den letzten Jahren hat der Amerikaner eine kometenhaften Karriere als Fitness- und Lebensberater gemacht. Weil er Tausenden Menschen jeden Tag im Internet zeigt, dass ein schöner Körper glücklich macht, ohne dabei vorzugeben, dass seine eigene imposante Statur die „richtige“ ist. Ähnlich entspannt ist auch unser neuer Fitnesstrainer Patrick Thomalla. Patrick weiß, dass bei Jedem irgendwas geht. Und er will anderen dabei helfen, ihre persönlichen Ziele zu verwirklichen. Mit einem Trainingsplan für Zuhause und einer einfachen aber wirksamen Diät gibt er erste Anregungen. Unser Autor Timo Gerling macht sich auf vier Seiten Gedanken darüber, ob der männliche Körper eine Waffe ist und wenn ja, gegen wen sie sich richtet.
Nirgends spielt unser Körper eine so entscheidende Rolle wie beim Sex. An ihm leitet sich ab, was wir gern haben und mit wem das geht. Die vier Paare, die wir direkt nach dem Sex befragt haben, stellen ganz unterschiedliche Dinge an ganz unterschiedlichen Orten an, haben aber alle eine gemeinsame Vorliebe: Nippelplay.
Natürlich sind unsere Körper auch politisch: Krsto Lazarevic beschäftigt sich in einer großen Reportage zum Thema Asyl damit, wie schwer es schwulen Flüchtlingen gemacht wird, ihre Homosexualität auf den Ämtern zu beweisen. Gregor Gysi hingegen berichtet im MÄNNER-Interview darüber, wie er schon im Elternhaus gelernt hat, Homos zu akzeptieren. Filmemacher Gregor Schmidlinger und Musiker John Grant wollen derweil beide ein neues Verhältnis zu ihrer Sexualität aufbauen. Schmidlinger macht ein Jahr Pornopause und Grant versucht, seine HIV-Infektion in ein neues Körpergefühl einzubeziehen. Ein Thema, zahllose Facetten. Dieses Heft beweist, dass unser Körper weit mehr ist als eine leibliche Hülle – auch wenn Papst Benedikt gerade versucht, uns das Gegenteil zu beweisen. Aber die Schwulen waren mit Benedetto ja sowieso selten einer Meinung. Auch darum geht‘s in diesem Heft. Es ist also ein guter Grund, mal einen Abend Fitnessstudio zu schwänzen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht:

Die MÄNNER-Redaktion

ICH BIN NICHT DIE SEX-POLIZEI!

Jack Mackenroth (Foto Jack Mackenroth)

Jack Mackenroth (Foto Jack Mackenroth)

Jack Mackenroth ist Modedesigner, Reality-TV-Star, HIV-Botschafter und Betreiber eines neuen Datingportals für HIV-Positive. Mit Volttage.com will der Amerikaner, selbst seit 23 Jahren positiv, ein Zeichen setzen – gegen Stigmatisierung und für Selbstverantwortung

Interview: Christian Lütjens

Warum hast du Volttage.com gegründet?
Es kommen immer wieder Leute zu mir, die fragen, wie ich im Bezug auf meinen HIV-Status bei Dates verfahre oder ob es ratsam ist, auf Online-Profilen von vornherein zu enthüllen, dass man positiv ist. Für mich persönlich kann ich nur sagen: Wenn mich jemand nicht mag, dann ist er mir egal, und wenn mich jemand wegen meines HIV-Status diskriminiert, dann ist er nicht der Richtige für mich. Ich bin seit 23 Jahren positiv. Eine lange Zeit, nach der ich wirklich sagen kann, dass HIV mein Selbstwertgefühl nicht mehr beeinträchtigt. Aber mir ist auch klar, dass Zurückweisung von Positiven immer noch stattfindet und dass die meisten damit nicht so locker umgehen wie ich. Viele Leute meinen nach der Diagnose auch, gar keinen Sex mehr haben zu dürfen, sie schämen sich oder fühlen sich nicht mehr liebenswert. Dem wollte ich mit Volttage.com etwas entgegensetzen.

Was unterscheidet die Seite von anderen Datingportalen?
Durch die bewusste Ansprache von Positiven soll Stigmatisierung vermieden werden. Und wir machen nicht auf Sex-Polizei. So verzichten wir bei den Profilen bewusst auf Kategorien wie PND (Party No Drug Use), Safer Sex oder HIV-Status. Damit beugen wir falschen Sicherheitsgefühlen vor und vermeiden Vorurteile. Wenn Leute nicht angeben, dass sie keine Drogen nehmen, heißt das ja nicht, dass sie ständig drauf sind. Wenn sie nicht ankreuzen, dass sie Safer Sex praktizieren, müssen sie nicht zwangsläufig Barebacker sein. Und wenn jemand behauptet, dass er negativ ist – vielleicht, weil er es selber glaubt – muss das sowieso nicht stimmen. Leute, die sich bei uns anmelden, gehen davon aus, dass ihre Chatpartner positiv sind, den Rest machen sie unter sich aus.

Was ist deine persönliche Safer-Sex-Maxime im Jahr 2012?
Ganz einfach: Wenn du nicht sicher bist, ob du dich mit HIV oder irgendetwas anderem infizieren könntest, musst du Kondome benutzen. Also eigentlich immer. Es geht ja nicht nur um den Schutz vor HIV, sondern auch um Hep C und weitere STDs, die man nicht wirklich haben muss. Solange die Viruslast unter der Nachweisgrenze ist, kann man das Kondom in einer monogamen Beziehung zwar weglassen, aber monogame Beziehungen gibt es kaum.

Sprichst du aus Erfahrung?
Ich hatte in der Vergangenheit beides, monogame und offene Beziehungen, da kriegt man einiges mit. Seit einem halben Jahr habe ich einen Freund, für den ich tatsächlich monogam bin. Das liegt aber auch am Alter. Ich bin 43 und habe Lust auf Hochzeit, Haus und zwei Hunde. Die Rumhurererei interessiert mich nicht mehr so.

Du beteiligst dich traditionell an dem jährlichen Fotoprojekt „A Day with HIV“, für das du dich im letzten Jahr von Fremden mit einem „Positive“-T-Shirt in der U-Bahn fotografieren lassen hast. Welche Idee hattest du dieses Jahr?
Ich bin in New York in einem schwulen Schwimmteam und hab mich von Kollegen im Pool fotografieren lassen. Es ging diesmal weniger um Sichtbarkeit im Allgemeinen als um den Ausdruck von Gesundheit, Wohlbefinden und Fürsorge, die nichts mit Medikamenten zu tun hat. Viele denken immer noch, Positive sind krank und schwach und können kaum was machen. Das Bild zeigt das Gegenteil.

Wie sieht deine Therapie-Biografie aus?
Ich bin ein  Fall. Ich habe 1993 mit Combivir angefangen, eine Mischung aus AZT und 3TC. Das schlug bei mir sehr gut an, was ungewöhnlich ist. Ganze 17 Jahre bin ich dabei geblieben. Erst vor ein paar Jahren habe ich auf neue Integrase-Inhibitoren umgeschwenkt. Ich spreche namentlich aber nicht über meine Medikation. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute, die sehen, dass es mir sehr gut geht, solche Aussagen als Empfehlung missverstehen. Da Medikamente aber individuell sehr unterschiedlich anschlagen, halte ich es für unverantwortlich, Empfehlungen auszusprechen.

www.volttage.com

POSITIVE NEUIGKEITEN: MÄNNER 12

Flipbook
Zum Blättern in die Ecken klicken.

Lieber Leser,

Jüngst erschien in den USA – in der renommierten Harvard University Press – ein dickes Buch mit dem Titel How to Be Gay. Darin untersucht der Autor und Professor David Halperin, was es heißt, schwul zu sein, was schwules Empfinden besonders macht und warum Schwule bestimmte Dinge – wie z. B. die Golden Girls – so schätzen. Nach über 500 Seiten Analyse kommt Halperin zu der knapp formulierten Schlussfolgerung: „Sometimes I think homosexuality is wasted on gay people.“ (Muss ich das übersetzen? Ich machs mal: “Manchmal glaube ich, Homosexualität ist an mich vergeudet!”) Ich gestehe, dass dieses Verdikt mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Bin ich auch jemand, bei dem die wunderbare Gabe schwulen Empfindens vergeudet ist, weil ich wie so viele Schwule, von denen Halperin erzählt, nicht nur „normal“ sein will, sondern „banal“? Und: Reflektiert MÄNNER die Buntheit, Besonderheit, den sexuellen Spaß und auch den politischen Ernst, der Schwulsein 2012 ausmacht? Oder trifft auf uns Halperins Urteil über US-Homozeitschriften zu, die er als „nicht viel mehr als ein Bordmagazin im Flugzeug“ charakterisiert: Werbung, Kosmetik, Reise, Mode, Schluss?
Wir haben uns kurz vorm Weltuntergang am 21. Dezember bemüht, dem ein lustvolles, farbenfrohes, teils eklektisches Heft entgegenzusetzen, das sich nicht schämt, genauso selbstverständlich über neue Bottoms, eine Justin-Bieber-Sexpuppe, das Projekt „Gay Dads“, den Paragrafen 175, schwule Hobbits, Briefmarken und den Fetisch-Weihnachtsmarkt in Amsterdam zu berichten (u. a.). Im Lufthansa-Bordmagazin wird man diese Geschichten sicher nicht finden, die Fotos sowieso nicht. Das gilt auch für den 16-seitigen M+-Teil, der in Form von Interviews Themen rund um HIV und Aids abdeckt, die zum schwulen Leben dazugehören: auch zu Weihnachten, auch kurz vorm Weltuntergang, den womöglich nur die Schwulen überleben werden, weil die Maya-Götter besonders homofreundlich sind, wie unser Autor meint. Sollten wir’s bis zu einer Januarausgabe schaffen, dann starten wir mit neuer Energie ins neue Jahr, das auch für MÄNNER Veränderungen bereit hält: mit neuem Chefredakteur, neuer politischer Ausrichtung, neuen Zielen, neuer Definition von „How to Be Gay“. Es bleibt spannend.

Viel Spaß beim Lesen!

Kevin Clarke, Chefredaktion

Maren allein zu Haus

Maren Kroymann (Foto Milena Schloesser Fokke Hoegmann)

Maren Kroymann (Foto Milena Schloesser)

Nach dem Tod von Dirk Bach moderiert die Schauspielerin die „Künstler gegen Aids“-Gala im Berliner Theater des Westens heute Abend allein

Die Spielzeit von Tanz der Vampire im Theater des Westens Berlin wurde kürzlich bis Januar 2013 verlängert, am 22. Oktober jedoch haben die Ensuite-Blutsauger Sendepause. An diesem Abend geht in dem Traditionshaus an der Kantstraße die Charity-Gala „Künstler gegen Aids“ über die Bühne. Eigentlich sollte Maren Kroymann zusammen mit Dirk Bach durch den Abend führen, nach dessen Tod bleibt die Lücke die er hinterlässt “nun ganz bewusst auch auf der Bühne sichtbar. Dirk ist nicht zu ersetzen, ich moderiere allein.”, ließ Kroymann vorab wissen. Stilvoll und mutig, dafür gibt’s von uns schon mal Vorschusslorbeeren. Mit Auftritten der Akrobaten-Zwillinge Pablo und Pierre Caesar sowie von Robert Kreis und Dana International ist das Programm fest in queerer Hand. Überdies präsentiert Armin Morbach ein eigens für die Veranstaltung entwickeltes und heftig umstrittenes Fotoprojekt, und nach der Show legt im Foyer DJ Ades Zabel auf. Alle Erlöse kommen Hilfsprojekten für HIV-Positive zugute. Besser als Blutsaugen!

22. Oktober 2012, 20 Uhr, Theater des Westens Berlin

www.kuenstlergegenaids.de





Jetzt Abonnieren!


Home

  • IMPRESSUM

  • Bruno Gmünder Verlag

    Bruno's

    M+

    Spartacus World

    Feed